Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wandte sich in einer historischen TV-Anprache an die Bevölkerung. (Bild: Keystone)
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Kanzlerin Merkel appelliert an Bürger – «Es ist ernst»

In einem dramatischen Appell hat Bundeskanzlerin Angela Merkel alle Menschen in Deutschland aufgefordert, beim Kampf gegen das Coronavirus mitzuhelfen.

«Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst», sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in einer Fernsehansprache.

«Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.» Zugleich versicherte die Kanzlerin angesichts vieler taumelnder Unternehmen und Sorgen über die Versorgung der Bevölkerung: «Der Staat wird weiter funktionieren, die Versorgung wird selbstverständlich weiter gesichert sein und wir wollen so viel wirtschaftliche Tätigkeit wie möglich bewahren.»

Erste ausserordentliche TV-Ansprache

Es ist das erste Mal in ihrer mehr als 14-jährigen Amtszeit, dass sich Merkel ausserhalb der Silvester-Ansprache im Fernsehen direkt an die Bevölkerung wendet.

Angesichts der Debatte um mögliche Ausgangssperren wie in anderen EU-Staaten war in Regierungskreisen aber schon vorab betont worden, dass die Kanzlerin keine neuen Massnahmen verkünden, sondern vielmehr die Gründe für die Einschränkungen im Leben erklären werde.

«Einschränkungen, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab»

Merkel betonte, dass die Eingriffe von Bund und Ländern in das Leben vieler Menschen auch das «demokratische Selbstverständnis» angriffen. «Es sind Einschränkungen, wie es sie in der Bundesrepublik noch nie gab», sagte sie. Doch dies sei notwendig, um die schnelle Ausbreitung des Virus und die daraus resultierenden Gefahren noch abzuwenden.

Zugleich dankte Merkel dem medizinischen Personal, aber auch etwa den Beschäftigten im Einzelhandel für ihre Arbeit. Niemand müsse sich Sorgen um die Versorgung machen. «Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch», mahnte die Regierungschefin.

Merkel betonte mehrfach in ihrer Ansprache, wie wichtig derzeit die räumliche Distanz zwischen Menschen sei, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. «Wir müssen das Risiko, dass der eine den anderen ansteckt, so begrenzen, wie wir nur können», mahnte sie und bat alle, sich an die von den Experten empfohlenen Abstandsregeln zu halten.

Behördliche Mahnungen wenig befolgt

Hintergrund ist, dass die angeordneten Einschränkungen des öffentlichen Lebens nach Einschätzung der Behörden noch nicht dazu geführt haben, dass sich alle an die Bitte halten, sich nicht mehr in Gruppen zu treffen. Das Virus sei aber nur zu besiegen, wenn alle mitmachten.

Deutschland habe zwar ein exzellentes Gesundheitssystem, «vielleicht eines der besten der Welt», betonte Merkel. Deshalb könne man zuversichtlich sein. «Aber auch unsere Krankenhäuser wären völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Corona-Infektion erleiden», fügte sie mit Blick auf die stark steigenden Zahlen an Infizierten hinzu.

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