Die Unia kritisiert Roche und Kanton, weil die Arbeiten am Roche-Turm trotz Corona fortgeführt wurden. (Bild: zVg)
Basel

Bauarbeiten trotz Corona – Unia kritisiert Roche

Auf der Roche-Baustelle wird trotz Coronavirus gearbeitet. Weil mehrere Arbeiter krank sind, erhebt die Unia Vorwürfe. Das Pharmazie-Unternehmen wehrt sich.

Auf der Roche-Bauselle gibt es weitere Corona-Fälle, wie die Unia in einer Mitteilung schreibt. «Dies verdeutlicht, dass die getroffenen Massnahmen des Kantons die Bauarbeiter nicht ausreichend schützen. Die Kantone und Unternehmen sind gefordert, die Baustellen endlich aktiv zu schliessen», fordert die Gewerkschaft.

Bereits anfangs März wurde gemeldet, dass ein Mitarbeiter der Roche-Baustelle unter dem Coronavirus leide. Die Unia kreidet dem Pharmazieunternehmen sowie der Basler Regierung an, zu lange mit Massnahmen gewartet zu haben. So hätten sich drei weitere Bauarbeiter mit dem Virus infiziert. Mehrere weitere sollen wegen Symptomen zuhause geblieben sein.

Unia kreidet Schutzverhältnisse an

Bereits vor zwei Tagen seien Corona-Verdachtsfälle auf der Baustelle aufgetaucht. «Roche liess die Bauarbeiten jedoch trotz Warnung der Unia nur partiell einstellen, auf dem Bau 2 und bei weiteren Gewerbebauten gingen die Arbeiten weiter», so die Vorwürfe der Unia.

Auch hätten die Arbeiter ohne ausreichenden Schutz arbeiten müssen, wie die Gewerkschaft schreibt. Dies «wie die meisten Bauarbeiter auf den Basler Baustellen.» Ähnliche Vorwürfe standen vergangene Woche bereits gegen die Baloise im Raum.

«Haben alle vorgeschriebenen Massnahmen ergriffen»

Roche bestätigt gegenüber Telebasel, dass einzelne Mitarbeiter, die auf den Roche-Baustellen gearbeitet haben, sich mit dem COVID-19 Virus infiziert haben. «Es handelt sich dabei um eine einstellige Zahl von Infizierten», so Jürg Erismann, Standortleiter Basel, Kaiseraugst.

»Roche hat seit Beginn der Coronakrise alle vorgeschriebenen Massnahmen zum Schutz der Mitarbeiter auch auf der Baustelle ergriffen.» Bereits beim ersten Verdacht, dass sich dennoch Mitarbeiter infiziert haben, seien sie selbst und die mit ihnen in Kontakt stehenden Kollegen unmittelbar in Quarantäne geschickt worden. «Wie ergreifen fortlaufend alle notwendigen Massnahmen, um das Umfeld vor weiteren Infektionen zu schützen», sagt Erismann. «Um die Einhaltung dieser Schutzmassnahmen zu garantieren und wo nötig nachzukorrigieren, ruht aktuell ein Teil der Baustellen.»

Zur Foderung einer Schliessung der Baustelle seitens der Unia, kommentiert Erismann: «Nach den Vorgaben des Bundesrats dürfen Baustellen unter Einhaltung strenger Sicherheitsmassnahmen weiterhin betrieben werden.»

Kontrollen und Desinfektion

Es sei für Roche unerlässlich, sämtliche Anforderungen des BAG auf den Baustellen vollumfänglich umzusetzen und allen Mitarbeitenden ausreichend Platz zur Verfügung stellen zu können.

Das Unternehmen habe diverse Massnahmen ergriffen. Darunter die Reduzierung der Bauaktivitäten auf rund 60 Prozent, die täglich mehrfache Desinfektion aller Räumlichkeiten, die räumliche Trennung der Mitarbeitenden, eine Umstellung der Pausenschichten, die Installation weitere Waschbecken und Desinfektionsmittelspender sowie die neue Aufteilung von Raucherplätzen. Security-Mitarbeiter würden die Abstände zwischen den Mitarbeitern sowie die maximalen Gruppengrössen kontrollieren. Auch würden regelmässig interne Inspektionen durchgeführt.

«Die auf den Roche-Baustellen geltenden Schutzmassnahmen richten sich nach den Vorgaben und der Checkliste des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zum Schutz von Arbeitern auf Baustellen», hält Erismann fest.

Unia berichtet von 237 Verstössen

Der Unia liegen derweil zahlreiche Fälle vor, die nicht den hygiene-vorschriften entsprechen, wie die Gewerkschaft weiter anführt. Allein vom Montagmittag bis Mittwochbend habe die Unia 237 Fälle dem Kanton Basel-Stadt gemeldet, bei denen die Massnahmen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) nicht eingehalten wurden. «Das vordringlichste Problem ist, dass der Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann, ob bei der Anreise, bei den Pausen oder bei der Arbeit selbst (219 Fälle)», führt die Gewerkschaft an.

Zudem würden in fast der Hälfte der Fälle kranke Arbeitnehmende nicht nach Hause geschickt (97 Fälle), in beinahe so vielen Fällen fehlten fliessendes Wasser und Seife (94 Fälle). Noch deutlich öfter wurden Werkzeuge untereinander weitergegeben (177 Fälle) oder die Reinigung der sanitären Anlagen war nicht ausreichend (141 Fälle).

Unia widerspricht Kanton

Der Kanton soll auf die Vorwürfe gegenüber der Unia gesagt haben, dass die nötigen Arbeits-, Verhaltens- und Hygieneregeln «bei den meisten Baufirmen» umgesetzt seien.

Laut der Unia sei dies falsch: «Die Angaben des Kantons stehen allerdings in krassem Widerspruch zu den Aussagen der Bauarbeiter, die auf den Baustellen unterwegs sind. Die Anzahl der bei der Unia gemeldeten Fälle, bei welchen die BAG-Massnahmen nicht eingehalten werden, steigt weiterhin Tag für Tag an.»

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