Das knappe Desinfektionsmittelhat auch die Brennereien auf den Plan gerufen - denn sie sind in der Lage, den dafür nötigen hochprozentigen Alkohol zu produzieren. (Bild: Keystone)
Schweiz

Schweizer Firmen springen bei Desinfektionsmittel-Herstellung ein

Desinfektionsmittel sind zurzeit Mangelware. Schweizer Unternehmen - vom Detailhandelsriesen bis zur Brennereien - stellen die Mittel nun selber her.

Die Migros, die auf eine grosse Eigenindustrie zählen kann, hat mit der Produktion von Desinfektionsmitteln begonnen. «Alle 100’000 Mitarbeitenden der Migros-Gruppe haben wir bereits mit Desinfektionsmitteln ausgerüstet», sagte Migros-Sprecher Marcel Schlatter am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.

Ausnahmezulassung vom BAG

Eigentlich braucht es für die Herstellung von Desinfektionsmitteln eine Bewilligung. Doch Anfang März hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmezulassung erlassen, um den Engpässen in der Versorgung entgegen zu wirken. Das hat auch die Brennereien auf den Plan gerufen – denn sie sind in der Lage, den dafür nötigen hochprozentigen Alkohol zu produzieren.

Vom Spital bis zum Handwerker

Ein Beispiel ist die Destillerie Diwisa aus dem luzernischen Willisau. Derzeit fülle man 5’000 bis 10’000 Liter pro Tag ab, sagte Diwisa-Chef Adrian Affentranger zur AWP. Zuvor hatte bereits die Lokalzeitung «Willisauer Bote» darüber berichtet.

Die Nachfrage ist gross: Neben den klassischen Kunden aus dem Getränkehandel decken sich auch Spitex, Arztpraxen, Apotheken, Spitäler, Unternehmen und Handwerker bei Diwisa ein. Zudem arbeite man mit dem ebenfalls in Willisau tätigen Onlineshop Brack zusammen.

Laut Affentranger will Diwisa die grosse Nachfrage nicht ausnutzen, indem «unverschämte» Preise verlangt werden. «Wir haben uns daran orientiert, was ein Liter im normalen Fall kostet.» Allerdings seien die eigenen Produktionskosten höher als bei der klassischen Desinfektionsmittel-Produktion.

«Die Produktion ist für uns ein Glück», sagt Affentranger. Mit dem Verkauf der Desinfektionsmittel kann Diwisa nämlich die Produktionsmitarbeiter im Moment noch auslasten – trotz des Wegbruchs des Gastronomie- und Eventgeschäfts, das normalerweise 60 Prozent zum Umsatz beisteuert. Stabil geblieben ist zudem das Geschäft mit dem Detailhandel.

Engpass bei Trinkalkohol

Bereits zeichnet sich aber ein Engpass beim klassischem Trinkalkohol ab, den Diwisa für die Mittel verwendet. Denn die Herstellung braucht mehr Zeit als das Abfüllen von schon vorhandenem Alkohol: 5’000 Liter in der Woche können gebrannt werden. Bis Ende nächster Woche hat das Unternehmen allerdings noch Reserven von Trinkalkohol. Ob zusätzlich importiert werden kann, ist angesichts der grossen internationalen Nachfrage und möglicher Exportbeschränkungen noch offen.

Fleissige Produktion auch im Ausland

Auch im Ausland beteiligen sich viele Unternehmen an der Produktion des nun so gefragten Mittels. Der französische Spirituosen-Hersteller Pernod Ricard spendet in der Coronakrise reinen Alkohol für die Produktion von Desinfektionsmitteln. Das Unternehmen habe beschlossen, Laboratoire Cooper 7’000 Liter reinen Alkohol zur Verfügung zu stellen, teilte das Unternehmen am Vortag mit.

Laboratoire Cooper ist einer der führenden französischen Hersteller von Desinfektionsgels für Apotheken. Der Hersteller könne mit dem gespendeten Alkohol etwa 1,8 Millionen 50-Milliliter-Fläschchen produzieren.

Desifektionsgel statt Parfum

Der Luxuskonzern LVMH will wegen der Coronavirus-Krise in seinen Parfum- und Kosmetikfabriken in Frankreich grosse Mengen Desinfektionsmittel produzieren. Ab Montag sollen Fabriken, die eigentlich Parfüm für Christian Dior oder Givenchy produzieren, entsprechendes Gel herstellen, um dem Mangel an Desinfektionsmitteln entgegenzuwirken, wie der französische Konzern am Sonntag mitgeteilt hatte. Die Handdesinfektionsmittel sollen dann kostenlos an Gesundheitseinrichtungen in Frankreich ausgeliefert werden.

In Deutschland kündigte der Chemiekonzern BASF am vergangenen Montag an, im Laufe dieser Woche mit der Herstellung zu beginnen. BASF plane derzeit, Krankenhäusern in der Metropolregion Rhein-Neckar Handdesinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen, hiess es. Für die Herstellung habe das Chemie-Unternehmen eine Ausnahmegenehmigung des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums erhalten.

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