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«Aktien jetzt verkaufen ist das Falscheste, was man machen kann»

Ist ein Verkauf der Aktien im Moment eine gute Idee? Sie haben uns Ihre Fragen geschickt. Unsere Experten aus dem Bereich der Wirtschaft haben geantwortet.

Die Unsicherheit der Bevölkerung herrscht nicht nur auf gesundheitlicher Ebene, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene. In der zweiten Ausgabe von «Corona-Krise Spezial» haben Experten aus Finanz und Wirtschaft Platz genommen um Ihre Fragen zu beantworten.

Basil Heeb, CEO der BKB – Ruben Masar, Basler Wirtschaftsanwalt und Valentin Ade, Redaktor «Finanz und Wirtschaft» haben sich Ihren Fragen gestellt.

Reichen die 20 Milliarden vom Bund bis zur Ende der Krise überhaupt aus?

Ade: «Das wird man sehen. Diese 6,6 Milliarden Franken, die vergeben wurden sind die kleinen Kredite bis 500’000 Franken. Im Schnitt beträgt ein Kredit rund 200’000 Franken, bei über 30’000 Anträgen.»

Wieso wurden noch keine grossen Kredite über 500’000 Franken gesprochen?

Ade: «Es gab Anträge. Diese waren unvollständig. Da sind die Banken aber auch selber im Risiko mit 15 Prozent. Diese grossen Kredite werden nicht zu 100 Prozent vom Bund verbürgt. Da könnte es nun länger gehen, bis das Geld fliesst.»

Heeb: «Die Verordnung verlangt, dass man eine branchenüblichen Test der Unternehmen durchführt. Wir wollen und müssen diese Gesuche beurteilen. Wir schauen aber drauf, dass diese Kreditprozesse sehr schnell nun laufen.»

Was tun, wenn meine Hausbank meinen Überbrückungskredit ablehnt?

Heeb: «Bislang haben wir kein Gesuch abgelehnt. Es macht viel Sinn, dass man zuerst zur Hausbank geht. Auch weil man dort die gesamte Geschichte des Unternehmens kennt. Jetzt noch zu erwarten, dass die Banken einen Kundeneröffnungsprozess durchführen, das wäre beinahe zu viel.»

Hat man als Unternehmen überhaupt Anspruch auf diese Überbrückungskredite?

Masar: «Man hat weder beim kleinen noch beim grossen Kredit einen Anspruch darauf. Die Banken setzen das hoffentlich generös um.»

Was passiert nun mit den Schweizer Startup-Unternehmen?

Heeb: «Diese Unternehmen sind durch das Bundesprogramm kaum oder nicht abgedeckt. Startups sind auch eher stark equity-finanziert, als kredit-finanziert. Es gäbe aber auch die Möglichkeit auf das Kantonsprogramm zu schwenken, um Unterstützung zu erhalten, wo man allerdings Zinsen zahlen muss.»

Ade: «Die Startups sind ein innovativer Sektor. Jedes Unternehmen war mal ein Startup. Vielleicht gäbe es heute aufgrund so einer Krise auch keine Roche oder Novartis. Es ist wichtig, dass man den Startups einen Schutz bietet – zumindest für eine gewisse Zeit. Auf jeden Fall solange diese ausserordentlichen Massnahmen des Bundes in Kraft sind. Man kann am Ende nicht wählerisch sein, welchem Startup man hilft oder nicht. Die Startups sind ja nicht das Problem, dass sie den Staat grossartig Geld kosten. Die sind mit den Kleinkrediten bereits gut bedient. Probleme wird es geben, wenn grosse Unternehmen in Schwierigkeiten geraten. Das kann schnell teuer werden.»

Könnten geschwächte Schweizer Unternehmen von internationalen Konzernen nach der Krise aufgekauft werden?

Heeb: «Gekauft werden nur diese Firmen, die ein Produkt haben oder einen Service bieten können, welcher interessant ist für grosse Konzerne. Ob und wie sich ein Markt von Fusionen oder Käufen entwickeln wird, das ist für noch nicht absehbar.»

Kann man auch für nur 50 Prozent des Arbeitspensums Kurzarbeit beantragen?

Masar: «Ja, das geht. Man erhält dann einfach von dem Teil des Lohn der weggbricht, von dem gibt es noch 80 Prozent.»

Muss ich meine Aktien nun verkaufen? Oder soll ich sogar kaufen?

Ade: «Man muss das, gerade in solchen Krisen, durchstehen. Verkaufen ist sogar das Falscheste was man machen kann – wenn man nicht absolut auf das Geld angewiesen ist. Wenn man jetzt verkauft, dann realisiert man den Buchverlust. Man sollte die Zähne zusammenbeissen.

Was machen Unternehmen, die nur indirekt von dem Massnahmen des Bundes betroffen sind?

Masar: «Ein Larvenatelier ist beispielsweise nicht direkt betroffen von dem Bundesmassnahmen. Das Atelier dürfte weiterhin seine Larven machen. Der Hochzeitsfotograf darf theoretisch weiterhin seine Fotos machen. Aber niemand will zurzeit eine schöne Larve oder schöne Hochzeitsfotos. Diese Unternehmen fallen bereits jetzt durchs Raster. Und was in einem Jahr ist, wenn dieser Verlust erst wirklich realisiert wird, das wird von den aktuellen Massnahmen nicht abgedeckt. Da sieht es aktuell schlecht aus. Es ist aber alles noch im Fluss. Die Hoffnung verlieren wäre jetzt noch zu früh».

Sollte man lieber Konkurs anmelden um den Schaden zu begrenzen?

Masar: «Ja, das ist eine Option. So hart es klingt. Ein Gastrobetrieb beispielsweise, welcher bereits vor der Krise das Messer am Hals hatte, könnte diese aktuelle Krise auch als Grund nehmen um tatsächlich dicht zu machen. Wenn man der Realität ins Auge schaut und man merkt, man schafft es nicht. Und man vielleicht jetzt noch ein bisschen Geld auf der Seite hat. Letztlich muss das jede Gesellschaft für sich entscheiden. Aber es ist nichts, dass man einfach so ausschliessen sollte. Und es ist auch nicht der Moment, wo man gezwungenermassen auf die Kredite des Bundes zurückgreifen muss. Am Ende ist es ein Kredit und kein Zuschuss ohne Rückerstattung.»

Was machen selbständig Erwerbende in der aktuellen Situation?

Masar: «Diese Menschen fallen aktuell durchs Raster. Wenn sie kein Betrieb sind, welcher direkt von den Massnahmen des Bundes tangiert sind. Sie können zwar weiterarbeiten, aber sie erhalten keine Aufträge. Das ist effektiv eine Lücke in der aktuellen Verordnung. Vermutlich aufgrund eines politischen Entscheids. Oder weil diese Verordnung noch nicht in Stein gemeisselt ist. Dass es effektiv noch mehr geben könnte. Es gibt aber auch noch die kantonalen Programme. Diese sind eigentlich dafür vorgesehen, dass die Menschen, die beim Bund durchs Netz fallen, aufgefangen werden. Aber auch da ist es nur ein Kredit.

1 Kommentar

  1. Aktien verkaufen falsch? Ja, man hätte lieber vorher verkauft.. Schaden begrenzen ist immer gut! Leere Durchhalteparolen vom „Experten“ – Das Schlimme steht noch bevor: Massenarbeitslosigkeit, Hyperinflation, Pensionskassen futsch! – Die Kur gegen das Virus wirktReport

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