Wegen umfassender Grenzkontrollen in der Schweiz und der EU staut sich der Verkehr vielerorts kilometerlang – wie hier an der Grenze zwischen der Schweiz und Österreich. (Bild: Keystone)
International

Riesenstau an Landesgrenzen wegen Einreisesperren

Ungeachtet des neuen weitreichenden Einreiseverbots für fast alle Nicht-EU-Bürger hat sich die Lage an einigen Grenzen innerhalb Europas verschärft.

An den Übergängen von Deutschland nach Polen sowie von Österreich nach Ungarn staute sich der Verkehr am Mittwoch Dutzende Kilometer. Zugleich wurden die ersten Passagiere aus Nicht-EU-Ländern an deutschen Flughäfen abgewiesen.

Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich am Dienstag im Kampf gegen das neuartige Coronavirus auf ein weitreichendes Einreiseverbot für Bürger der allermeisten Nicht-EU-Staaten verständigt. Zu

dem befürworteten die Staatsspitzen Leitlinien der EU-Kommission für interne Kontrollen an den Grenzen. Der Warenverkehr innerhalb der EU soll so gesichert bleiben.

Deutschland weist Zehntausende ab

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erhofft sich von den neuen Regeln auch, dass die jüngst eingeführten Grenzkontrollen und -schliessungen wieder gelockert werden könnten. Diese Zusage machte zunächst jedoch kein Land.

Bislang haben mehr als zehn der 26 Schengen-Staaten, zu denen auch die Schweiz gehört, Grenzkontrollen angemeldet, darunter auch Deutschland. An den deutschen Grenzen wurden nach Angaben des Innenministeriums innerhalb von zwei Tagen rund 21’000 Ausländer zurückgewiesen.

Prekäre Situation am Zoll

Entspannung gab es auch an der deutsch-polnischen Grenze zunächst nicht. Am Grenzübergang Ludwigsdorf wuchs der Stau auf der Autobahn 4 aufgrund der polnischen Grenzkontrollen auf bis zu 60 Kilometer an. «Es ist aus unserer Sicht eine humanitär bedenkliche Situation», sagte Kai Kranich vom Deutschen Roten Kreuz.

Teils stünden die Menschen bis zu 20 Stunden im Stau, darunter viele Familien. Es gebe keine Toiletten, keine Versorgung mit Essen. Wie von Sachsens Regierung zu erfahren war, wollten Soldaten schon am Mittwochnachmittag Menschen mit Lebensmitteln, Getränken und Decken versorgen.

Der polnische Grenzschutz reagierte am Mittwoch und öffnete vier weitere Übergänge für den Autoverkehr. Am Mittag war der Stau trotzdem noch 50 Kilometer lang. Unter jenen, die an der deutsch-polnischen Grenze festsitzen, sind auch etliche Menschen aus dem Baltikum. Sie müssen auf dem Weg in die Heimat durch Polen.

Stau auch in Österreich

Auch die Lage an der österreichisch-ungarischen Grenze verschärfte sich. Am Grenzübergang Nickelsdorf staute sich der Verkehr auf österreichischer Seite zeitweise auf bis zu 50 Kilometer, wie ein Sprecher der Landesregierung des Burgenlandes sagte.

Daraufhin hob Ungarn am Mittwoch seine Einreisebeschränkungen vorübergehend auf. Zahlreiche Bulgaren, Rumänen und Serben, die in ihre Heimat wollen, sollen nun das Land durchfahren können. Die Polizei im österreichischen Burgenland teilte mit, dass die Grenze für Menschen aus den drei Ländern bis Donnerstag 5 Uhr offen sei.

Man erwarte von den EU-Staaten einen Geist der Kooperation, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Mittwoch. «Das ist der Schlüssel für unsere Bürger, die in einem anderen Mitgliedsstaat gestrandet sind und nach Hause möchten.» Die Leitlinien der Behörde sollten so schnell wie möglich umgesetzt werden. Darin heisst es auch, anderen EU-Bürgern solle die Durchfahrt durch ein Land auf dem Weg nach Hause erleichtert werden.

Keine Einreise für Nicht-EU-Bürger

Nicht mehr einreisen dürfen seit Dienstagabend jedoch für zunächst 30 Tage die meisten Menschen, die nicht aus der EU kommen. Für Bürger aus der Schweiz, Grossbritannien, Island, Liechtenstein und Norwegen gilt das Einreiseverbot nicht.

Am Frankfurter Flughafen hinderte die deutsche Polizei bis zum späten Mittwochvormittag bereits 139 Fluggäste aus Nicht-EU-Ländern an der Einreise. Die Menschen warteten auf der Wache oder im Transitbereich auf ihre Rückflugmöglichkeiten, sagte ein Sprecher der Polizei. Sie kämen aus Staaten wie den USA, Brasilien oder Thailand. Auch am Hunsrück-Flughafen Hahn sowie am Airport München wurden Passagiere abgewiesen.

Die Polizei rechnet mit einem schnellen Abebben des Andrangs, sobald die Fluggesellschaften die neuen Regelungen berücksichtigen könnten. «Die Airlines reagieren bereits. Bald werden die Nicht-EU-Bürger gar nicht mehr ins Flugzeug nach Europa steigen können», sagte der Polizeisprecher.

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