Der Verkehr verzeichnet wegen dem Coronavirus schweizweit einen Rückgang von 37 Prozent. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Behörden geben neue Verkehrszahlen bekannt

Am Dienstag klärte der Bundesrat Fragen und gab neue Zahlen bekannt. Unter anderem kommunizierte er, dass der Verkehr einen Rückgang von 37 Prozent verzeichnet.

Die Behörden haben am Dienstag in einer Medienkonferenz einige Fragen geklärt und neue Zahlen kommuniziert. So liegt die Zahl der Infizierten bei geschätzten 2650 Personen. Laut BAG werden die Fallzahlen auch in den kommenden Tagen steigen.

Bis am Morgen war die Infektion gemäss Angaben bei 2269 Personen definitiv bestätigt worden, wie Daniel Koch, Leiter Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Dienstag vor den Bundeshausmedien in Bern sagte. Bei 162 weiteren stand die Bestätigung noch aus und 270 Meldungen waren noch nicht erfasst.

«Im Moment ist der Anstieg so schnell, dass wir die Daten nicht alle erfassen können», sagte Koch. Der Bund versuche «mit Volldampf», den Rückstand aufzuholen. Der Fakt, dass es einen Rückstand gebe, sage viel über den Ernst der Situation aus.

Massnahmen gegen steigende Todesrate

Die Fallzahlen werden auch in den kommenden Tagen weiter steigen, sagte Koch. «Heute kommunizieren wir die Fälle, die sich vor knapp einer Woche angesteckt haben.» Aktuell seien viel mehr Personen betroffen. Koch hat daher die Bevölkerung erneut aufgerufen, sich an die Massnahmen zu halten. «Wir müssen die Welle unbedingt zum Abflachen bringen.» Ansonsten werde die Todesrate wegen des Coronavirus steigen.

Gemäss einer Zählung von Keystone-SDA sind am Coronavirus seit dem 5. März bereits 26 Menschen gestorben. Es handelt sich insbesondere um ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Das BAG hingegen meldete 19 Todesfälle durch die Lungenkrankheit Covid-19. Die Zahl könne von den Angaben der Kantone abweichen, schreibt es dazu.

Verkehr an Grenzen stark reduziert

Am Dienstag um Mitternacht hat die Schweiz Einreisebeschränkungen an den Grenzen mit allen Nachbarstaaten ausser Liechtenstein in Kraft gesetzt. Bis 10 Uhr am Vormittag wurden gegen 2300 Einreisewillige abgewiesen, wie Christian Bock, Direktor der Eidgenössischen Zollverwaltung sagte. Diese Menschen hätten die Einreisebedingungen nicht erfüllt.

Generell habe der Verkehr an den Grenzen deutlich abgenommen. Am stärksten war der Rückgang im Tessin. Im Vergleich zum Februar nahm der Verkehr um über 70 Prozent ab, wie Bock sagte. Auf das ganze Land gerechnet, betrug der Rückgang 37 Prozent.

Überlastung der Spitäler könnte drohen

«Die Bevölkerung muss alles daran setzen, die Infektionen untereinander zurückzubinden«, sagte Koch. »Wenn uns das nicht gelingt, werden wir unsere Spitäler überlasten», sagte Koch. Maximal könnten in der Schweiz 1200 Intensivpflegebetten bereitgestellt werden. Wie viele der aktuell 800 vorbereiteten Betten derzeit belegt seien, sei nicht bekannt.

Der Bund wehrt sich gegen den Vorwurf, dass er zu wenige und zu wenig gezielte Corona-Tests durchführt. «Wir testen jeden Tag mehr, und wir testen spezifisch», sagte Koch. Es kämen laufend neue Labors dazu, die Tests auswerten könnten. Deshalb könnten die Kapazitäten in einer Woche schon viel höher sein als heute. Seit Montag seien in der gesamten Schweiz rund 2250 Tests durchgeführt worden, sagte Koch. Sehr viele davon seien negativ ausgefallen.

Es sei das Ziel, auch weniger symptomatische Personen zu testen, damit sich diese nach einem positiven Befund nicht mehr in der Öffentlichkeit aufhielten. Es sei aber nicht sinnvoll und derzeit auch nicht möglich, «alle zu testen, die den kleinsten Schnupfen haben».

Neue Hotline des Seco für Unternehmen

Für die Unternehmen richtet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ab Donnerstag eine Hotline ein, wie Seco-Direktorin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch sagte. Noch gebe es keine Instrumente für die Bewältigung von Anfragen um finanzielle Unterstützung. Diese Lösungen seien nicht so schnell «erfindbar». Um die Liquidität kurzfristig zu garantieren, sei das erste Rezept ein Antrag auf Kurzarbeit.

Die Industrie und das Baugewerbe funktionieren trotz Corona-Notstand weitgehend weiter. Auch der Betrieb auf den Baustellen ist vom bundesrätlichen Notrecht ausgenommen. Hier könnten die Kantone auch Regeln und gewisse Einschränkungen erlassen, sagte Jan Schüpbach vom Seco. Bisher seien ihm jedoch keine solchen bekannt.

Acht Kantone baten Armee um Unterstützung

An der gestrigen Medienkonferenz gab Verteidigungsministerin Viola Amherd die «grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg» bekannt. Angelaufen ist der Armeeeinsatz im Tessin, sieben weitere Kantone haben Unterstützungsgesuche eingereicht, wie Brigadier Raynald Droz sagte. Es seien Basel-Landschaft, Graubünden, Neuenburg, Thurgau, Wallis, Waadt und Bern. Diese Gesuche würden nun geprüft.

Mit der Mobilisierung via Alertswiss-App und dem Rücklauf der Antworten habe man gute Erfahrungen gemacht, sagte Droz. Bei der Mobilisierung ist auch eine allfällige Ansteckung mit Sars-CoV-2 ein Thema. Alle Eingerückten würden zu Symptomen befragt, sagte Droz. Bei Hinweisen auf eine Ansteckung würden die Armeeangehörigen in Isolation oder Quarantäne gesetzt.

Zurzeit gelte Isolation für 50 Armeeangehörige, davon fünf positiv Getestete, sagte Droz, auf Fälle im Tessin angesprochen. 90 weitere seien in Quarantäne.

Rückflug von Schweizern aus Marokko

Geäussert hat sich auch Peter Lenz, Chef des Krisenmanagement-Zentrums im Aussendepartement EDA. In Marokko stecken hunderte Reisende aus der Schweiz fest. Sie können ab Dienstag ausreisen. Buchung und Kosten gingen zu Lasten der Reisenden. Grundsätzlich bestehe kein Recht auf eine organisierte Ausreise aus Krisensituationen.

Der Bund könne Hilfe und subsidiäre Unterstützung leisten. Sollte sich herausstellen, dass es für Touristen irgendwo auf der Welt nicht mehr möglich sei, auf dem Landweg oder eigene Faust auszureisen, werde das EDA solche Lagen eingehend prüfen und allenfalls Massnahmen ergreifen.

Lage sehr dynamisch

Generell wird sich die Lage laufend ändern. Auch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga betonten bei der Verkündung der neuen «ausserordentlichen Lage» vom Montag, dass es sich um einen Prozess handle. Bei Bedarf würden weitere Massnahmen verhängt.

Als nächste Stufe könnte der Bundesrat die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung weiter einschränken, zum Beispiel mit einer Ausgangssperre. Der Entscheid wird davon abhängig sein, wie erfolgreich die bislang verhängten Massnahmen umgesetzt und ihre Wirkung entfalten konnten.

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