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Basel

«Menschen kann man nicht ersetzen»

Seit dem 15. März sind die Türen des Zoo Basel geschlossen. Das trifft nicht nur Tierbegeisterte, sondern auch die Zootiere selbst.

Zurzeit sind die Zoos in der ganzen Schweiz aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen und somit für Besucher nicht mehr zugänglich. Das trifft nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Tiere in den Tiergärten. Sie sind es sich nämlich gewohnt, täglich von neugierigen Augen beobachtet zu werden.

Das geht nicht spurlos an ihnen vorbei: Wie 20 Minuten heute berichtete, reagieren einige Tiere auf das Ausbleiben der Besucher. So seien «die Moschusochsen des Berner Tierparks Dählhölzli in einer andauernden Hab-acht-Stellung gewesen», sagt der Direktor Bernd Schildger.

Die Tiere haben ihn angegriffen, als er nach ihnen sehen wollte. Die ungewohnte Leere liess die Tiere eine Abwehrhaltung einnehmen. Zwei, drei Tage später beruhigte sich die Situation aber wieder.

Tiere sind fokussierter

Vor allem die Affen reagieren intensiver auf die fehlenden Zuschauer erklärt Adrian Baumeyer, Kurator im Zoo Basel, gegenüber Telebasel: «Menschenaffen beobachten Menschen sehr intensiv, das ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen». Ihnen ginge es ähnlich wie uns mit dem Social Distancing.

Der Alltag mit den Tieren wird aber nicht umgestellt und die Beschäftigung durch den Tag bleibt gleich. «Wir hatten diese Situation ohne Zuschauer schon einmal, als das Affenhaus 2010 umgebaut wurde. Wir haben die Tiere dann vor den TV gesetzt oder Live-Übertragungen abspielen lassen. Das hat aber nicht funktioniert und die Tiere haben nur für wenige Sekunden zugeschaut und sind dann wieder weggegangen. Menschen kann man nicht ersetzen», sagt er weiter.

Erscheint ein Mitarbeiter des Zoos auf einem Rundgang durch das Affenhaus, seien die Tiere viel fokussierter: «Für die Tiere ist das eine schräge Situation, wenn dann plötzlich doch einer kommt», erzählt der Kurator. Sie seien viel interessierter als sonst.

Angespannte Zebras

Ansonsten würden die Tiere im Zoo Basel nicht gross auf die fehlenden Menschenmassen reagieren. Neben den Affen spüre man einzig und allein bei den Zebras eine gewisse Anspannung. Wenn anstatt grosser Personengruppen nur jemand vorbeikommt, löse das bei den Tieren Alarm aus: «Zebras haben dann das Gefühl, das könne zum Beispiel ein Tierarzt sein, der ihnen eine Spritze verabreicht. Wenn nur jemand kommt, ist das für sie eine Gefahr. Das passt zu einem Fluchttier», sagt Adrian Baumeyer. Für diese Tiere sei es eine andere Situation als für Affen. Sobald einzelne potenzielle Gefahren da sind, richtet sich der Fokus gleich auf sie.

Alle Mitarbeitenden des Zoo Basel halten sich an die Vorgaben des BAG und versuchen möglichst von Zuhause aus zu arbeiten, so weit das möglich ist. Da die Tiere auch hinter geschlossenen Türen die selbe Fürsorge brauchen, arbeiten Tierpfleger und Kuratoren, also die Leute im Tierbetrieb, normal weiter. Baumeyer erklärt, dass «bei uns die meisten Tierpfleger alleine arbeiten und wir neu geschichtet mit unserem Arbeitstag beginnen».

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