Stellt die Swiss ihren Flugbetrieb aufgrund der Coronavirus-Pandemie ein? (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Swiss schliesst Einstellung des Flugbetriebs nicht mehr aus

Trotz guten Einnahmen bei der Swiss im letzten Jahr hat sich die Lage wegen des Coronavirus verschlechtert. Ein Grounding kann nicht mehr ausgeschlossen werden.

Wegen der Reisebeschränkungen und Grenzschliessungen vieler Staaten hat die Swiss wie die Konzernmutter Lufthansa den Flugplan massiv zusammengestrichen. Das Angebot sei um über 80 Prozent reduziert worden, teilte die Swiss am Donnerstag in einem Communiqué mit. Über zwei Drittel der Flotte wurden bereits aus dem Betrieb genommen.

Bis zu 24 Maschinen des Typs Airbus A320 werden ab heute auf dem Militärflugplatz Dübendorf abgestellt, weil sie im Moment wegen des Passagiereeinbruchs nicht gebraucht werden. Weitere Flugzeuge, vor allem jene der Langstreckenflotte, bleiben am Flughafen Zürich abgestellt. Der Anblick erinnert an das Grounding der Swissair im Jahre 2001.

Auch kompletter Stopp des Flugbetriebs möglich

Die Swiss wolle auch minimale Verbindungen so lange wie möglich aufrecht erhalten, um bei einem Abflachen der Krise die Anbindung an die sich wieder öffnenden Länder möglichst bald wieder aufnehmen zu können, erklärte Swiss-Chef Thomas Klühr im Communiqué: «Die Nachfrage wird zwar wieder anziehen, aber verzögert und nur schrittweise».

Der Swiss-Chef warnte aber: «Sollte sich die Situation gar noch weiter verschlechtern und zusätzliche Reiseverbote erlassen werden, kann eine komplette, temporäre Einstellung des Flugbetriebs auch bei der Swiss nicht mehr ausgeschlossen werden.»

Diese Art der vorübergehenden Einstellung des Flugbetriebs sei jedoch nicht strukturell bedingt, sondern äusseren Umständen geschuldet, die die gesamte Airlinebranche betreffen würden. «Zudem ist die Swiss grundsätzlich ein gesundes und robustes Schweizer Grossunternehmen, das im Verbund der Lufthansa Group über eine starke Marktposition verfügt», erklärte Klühr weiter.

Tritt auf die Kostenbremse

Die Sicherung der Liquidität habe nun oberste Priorität. Dashalb hat die Swiss zahlreiche Kosteneinsparungsmassnahmen eingeleitet. Darunter sind ein Einstellungsstopp, die Verschiebung der Auszahlung von Lohnbestandteilen, ein anteiliger Lohnverzicht des Kaders, oder der Stopp von nicht betriebsnotwendigen Projekten. Zudem führt die Swiss in den nächsten Tagen Kurzarbeit ein. Man habe die Kurzarbeit mit den Sozialpartnern vereinbart.

Erneut forderte Klühr Hilfe vom Staat. Alle Fluggesellschaften in Europa dürften auf staatliche Unterstützung angewiesen sein. «Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Auch wenn die Swiss im Verbund mit der Lufthansa Group einen längeren Atem als manch andere europäische Airline hat, wird es bei einer länger anhaltenden Krise zu einem temporären Liquiditätsengpass kommen», erklärte der Swiss-Chef.

Sollte dieser Fall eintreten, sei es wichtig, dass schnell Liquidität zur Verfügung gestellt werde und bald Zusagen für weitere Massnahmen wie staatliche Garantien oder Überbrückungskredite erfolgten. Das Geld könne nach der Krise zurückgezahlt werden. Trotz der immer schwierigeren Rahmenbedingungen sei es der Swiss wichtig, die Anbindung der Schweiz an die Welt zu sichern. «Aufgrund der äusserst unberechenbaren Entwicklung lässt sich für das Gesamtjahr 2020 keine Ergebnisprognose abgeben», hiess es weiter.

Zweithöchster Betriebsgewinn

2019 hat die Swiss zwar nicht mehr den Rekordgewinn des Vorjahres von 636 Millionen Franken erreicht. Dennoch flog sie mit 578 Millionen Franken den zweithöchsten Betriebsgewinn ihrer Firmengeschichte ein. Dabei transportierte die Swiss mit 18,8 Millionen so viele Passagiere wie noch nie. Der Umsatz stieg nochmals leicht auf 5,33 Milliarden Franken von 5,30 Milliarden Franken vor einem Jahr.

Allerdings schlugen die höheren Wartungs- und Treibstoffkosten zu Buche, was zum Gewinnrückgang führte. Zu spüren bekam die Swiss auch die geringere Frachtnachfrage wegen der schwächelnden Weltwirtschaft. Insgesamt habe sich die Swiss angesichts der herausfordernden Rahmenbedingungen einmal mehr gut behauptet, hiess es. Das Ziel einer zweistelligen bereinigten EBIT-Marge habe man erreicht.

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