Der Abfall von Coronavirus-Infizierten oder unter Quarantäne stehenden Personen sollte nicht getrennt werden. (Symbolbild: Twitter/bafuCH)
Schweiz

Haushalte mit Corona-Infizierten sollten Abfälle nicht mehr trennen

Haushalte mit Coronavirus-Infizierten oder unter Quarantäne stehenden Personen sollten jetzt auf Abfalltrennung verzichten. Es droht Infektionsgefahr .

Abfallentsorgung und Recycling gehören zur Grundversorgung der Bevölkerung. Kantone, Gemeinden und Recyclingfirmen stellen diese auch in der Corona-Krise mit kleinen Anpassungen sicher.

Abfalltrennung und separate Entsorgung sind in normalen Zeiten lobenswert. Ganz auf Abfalltrennung verzichtet werden sollte jedoch aktuell in Haushalten, in denen erkrankte oder unter Quarantäne stehende Personen leben.

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) empfiehlt diesen ausdrücklich, ansonsten separat gesammelte Abfälle wie PET-Getränkeflaschen, Aludosen, Altpapier etc. mit dem normalen Kehricht zu entsorgen, um eine Infektionsgefahr auszuschliessen. Auch Grüngut-Abfälle und organische Abfälle sollten im Kehricht landen.

Generell sollten Privathaushalte jetzt Abfälle wie Masken, Taschentücher, Hygieneartikel und Papierhandtücher unmittelbar nach Gebrauch in Plastiksäcken sammeln, verschnüren und als Haushalt-Kehricht entsorgen.

Der grosse Run auf Entsorgungshöfe

Vor öffentlichen Sammelstellen stauen sich derzeit deutlich mehr Autos und Menschen mit Sperr- und Leergut als üblich. In vielen Haushalten wird die durch das Wegfallen von Ausgeh- und Freizeitmöglichkeiten entstandene freie Zeit offenbar zum Aus- und Aufräumen genutzt.

Im Thurgau sind die Besucherzahlen in den Entsorgungszentren der Huber Industrieabfälle GmbH, der Muldenzentrale Oberthurgau sowie der Regionalen Aufnahmezentren seit der Bundesrat die ausserordentliche Lage erklärt hat, auf Rekordwerte gestiegen.

Lange Wartezeiten wegen des grossen Ansturms und der geltenden Social-Distancing-Regeln gibt es auch beim Recyclinghof Maag in Winterthur. Nur noch maximal fünf Fahrzeuge dürfen in die Anlage fahren. Ähnlich ist die Situation in den Zürcher Recyclinghöfen. Im Hagenholz etwa können noch zehn Autos gleichzeitig auf den Hof fahren.

Lediglich ein Auto erlaubt man auf dem Ökohof Schriber & Schmid, den die Firma im Auftrag der Oberwalliser Gemeinde Brig-Glis betreibt. Aussteigen ist strengstens untersagt. Mitarbeiter öffnen die Autos und entsorgen die Materialien.

Entsorgung ist gewährleistet

Die öffentlichen betreuten und nicht betreuten Sammelstellen werden mit wenigen Ausnahmen gemäss der Empfehlung des Bafu vom 19. März weiter betrieben und für den Zugang wurde vielerorts ein «Tropfensystem» eingerichtet. In einigen Entsorgungshöfen wurden die Öffnungszeiten reduziert.

Lediglich kurzzeitig geschlossen wurden beispielsweise in der Stadt Bern und in Burgdorf Entsorgungshöfe, um Menschenansammlungen zu verhindern. Bis auf weiteres geschlossen ist hingegen der Zürcher Recyclinghof Werdhölzli.

In Bern haben die städtischen Entsorgungshöfe Schermen und Fellerstrasse ihren Betrieb mit angepassten Regeln und Öffnungszeiten wieder aufgenommen. Kunden werden nur dosiert eingelassen und müssen das Entsorgungsgut selber ausladen, damit die nötige Distanz zwischen Personen eingehalten werden kann.

Mit einer Reduktion der Parkplätze versucht man in Luzern dem gegenwärtigen Ansturm beizukommen. Die elf Real Ökihöfe in Luzern bleiben aber vorerst geöffnet.

Auch die Thurgauer Entsorgungsbetriebe bleiben zumindest vorerst offen. Dies sei aber nur möglich, wenn die Betriebe in einem reduzierten Modus arbeiteten und der gleichzeitige Zugang zu den Entsorgungseinrichtungen beschränkt werde, heisst es.

Bafu: Entsorgungshöfe möglichst wenig nutzen

Eine Empfehlung des Bafu und der örtlichen Behörden und Sammelstellen findet bisher zu wenig Beachtung: Sammelstellen sollten nur aufgesucht werden, wenn es unbedingt notwendig ist. Nicht verderbliche und saubere Abfälle für die Separatsammlung sollten vorerst möglichst zuhause gelagert werden. Das Bafu erinnert daran, dass Abfall jederzeit pathogene Keime enthalten kann.

Es empfiehlt sich im Internet oder per Telefon in der eigenen Stadt oder Gemeinde anzufragen, ob die üblichen Abfuhr- und Entsorgungsbedingungen gelten. Während in der Stadt Bern Papier/Karton und Grüngut auch weiterhin an der Strasse abgeholt werden, ist beispielsweise in Brig-Glis die Papiersammlung vom vergangenen Samstag ausgefallen.

Die Stadt Biel setzt gemäss einer Mitteilung seit Mittwoch bis auf weiteres ihre Wertstoffsammlungen für Papier, Glas und Metall aus. Der Schritt erfolge, um die Sammlung des Hauskehrichts und des Grünguts längerfristig sicher zu stellen, teilte die Stadt mit.

Recyclingbetriebe arbeiten weiter

Keine besonderen Einschränkungen des Bundes gelten vorerst für Recyclingbetriebe. Der Betrieb in den Recyclinganlagen soll laut Bafu aufrecht erhalten werden. Nur dort, wo die aktuell geltenden hygienischen und infektionspräventiven Massnahmen zum Schutz der Arbeitnehmenden nicht möglich sind, soll der Betrieb eingestellt werden.

Der Verband PET-Recycling Schweiz teilte denn auch am Mittwoch mit, dass der gesamte PET-Kreislauf ohne Einschränkungen weiter funktioniere. Volle PET-Säcke würden wie gewohnt vom entsprechenden Transportpartner abgeholt.

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