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Drei Experten gaben in der Corona-Spezialsendung vom 23. März 2020 Antwort auf ihre Corona-Fragen. (Video: Telebasel)
Basel

«Der absolut wichtigste Risikofaktor ist das Alter»

Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist gross. Wie kann man sich mit dem Coronavirus infizieren? Drei Experten geben Antworten.

Die Pandemie und die steigenden Infektionsraten verunsichern die Bevölkerung. Wie kann ich mich infizieren? Welche Szenarien sind denkbar für eine Infektion? Die Experten geben Antwort.

Ansteckung beim Einkaufen?

Folgendes Szenario: Ich will im Lebensmittelladen frisches Gemüse einkaufen. Gurken oder Salat. Vor mir hat allerdings bereits jemand mit dem Coronavirus das Gemüse angefasst und wieder zurückgelegt. Kann ich mich auf diesem Weg anstecken?

«Wir wissen, dass das Virus für Stunden auf gewissen Oberflächen überleben kann. Es kann Verkettungen geben. Es ist theoretisch denkbar. Wir sehen selber wenige solcher Ansteckungen. Eine einfache Massnahme kann sein – wenn es keine junge Familie betrifft – dass man für ein paar Wochen auf abgepacktes Gemüse umsteigt. Eine generelle Regel gibt es allerdings nicht», erklärt Manuel Battegay, Chefarzt der Infektiologie am Unispital Basel.

Kann ich mich ohne Symptome testen lassen?

Täglich aktualisiert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Zahl der Infektionen in der Schweiz. Viele Menschen – auch ohne Symptome – wollen wissen, ob Sie das Virus in sich tragen oder nicht. Aber darf man sich überhaupt einfach so testen lassen?

«Es macht keinen Sinn. Man ist nur ein kleines Zeitfenster vor der Manifestation der Infektion mit Symptomen ansteckend. Das sind vielleicht ein bis zwei Tage. Beim Test müsste man genau das Fenster erwischen. Wir testen nur bei Symptomen», sagt Roland Bingisser, Chefarzt Notfallzentrum Unispital Basel.

Bin ich ein Risikopatient?

Viele Menschen sind unsicher – egal welchen Alters – ob sie mit einer Vorerkrankung wie Asthma, Diabetes oder Bluthochdruck zur Risikogruppe gehören und durch das Coronavirus ernsthaft gefährdet sind.

«Der absolut wichtigste Risikofaktor ist das Alter. Der Rest ist weniger wichtig. Kinder unter 15 Jahren haben praktisch keine Komplikationen. Unter 40 Jahren sind Komplikationen auch selten, selbst mit Vorerkrankungen. Ab dann fängt das Risiko einer Anfälligkeit leicht an. Erst dann kommen die Risikofaktoren ins Spiel. Besonders ab 60 oder 70 Jahren. Ganz besonders ab 80 Jahren ist das Risiko erhöht», so Manuel Battegay.

Wieso es Einzelfälle gibt, in denen junge Menschen ohne Vorerkrankungen massive Komplikationen mit dem Virus erfahren, das sei der Wissenschaft bislang noch ein Rätsel, meint der Virologe.

Bin ich nach der ersten Infektion immun?

Kann man sich sogar ein zweites Mal mit dem Virus infizieren, oder ist man nach der erstmaligen Ansteckung immun? Oder kann ich gar die normale Grippe haben und zusätzlich das Coronavirus?

«Wir gehen von einer Immunität aus. Irgendetwas muss im Körper aufgrund der Werte passieren. Wir wissen auch aus Studien, dass Antikörper vorhanden sind. Das werden wir auch bald messen können. Mittelfristig ist also eine Abwehr vorhanden», so Manuel Battegay. Eine Doppel-Infektion sei möglich, aber äusserst selten.

Kann man das Virus anhand eines normalen Bluttests nachweisen?

Die Frage stellt sich, ob man nachweisen kann, dass ein Mensch, der das Coronavirus hatte, aber es nicht merkte. Beispielsweise bei einer Routine-Untersuchung in Zukunft beim Hausarzt mittels Bluttest?

«Das werden wir können. Die Tests sind jetzt bereits in Erprobung. In Basel erhalten wir die Tests in zwei Wochen. Diese müssen aber erst auf ihre Validität getestet werden. Ich rechne damit, dass wir die breite Bevölkerung in zwei Monaten testen können», so Manuel Battegay. Mit diesem Test könne man dann ultimativ auch die ominöse Dunkelziffer an Fällen aufklären.

Kann ich mich über meine Haustiere infizieren?

Im Internet gibt es Berichte, dass Hunde oder andere Tiere das Coronavirus übertragen haben könnten. Ist das Streicheln der Haustiere als kurzfristig tabu?

«Diese Geschichten gibt es. Meine persönliche Meinung ist, dass, wenn man sich ansteckt, man sich eher via Halsband als beim Tier direkt angesteckt hat», so Roland Bingisser.

Sind Bargeld, Waschmaschinen oder Pizzaschachteln ein Risiko?

Es ist bekannt, dass das Coronavirus auf gewissen Oberflächen länger überleben kann als auf anderen. Bargeld ist etwas, dass durch zahlreiche Hände geht. Auch die Pizzaschachtel vom Kurier könnte eine Gefahr darstellen. Oder die geteilte Waschmaschine in der Waschküche.

«Theoretisch sind überall Übertragungen möglich. Das Virus ist aber nicht lange lebendig auf Oberflächen. Und es zeigt sich nun in den Studien: Wenn die allgemeinen Massnahmen eingeführt werden, dann ist die Wirkung effektiv vorhanden. Wenn auch mit Verzögerung. Dann sieht man eine starke Abflachung der Kurve. Einzelne solche Übertragungen sind möglich. Die grosse Mehrheit ist aber geschützt», so Manuel Battegay.

Die ganze Sendung «Corona-Krise Spezial» auf Telebasel finden Sie hier.

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