Bislang hat sich der Bundesrat gegen eine Ausgangssperre ausgesprochen. (Bild: Keystone)
Schweiz

Kommt die Ausgangssperre über Ostern?

Der Bundesrat könnte über Ostern die Ausgangssperre verhängen, twitterte alt-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. Was ist da dran?

Vorgestern setzte alt-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) diesen Tweet ab:

Die Gerüchte habe sie aus ihrem politischen Beziehungsnetz vernommen, sagt die langjährige Bundespolitikerin, die bis 2018 im Nationalrat politisierte, auf Anfrage. Aber nicht aus den engen Entscheidungszirkeln.

Klar ist: Der Bundesrat wird eine Verschärfung von der Einhaltung des geltenden «Stayhome»-Gebots abhängig machen. Zur Generalprobe wird das nächste Wochenende. Die Wetterdienste künden für die Region Basel Sonne und 20 Grad am nächsten Sonntag an.

Pro Ausgangssperre: Die Schweizer Polizeien rückten am vergangenen Wochenende vermehrt wegen Meldungen aus, weil sich angeblich mehr Leute in der Öffentlichkeit aufhielten. In Zürich, Luzern, im Aargau wurden zwischen 44 und 100 Bussenzettel verteilt, schrieb «Blick».

Noch immer hielten sich gerade jüngere Leute nicht an das Kontaktverbot (nicht mehr als fünf Personen).

Contra Ausgangssperre: An der Anzahl der Einsätze allein lässt sich das Verhalten der Bevölkerung nicht genau abmessen. Denn die Polizei rückt auf Meldungen von Anwohnern etc. aus. Diese träfen nicht immer zu, hielt ein Polizeisprecher fest.

In Basel-Stadt: Keine Zunahme registriere die Basler Polizei. In den letzten 10 Tagen seien 60 Bussen wegen Verstössen gegen die Kontaktregel ausgesprochen worden, sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Am ersten Wochenende: 20, am zweiten weniger, nämlich 15. 

«Wichtig ist jetzt, dass die Leute weiterhin diszipliniert sind und nicht nachlassen», sagt Regierungssprecher Marco Greiner. Aber besondere Massnahmen (Gebietsabsperrungen etc.) habe die Regierung für die kommenden Wochenenden keine beschlossen.

Im Baselbiet: Im vergleichbaren Rahmen seien auch Bussen im Landkanton ausgesprochen worden. Anfangs habe man an den neuralgischen Punkten, wie dem Birsköpfli oder im Allschwiler Wald nur ermahnt. Aber ab jetzt werde konsequent gebüsst, sagte Polizeisprecher Adrian Gaugler. Bis zur Stunde seien keine besonderen Massnahmen für die nächsten beiden Wochenenden geplant.

Das Bundesamt für Gesundheit: Die Botschaft der Behörden sei bei der Bevölkerung angekommen. Die Verhaltensregeln würden zu einem sehr hohen Ausmass auch umgesetzt. Dies ergab eine Sotomo-Studie – die allerdings die Leute selber befragte.

Wichtigster Punkt: die Ansteckungszahlen

Das matchentscheidende Kriterium für eine Ausgangssperre werden die Neuansteckungen sein.

Pro Ausgangssperre: Die Behörden vermeldeten täglich um 1’000 neue Corona-Fälle. Aktueller Stand: 16’176 laborbestätigte Fälle. Das sind «nur» 701 mehr als am Vortag.

Contra Ausgangssperre: Die Kurve ist bislang nicht steiler in die Höhe geschnellt. Dabei werden ständig mehr Tests gemacht. Zieht man die Dunkelziffer und die Inkubationszeit, bis die Krankheit ausbricht, in der Überlegung hinzu, könnte man sogar vorsichtig von einer Abflachung reden.

Eine Ausgangssperre ist eine äusserst drastische Massnahme, die der Bundesrat nur mit gut nachvollziehbaren Gründen einführen könnte – um nicht Widerstand und massenhaft Verstösse hervorzurufen.

Höhepunkt Mitte Mai?

Aber: Der Basler Epidemiologe Richard Neher hat drei Szenarien zur Ausbreitung des Virus erstellt. Er hält laut SRF derzeit sein mittleres Szenario für wahrscheinlich. Danach hätten wir den  Höhepunkt ungefähr Mitte Mai erreicht mit über 64’000 Erkrankten (und später 22’000 Toten).

Fazit: Mit solchen Perspektiven wird klar, dass die Ausgangssperre als mögliche Massnahme noch länger nicht vom Tisch ist.

8 Kommentare

  1. MEINE DAMEN UND HERREN,

    hiermit künde ich folgendes im Falle einer Ausgangssperre an:

    a) rufe ich zum Zivilen Ungehorsam auf
    b) rufe ich alle Arbeiter, die in der Grundversorgung arbeiten dazu auf, zu einem unbefristeten Streik

    Wollen wir mal sehen, wer den längeren Atem hat! Nach spätestens einer Woche kollabiert unser System, und unser Bundesrat wird nicht mehr Regieren! IST ES DAS, was die oberen wollen?

    KOLLEKTIVSTRAFEN? NIEMALS! Wir sind nicht eure Sklaven, die nur sich zu Tode schuften, und dafür null Ausgleich haben sollen!!!!Report

  2. Es ist ziemlich traurig,dass es so viele egoistische Menschen gibt.
    Wenn man sich nicht an die Regeln hält,dann ist man leider gezwungen die Ausgangssperre durchzuziehen.
    Es ist immer noch besser,als wenn die ältere Leute oder solche mit vor Erkrankung dabei sterben müssen.
    Also,haltet euch bitte an die Regeln und nimmt es ernst!Report

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