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Der schwarze Tod forderte auch in Basel zahlreiche Opfer. (Bild: Wikipedia)
Basel

Jeder zehnte Basler starb

Das Coronavirus prägt das Jahr 2020. Es ist nicht die erste Epidemie, die Spuren hinterlässt: Auch weitere Erreger haben ihren Platz in den Geschichtsbüchern.

Das Coronavirus hat die Welt im Griff. Nicht nur die Basler Fasnacht und Schweizer Sportveranstaltungen sind abgesagt, weltweit fallen Events ins Wasser und Schulen oder sogar ganze Städte werden geschlossen. Seit Januar sorgt die Krankheit für Schlagzeilen und für besorgte Gemüter.

Dabei beunruhigt viele nicht nur das neue Unbekannte. Das Problem ist bekannt. Immer wieder sieht sich die Menschheit mit neuen Krankheitserregern konfrontiert. Die Coronaviurs-Epidemie gliedert sich in eine Reihe verschiedener Epidemien: Vogelgrippe, Schweinegrippe und Sars beschäftigten beispielsweise in den letzten Jahren.

Dass bereits erste Berichte über neue Erkrankungen für unruhige Gemüter sorgen, liegt aber nicht nur an den Ereignissen der jüngsten Zeit. Die Geschichte ist geprägt von Krankheiten, die sich ins Gedächtnis der Menschheit gebrannt haben: Dazu zählen die Pest, die Pocken, die Cholera, die Spanische Grippe, AIDS, Kinderlähmung und Ebola.

Der Schwarze Tod

Überlieferungen der Pest reichen bis in die Antike zurück. So findet die Infektionskrankheit beispielsweise Erwähnung in der Bibel. Die ersten grossflächigen Pestepidemien in Europa traten dann – wie auf den restlichen Kontinenten – Mitte des 14. Jahrhunderts auf. Sie zählen zu den grössten Katastrophen der Menschheitsgeschichte.

Die Pest konnte jeden treffen – egal, welchen Stand die davon befallene Person genoss. (Bild: Wikipdia, Holzstich, Hans Holbein der Jüngere)

Innerhalb von vier Jahren starben 40 bis 50 Prozent der europäischen Bevölkerung. Besonders in der Mittelmeerregion war die Zahl der Todesopfer aber höher: hier sollen 75 bis 80 Prozent der Bevölkerung der Krankheit erlegen sein.

In Deutschland und England lag die Todesrate derweil bei 20 Prozent. Auch in Basel wütete der «Schwarze Tod», wie die Pest später genannt wurde. Hier sollen rund zehn Prozent der Bevölkerung gestorben sein.

Die bakterielle Krankheit wurde zuerst durch Ratten und dann von Mensch zu Mensch übertragen.

Jahrhunderte alte Überbleibsel

Es dauerte mehrere Jahrhunderte bis Europa nach der Pest wieder die alte Bevölkerungsdichte erreichte. Die Krankheit prägte zwangsläufig den Lauf der Geschichte. Mit dem Totentanz – sinnbildliche Darstellungen davon, wie viel Macht der Tod über den Menschen hat – bleibt eine kulturelle Erinnerung an die Zeit voller Leid und Elend.

Noch heute schlagen sich die Epidemien im alltäglichen Sprachgebrauch wieder: «Er behandelt sie wie die Pest», zählt beispielsweise zu den Redensarten, die an die Pest erinnern. Auch das Kinderspiel «Wer hat Angst vom schwarzen Mann?» begründet sich in der Zeit des Schwarzen Todes: Damit wurde den Kindern spielerisch beigebracht, andere nicht zu berühren, damit sie nicht angesteckt werden können. Der «schwarze Mann» soll hier die Pest darstellen.

Der Totentanz ist eine sinnbildliche Darstellung der Macht des Todes über die Menschen. (Bild: Wikipedia, Holzschnitt Michael Wolgemut)

Bis heute gibt es immer wieder Ausbrüche der Pest. 1994 kam es beispielsweise im indischen Surat zu einer erneuten Pest-Epidemie. 6’344 Personen erkrankten, 56 Menschen starben. In den Jahren 2005 und 2006 erlagen im Kongo 164 Menschen dem Pest-Virus. Auch im Bundesstaat Idaho gab es 2018 einen Fall, ebenso in der Mongolei im Jahr 2019.

Besonders in Madagaskar kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Ausbrüchen. Seit 2019 starben 600 Menschen auf der afrikanischen Insel an der Pest.

Die Pocken und die Schutzimpfungs-Revolution

Wie die Pest forderten auch die Pocken Millionen von Opfern. Die Krankheit wütete während Jahrhunderten in Europa, Asien und Afrika und zählt zu den gefährlichsten Krankheiten für den Menschen. Die Krankheit kam ebenfalls in Epidemien.

Besonders fatal war die Einschleppung der Krankheit durch Europäer in Nordamerika. Millionen von Ureinwohnern starben innerhalb von rund 100 Jahren im 18. und 19. Jahrhundert. Von den europäischen Besetzern wurden die Pocken auch als Waffe verwendet. So überreichte ein gewisser Oberstleutnant Henri Bouquet zwei Häuptlingen als angebliches Geschenk der Anerkennung eine Decke. Diese war jedoch mit Pocken infiziert und sorgte für zahlreiche Tote.

