Die Zeitschrift «Stoff für den Shutdown» soll jeweils Ende März erscheinen. (Bild: Facebook/Benjamin von Wyl)
Basel

Basler Journalist lanciert Zeitschrift für den Lockdown

Benjamin von Wyl hat mir vier Freunden die Literaturzeitschrift «Stoff für den Shutdown» ins Leben gerufen. Sie soll nur während der Corona-Isolation bestehen.

«Stoff für den Shutdown» heisst eine neue Literaturzeitschrift, die innerhalb weniger Tage aus der Not der Isolation in Zeiten des Coronavirus entstanden ist. Existieren soll das Magazin, das per Post verschickt werden soll, nur solange, «bis wir uns alle wieder bedenkenlos umarmen können».

«Umarmen» ist denn auch der Titel der ersten Ausgabe, die am 30. März verschickt werden soll, per A-Post. «Stoff für den Shutdown» ist also ein Heft aus Papier.

Hinter dem Projekt stecken vier Freunde: Daniel Kissling aus Olten, Mitherausgeber des Literaturmagazins «Narr»; der Autor und Journalist Benjamin von Wyl aus Basel sowie David Lüthi und Mirko Leuenberger aus Zürich; die freischaffenden Grafiker arbeiten unter anderem ebenfalls für «Narr».

Dreissig Autorinnen und Autoren

Am vergangenen Samstag, ein Tag nach den einschneidenden bundesrätlichen Massnahmen gegen Covid-19 in der Schweiz, war die Idee geboren und die Konzeptarbeit begann, wie Benjamin von Wyl gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erzählt. Dabei übernehmen Kissling und von Wyl zusammen das Konzept wie das Lektorat und die beiden Grafiker sorgen für den optischen Auftritt.

Bereits am Sonntag lagen erste grafische Entwürfe vor und 1000 Briefumschläge für den Versand der ersten Auflage waren bestellt. «Der Rücklauf der Autorinnen und Autoren war enorm», so von Wyl. Texte aus den unterschiedlichsten Gattungen und mit ganz verschiedenen Stimmungen seien zusammengekommen: Fiktionales und Nicht-Fiktionales, Erzählungen, Tagebuchnotizen, Momentaufnahmen, mal melancholisch, mal optimistisch, mal zynisch – Texte «von jetzt für jetzt» aus diesem «sehr spezifischen März 2020». 60 bis 70 Seiten soll die erste Ausgabe von «Stoff für den Shutdown» umfassen; die Texte addiert «sind so lang wie ein kurzer Roman», verspricht von Wyl.

Dreissig Schreibende sind an der ersten Ausgabe beteiligt, beispielsweise Donat Blum, Simone Meier, Daniel Mezger, Michelle Steinbeck oder Tabea Steiner. «Viele stecken derzeit in einer Notsituation. Erscheinungstermine für neue Bücher sind auf das nächste Jahr geschoben worden oder Theaterpremieren wurden abgesagt. Die Kulturschaffenden hängen in der Luft», sagt von Wyl.

Faires Honorar für Schreibende

Entsprechend sollen sie auch nicht gratis arbeiten. Bei einem Crowdfunding sind bereits nach dem ersten Tag (Donnerstag), über 10’000 Franken zusammengekommen. Damit sei der Druck der ersten zwei Ausgaben gesichert, so von Wyl. «Wenn wir 12’000 Franken erreichen, dann liegen für jeden Autor der ersten und der zweiten Ausgabe, also für sechzig Schreibende, pro Person 90 bis 120 Franken drin.» Und sollten, so das Ziel, 25’000 Franken zur Verfügung stehen, dann «können wir die Autoren fair bezahlen mit einem Honorar von 300 bis 400 Franken». Die vier Initianten arbeiten indes gratis.

«Stoff für den Shutdown» erscheint jeweils Ende des Monats. Es trägt den Untertitel «Ein Literaturmagazin für Gemeinschaft im Lockdown». Die Macher gehen davon aus, dass dieser Lockdown wohl auch im April noch gelten wird und arbeiten bereits an der zweiten Ausgabe.

Solange jeder für sich allein zu Hause sitzt, soll das Literaturmagazin über den Corona-Ticker hinaus vermitteln, «was andere jetzt machen, denken, wie sie die Situation erleben» – eben Gemeinschaft stiften. Und das gilt für Macher, Schreibende und Lesende gleichermassen.

1 Kommentar

  1. FINDE ICH EINE SEHR GUTE IDEE, EINE SOLCHE ZEITSCHRIFT IN DIESER SCHWIERIGEN CORONA.V.-ZEIT ZU LANCIEREN.
    VIEL ERFOLG DEN MACHERN, DEN AUTOREN UND ALLEN BETEILIGTEN AN DIESER STELLE EIN GROSSES DANKESCHÖN.
    ICH HOFFE, DASS NOCH MEHR GELDER ZUSAMMEN KOMMEN.
    BLEIBT GESUND!
    LG MARIO P. HERMANN, MUSIK-JOURNALIST.
    LUZERN.Report

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