Trüber Aussichten bei den TV-Einnahmen im Fussball-Bereich: Da weniger Spiele übertragen werden, drohen hohe Verluste. (Bild: Keystone)
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Astronomische Verluste bei Fussball-Übertragungen befürchtet

Den grössten Ligen Europas drohen wegen des Coronavirus TV-Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe wegzufallen. Geisterspiele könnten den Schaden begrenzen.

Es sind astronomische Summen, die Saison für Saison in die grössten Ligen Europas fliessen. Über sieben Milliarden Franken sollten im laufenden Fussballjahr den besten Klubs aus England, Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich zukommen. Dass die Vereine fest mit den Einnahmen gerechnet haben, versteht sich von selbst. Das Coronavirus könnte sie nun in grosse Nöten bringen.

In England, Spanien und Italien kommt im Durchschnitt rund die Hälfte der Jahreseinnahmen der in der höchsten Liga spielenden Klubs von den übertragenden TV-Stationen. In Deutschland und Frankreich ist es prozentual etwas weniger, aber immer noch so viel, dass es beim einen oder anderen Klub um die Existenz gehen könnte, sollten die TV-Einnahmen nicht im vollen Umfang ausbezahlt werden.

Irritierende Entscheide

Diese Abhängigkeit vom Fernsehen sorgte in den letzten Wochen für irritierende Entscheide. In der italienischen Serie A wurde noch gespielt, als sich das Ausmass der Krise längst abzeichnete. Und auch anderswo versuchte man noch so lange wie nur möglich, den Ball am Rollen zu halten. In der Premier League rang man sich erst zum Unterbruch durch, nachdem die ersten Fälle innerhalb der Liga bekannt geworden waren.

Vergleichsweise früh stoppte die Swiss Football League ihre Meisterschaften. Schon seit Ende Februar wird nicht mehr gespielt. Für die Super League macht das TV-Geld – es dürften rund 35 Millionen Franken pro Saison sein – einen relativ kleinen Anteil an den gesamten Einnahmen aus. Bedeutender sind die Einkünfte aus dem Ticketverkauf. Sie decken im Durchschnitt rund einen Drittel des Budgets eines Super-League-Klubs.

Es geht um Hunderte von Millionen

Spiele ohne Zuschauer sind für die Schweizer Topvereine nicht lukrativ. Auch deshalb fiel der Entscheid, die Saison zu unterbrechen, rascher als etwa in Deutschland, wo die Klubs alles daran setzen werden, so bald wie möglich den Betrieb mit Geisterspielen wieder aufzunehmen. Ein Abbruch der Saison zum jetzigen Zeitpunkt würde für die Bundesligisten eine Dreiviertel Milliarde weniger Einnahmen bedeuten, errechnete die Deutsche Fussball Liga. Die entgangenen TV-Gelder aus dem mit 1,16 Milliarden Euro pro Saison dotierten Vertrag wären für die Hälfte des Ausfalls verantwortlich.

Dass die Ligen wohl nicht mit einer grenzenlosen Solidarität der ebenfalls gebeutelten TV-Sender rechnen können, zeigt sich in Frankreich, wo Canal+ die nächste fällige Auszahlung für Anfang April (110 Millionen Euro) zurückbehalten will. Gemäss «L’Equipe» sind insgesamt noch 280 Millionen Euro fällig. In Spanien und Italien dürfte es um einen ähnlichen Betrag gehen. In England müssten die Klubs gemäss der Webseite «The Athletic» 853 Millionen Euro an die übertragenden nationalen TV-Sender zurückzahlen, sollte die Saison nicht wieder aufgenommen werden.

Mehrere Sparmassnahmen

Die Ligen und Klubs suchen längst Möglichkeiten, die unsichere Zeit ohne bleibenden Schaden zu überstehen. Mit Kurzarbeit und freiwilligen oder erzwungenen Lohnkürzungen sollen Kosten gespart werden. In Spanien wird über langfristige Darlehen für die Klubs diskutiert. Momentan lassen sich aber nur Szenarien erarbeiten, über die wegfallenden Einnahmen lässt sich nur spekulieren. Völlig unklar ist, welche langfristigen Folgen die Corona-Krise für den Profifussball haben wird.

Eine erste Antwort könnte es schon im Mai geben. Dann sollen die Bundesliga-Rechte für die Saisons 2021/22 bis 2024/25 vergeben werden. Bislang rechnete die Deutsche Fussball Liga mit einem signifikanten Anstieg der TV-Einnahmen für jene Periode.

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