Verschiedene Kantone und Gemeinden appellierten an die Eltern, ihre Kinder nach Möglichkeit selbst zu betreuen. Dies, um die Betreuungseinrichtungen zu entlasten. (Bild: Keystone)
Schweiz

Kita-Verband warnt vor «Betreuungskrise»

Schweizer Kitas warnen: Werden durch die Corona-Krise bestehende Strukturen zerstört stünde die Schweiz nach der Corona-Krise vor einer "Betreuungskrise».

Der Bundesrat hält in seiner aktuellen Corona-Verordnung fest, dass Kindertagesstätten, Tagesfamilienorganisationen und private schulergänzende Tagesstrukturen grundsätzlich offen bleiben sollen, respektive nur geschlossen werden dürfen, wenn die zuständigen Behörden andere geeignete Betreuungsangebote vorsehen.

Uneinheitliche Praxis

Die Umsetzung der Bundesvorgaben werde in den Kantonen sehr unterschiedlich gehandhabt, erklärte Prisca Mattanza, Sprecherin des Verbandes Kinderbetreuung Schweiz (Kibesuisse), am Freitag auf Anfrage. So gebe es zum Teil gar keine Einschränkung, an anderen Orten gebe es Appell zum solidarischen, freiwilligen Verzicht oder Beschränkungen auf nur noch Notbetreuung.

Verschiedene Kantone und Gemeinden appellierten an die Eltern, ihre Kinder nach Möglichkeit selbst zu betreuen. Dies insbesondere, um die Betreuungseinrichtungen zu entlasten und so die mittelfristige Aufrechterhaltung des Angebots zu garantieren.

Eltern müssen auf jeden Fall zahlen

Der Verband hält dazu fest, dass dieser „freiwillige“ Verzicht ein solidarischer Akt sei und die Eltern damit in keinem Fall von ihrer Pflicht befreit seien, die regulären Elternbeiträge zu bezahlen. Dies gelte bis von den Kantonen nicht eine andere Lösung ausgearbeitet worden sei.

Der Verband warnt zudem vor dem Aufbau von Parallelstrukturen. Insbesondere im Frühbereich sei eine Betreuung im gewohnten Umfeld mit konstanten Bezugspersonen von grosser Wichtigkeit. Mit unausgebildetem Personal in einer ungewohnten Umgebung zu betreuen, sei nicht zielführend. Es fehlten hier auch Hygienekonzepte und Konzepte zur Prävention von physischen, psychischen und sexuellen Grenzverletzungen.

«Die meisten Kitas sind als nicht gewinnorientierte Organisationen ohnehin finanziell am Anschlag», betonte Mattanza. Es brauche in der aktuellen Krise Lösungen zur Sicherstellung der Liquidität und Erweiterungen der Leistungsvereinbarungen.

Schliessungen von Kinderbetreuungseinrichtungen infolge krankheitsbedingtem Personalmangel seien ein mögliches Szenario, für das es rasch finanzielle Lösungen brauche, beispielsweise erweiterte Formen der Kurzarbeitsentschädigung. Kibesuisse fordert die Einrichtung von Notfallfonds, um Insolvenzen von der Corona-Krise abzuwenden.

Laut Mattanza gibt es keine schweizweite Statistik über die Auslastung, Anzahl Mitarbeitende oder betriebswirtschaftliche Massnahmen in Kindertagesstätte.

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