Die Olympischen Spiele müssen verschoben werden. (Bild Keystone)
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Internationale Pressestimmen zur Verschiebung der Olympischen Sommerspiele

Die Olympischen Spiele 2020 werden verschoben. Hier finden Sie einen Überblick der internationalen Pressestimmen zum historisch Entscheid.

Lange hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) gezögert, doch seit Dienstag ist klar: Die Olympischen Spiele 2020 werden – zum allerersten Mal der Geschichte – verschoben. Das meint die internationale Presse zu diesem historischen Entscheid:

Japan

«Tokyo Shimbun»:

  • «Der Entscheid, die Spiele um ein Jahr zu verschieben, wurde im Ausschlussverfahren beschlossen. Ein Verlegung auf 2022 wäre zu kostspielig gewesen. Der Umgang des IOC mit der Krise, der abrupte Meinungswechsel nach wochenlangen Beteuerungen, am Termin festzuhalten, war ungenügend. Die olympischen Behörden zeigten nicht die Führungsqualitäten, die wir uns erhofften.»

«Nihon Keizai Shimbuikkei» (kurz Nikkei, Wirtschaftszeitung):

  • «Es ist, als wären wir nach all den Efforts in den letzten sieben Jahren zurück auf Feld 1. Erhebliche zusätzliche Ausgaben sind nun unvermeidbar.»

Deutschland

«Süddeutsche Zeitung»:

  • «Das IOC und die japanischen Verantwortlichen zogen die Reissleine nach einer zähen Debatte, in der sie viel Kritik kassierten. Wer die Abläufe nachzeichnet, erkennt, wie sich das IOC und die Tokio-Organisatoren einem immensen Druck beugen mussten – und das nicht zuletzt durch die wichtigsten Akteure der olympischen Welt: die Athleten. Selbst nach dem Kommunikations- und Strategiedesaster der vergangenen Tage konnten es die Verantwortlichen nicht unterlassen, die Verlegung der Spiele noch mit einer Portion Pathos zu versehen.»

«Frankfurter Allgemeine Zeitung»:

  • «Wer hätte sich vorstellen können, dass der Weltsport einmal aufatmen würde, weil Olympische Spiele ausfallen? Der Entscheid stösst auch in Deutschland auf grossen Zuspruch bei Athleten. Der Traum sei nicht zu Ende. Doch die Folgen werden gravierend sein.»

Österreich

«Kurier»:

  • «Nach Politik und Terror ist ein Virus der Spiele-Verderber.»

«Die Presse»:

  • «An der Verschiebung der Sommerspiele in Tokio gab es ob der Coronavirus-Krise kein Umhinkommen. So sehr sich Japan und das Internationale Olympische Komitee zum täglich wachsenden Unmut der Sportwelt dagegen verwehrt haben: Kein anderer Entscheid als der sporthistorische Schritt ist sinnvoll.»

Frankreich

«L’Équipe»:

  • «Die Unmöglichkeit, die Spiele im Juli abzuhalten, war offenkundig. Die Option, sie in den Herbst zu verschieben, wurde es auch. Keiner ist in der Lage, den Zustand der Erde für diesen Zeitraum vorherzusagen.»

«Dernières Nouvelles d’Alsace»:

  • «Dieses Mal hat sich glücklicherweise der gesunde Menschenverstand durchgesetzt. Es war in der Tat kein anderer Ausweg möglich – die Spiele waren erledigt.»

Italien

«Corriere della Sera»:

  • «Der Entscheid war überfällig. Er ist historisch, aber klug. Die unnötigen, langweiligen und vom Griff nach Geld geprägten Diskussionen sind damit beendet. Der Sport kann es sich nicht leisten, aus dieser Zeit und Welt zu fallen. Vor allem, wenn in Spitälern gestorben wird, wenn Familien, die über die ganze Welt verstreut sind, leiden. Die Olympischen Spiele sind Freude, Wettkampf, Rekorde, Medaillen, aber sie müssen zum richtigen Zeitpunkt stattfinden. Falsches Timing bedeutet “brutta figura”, einen schlechten Eindruck, zu hinterlassen. Gestern hat der olympische Sport dies vermieden.»

Grossbritanien

«Daily Mirror»:

  • «Mit Blick auf die Organisation, die für die Olympischen Spiele erforderlich ist, und die Tatsache, dass Tausende Japaner bereits ihr Leben darauf ausgerichtet hatten (und zwar noch bevor die 80’000 Freiwilligen mit dem Training beginnen sollten), ist die Verschiebung traurig. Aber der Entscheid, die Spiele um ein Jahr zu verschieben, war lange überfällig.»

«BBC Sport»:

  • «Plötzlich müssen die Trainingspläne neu geschrieben und die Spitzenleistungen neu geplant werden. Für einige bedeutet das, etwas länger auf ihr olympisches Debüt zu warten, und für andere bedeutet es, den Ruhestand um ein weiteres Jahr zu verschieben.»

«The Telegraph»:

  • «Während viele um die Chance trauern werden, sich in diesem Sommer auf höchstem Niveau zu beweisen, gibt es auch viele, für die es sich als schwierig erwiesen hätte, überhaupt in Tokio dabei zu sein.»

«The Guardian»:

  • «Einige der Kopfschmerzen sind möglicherweise nicht so gross wie angenommen. Das IOC wird weiterhin Millionen an Rundfunk- und Sponsoreneinnahmen erzielen, solange die Veranstaltung weiter stattfindet, und ein Grossteil davon wird an den Sport weitergegeben.»

Russland

«Sport-Express»:

  • «Das Spiel ist aus. Positiv lässt sich aber sehen, dass bis zu den Olympischen Spielen 2021 nun mehr Zeit ist, endlich die Frage des Status des russischen Leichtathletikverbandes zu klären. Bis dahin heisst es: unablässig ackern.»

«Wedomosti»:

  • «Das ist der Versuch eines Kompromisses zwischen Gefahr und Offenheit. Dass das Olympische Feuer in Tokio bleibt, ist wie ein Leuchtturm der Hoffnung in diesen unruhigen Zeiten.»

«Kommersant»:

  • «Das wichtigste Sportereignis der Welt ist nun zum wohl bekanntesten Opfer des Coronavirus geworden. Es gab keinen anderen Ausweg.»

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