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Der Telebasel News Beitrag vom 29. März 2020.
Region

Soforthilfe für Selbständige funktioniert – aber nicht für alle

Die versprochene Soforthilfe des Bundes unterstützt zahlreiche Unternehmen unbürokratisch. Aber längst nicht alle können von dieser Hilfe profitieren.

«Wir helfen allen», betonte der Bund immer wieder. Seit kurzem können selbständige Unternehmerinnen und Unternehmer Soforthilfe beantragen. Aber klappt das auch? Wird tatsächlich schnell und unkompliziert geholfen? Dabei gibt es auch private Initiativen. So etwa vom Solidaritätsfonds «Basel schafft(s) zämme» der Gewerbestiftung. Dieser unterstützt KMU 4000 Franken über die Durststrecke. Telebasel fragte bei zwei Kleinunternehmerinnen nach, die kürzlich nach ihren Anträgen in den Genuss dieser Soforthilfe kamen.

Monika Meschinski, Besitzerin Winter-AG:

Die Besitzerin der Winter-AG, Monika Meschinski, im Interview über die Soforthilfe aus dem Solidaritätsfonds. (Video: Telebasel)

«Es war relativ einfach das Formular auszufüllen und es abzuschicken und ich war richtig überrascht, als wir am Donnerstagmorgen den Entscheid bekommen haben, dass wir zu den Unternehmen gehören, die 4000 Fr. kriegen», meint die Winter-AG Besitzerin Monika Meschinski.

Eine grosse Erleichterung für selbständige Unternehmen. Trotz dieser solidarischen Unterstützung, kann ein KMU diese Krise nicht ewig überleben. «Wenn es über Mai geht, wird es ganz bestimmt eng», meint die Chefin des Radio- und Fernseh-Geschäfts.

Vanessa del Moral, Gründerin des Kleidergeschäfts «Naked»:

Vanessa del Moral, Gründerin des Kleidergeschäfts «Naked» spricht im Interview über die Soforthilfe aus dem Solidaritätsfonds. (Video: Telebasel)

Ebenfalls von der Hilfe kann Vanessa del Moral, vom Kleidergeschäft Naked, profitieren: «Ganz kurz fielen wir in eine Schockstarre, aber wir haben uns schnell wieder erholt. Es blieb uns auch nichts anderes übrig. Wir wussten, auch wenn geschlossen ist, müssen wir funktionieren. Ich bin eine Glückliche, Auserlesene, die von diesem Solidaritätsfond profitieren konnte und das verlief sehr unbürokratisch, unkompliziert und ist schnell gegangen», erklärt del Moral.

Viele Selbstständige wurden vergessen

Diese Soforthilfe scheint also zu funktionieren. Es gibt aber Fälle, die bis jetzt offenbar durch die Maschen des Systems fallen. Es sind diejenigen Berufe, die weiterhin arbeiten dürfen, aber wegen der Corona-Krise nicht genug, oder sogar keine Kunden oder Aufträge mehr haben. Für sie ist es eine sehr schwierige und ungewisse Situation. Telebasel fragte bei einem selbstständigen Taxiunternehmer und einem selbstständigen Werbeberater nach:

Idriz Anlas, Selbstständiger Taxiunternehmer:

Idriz Anlas, selbstständiger Taxiunternehmer seit 1993, erzählt im Interview über seine schwierige Situation. (Video: Telebasel)

Für den selbstständigen Taxiunternehmer, Idriz Anlas, ist es ein «katastrophaler Zustand». Er sieht keinen einzigen Rappen, obwohl er direkt von der Corona-Krise betroffen ist. Das Problem: Er darf arbeiten. Auch wenn er «etwa 98 Prozent» weniger Kundschaft habe, erhält er keine Soforthilfe.

Zum Beispiel sei er am Samstag mehr als sieben Stunden vor dem Bahnhof SBB gestanden. Dabei habe er zwei Mal 12 Franken Umsatz gemacht, also insgesamt 24 Franken. Da auch jeder Anlass verschoben oder sogar abgesagt wird, fehlt ihm ganz viel Geld, welches er schon eingeplant hatte. Er kann es einfach nicht verstehen: «Wir sind vergessen worden. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so etwas passieren kann.»

Andi Kocher, selbstständiger Werbeberater:

Andi Kocher, selbstständiger Werbeunternehmer, spricht über seine schwierige Situation in der Corona-Krise. (Video: Telebasel)

Auch der selbständiger Werbeberater, Andi Kocher, erhält keine Soforthilfe. Und das, obwohl auch bei ihm die Kundschaft und die Aufträge fehlen. Das Problem: «Der Bundesrat sagte mir nicht, dass ich den Betrieb schliessen muss. Aber er sagte es zu meinen Kunden und teilweise zu den Zulieferern. Das bedeutet, ich habe dann keine Aufträge mehr», sagte Andi Kocher.

Nun erwartet er vom Bund, dass dieser sein Wort hält und «die Selbstständig-Erwerbenden, wie ich einer bin, gleich behandelt, wie alle anderen und über die Erwerbsersatzordnung via zuständige AHV-Stelle entschädigt».

Zur Zeit gibt es eine Petition «Corona-Soforthilfe für alle Selbständigen – und diesmal wirklich für alle!», die laut der Homepage act.campax.org bereits über 34’000 Unterschriften gesammelt hat.

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