Es ist nicht das erste oder das letzte Mal, dass Krankheiten als Waffe eingesetzt wurden: Auch der Pest-Erreger wird von der Weltgesundheitsorganisation als biologischer Kampfstoff gezählt. Er gehört dabei wie die Pocken zu den gefährlichsten zwölf auf dieser Liste. Das sogenannte «Dreckige Dutzend» beinhaltet zudem auch den Milzbrand, die Marburg-Viren oder Ebola.

75 Prozent sterben durch die Pocken

Die Pocken rafften so in verschiedenen Epidemien bis zu 75 Prozent aller US-amerikanischen Ureinwohner ein.

Erst mit der Schutzimpfung, die Edward Jenner im 18. Jahrhundert entwickelte, beruhigte sich die weltweite Pockenkrise. Edward Jenner gilt als Vater der Impfungen: Er entwickelte mit Erfolg die Präventivmassnahme gegen eine Krankheit, die zuvor nach Schätzungen jeden fünften Menschen das Leben kostete.

Die Pocken waren die erste Krankheit, gegen die es im grossen Stil Schutzimpfungen gab. 1980 konnte dank der Impfungen die Krankheit von der WHO als ausgerottet erklärt werden.

Spanische Grippe wird zur Schweinegrippe

Die Spanische Grippe brach zum Ende des 1. Weltkriegs auch in Europa aus. Auch in Basel suchte die Krankheit die Bevölkerung heim und führte zu Hunderten von Todesopfern. 1920 musste wegen ihr die Fasnacht verschoben werden. Weltweit starben nach Schätzungen von Experten 50 Millonen Menschen an der Krankheit.

Die Krankheit suchte die Menschheit in drei Wellen heim. Die Spanische Grippe hatte ihren Ursprung wohl in Kansas und wurde von Soldaten, die im ersten Weltkrieg kämpften in die ganze Welt getragen. In der Schweiz starben zwischen Juli 1918 und Juni 1919 offiziell 24’449 Menschen am Virus. Weil es noch keine Meldepflicht gab, gehen die Menschen aber von einer grossen Dunkelziffer aus.

Die Spanische Grippe traf dabei auch zahlreiche prominente Opfer. So starb etwas Donald Trumps Grossvater Frederick Trump 1918 an der Krankheit. Auch der schwedische Prinz Erik Gustaf und der Schweizer Industrielle Robert Victor Neher zählen zu den Menschen, die an der Spanischen Grippe starben. Neher gilt als Pionier der Aluminiumtechnologie.

Auch die Spanische Grippe streckt ihre Fühler in die heutige Zeit aus: Die Schweinegrippe-Pandemie im Jahr wurde durch eine Variante des Virus-Erregers der Spanischen Grippe verursacht.

AIDS löst Hysterie aus

1959 trat AIDS erstmals auf. In der 1980 Jahren verbreitete sich die Krankheit rasant. Was folgte, war eine Hysterie: Der Ursprung der Krankheit und ihre Verbreitung waren lange ungeklärt. Von damaligen Experten wurde die auch sexuell übertragbare Krankheit als «Lustseuche» bezeichnet.

Zunächst galt der Erreger als einer, der vor allem Homosexuelle und Drogenabhängige befiel – beides Gruppen, die ohnehin bereits mit gesellschaftlicher Ächtung zu kämpfen hatten. Betroffene litten lange Jahre unter der Stigmatisierung, die dieses weitere Vorurteil mit sich brachte.

Ende der 1980er Jahre wurden grossangelegte Kampagnen lanciert, die darauf Aufmerksam machen, dass AIDS alle treffen kann. Noch heute leisten Organisationen im Zusammenhang mit der Krankheit Aufklärungsarbeit. Gegen die anhaltenden Diskriminierungen gegen HIV-Infizierte wurde unter anderem im Jahr 1990 die rote Schleife als Symbol für den Kampf gegen die Krankheit lanciert.

Der Fakt, dass das HIV-Virus durch kontaminierte Bluttransfusionen übertragen werden konnte, löste in zahlreichen Ländern Skandale aus und nährte die mit der Krankheit verbundene Panik. Der Mitentdecker des Erregers, der US-Amerikaner Robert Gallo, sagte die Krankheit könne «das Ende der Menschheit bedeuten».

An AIDS erkrankte oder HIV-positive Menschen wurden während der ersten Jahre der AIDS-Epidemie oft wie Aussätzige behandelt. Wegen der herrschenden Unsicherheit, wie die Krankheit übertragen wird, sowie der Vorurteile trauten sich viele Menschen nicht, Infizierte zu berühren.

Ein Basketball-Star klärt auf

Auch hier wurde viel Aufklärungsarbeit geleistet: Die Krankheit ist nicht durch Berührungen übertragbar. Prinzessin Diana machte etwa Schlagzeilen, als sie vor laufenden Kameras AIDS-Patienten die Hände schüttelte.

1991 gab der Baseketball-Star Magic Johnson an einer Pressekonferenz der Lakers bekannt, sich mit HIV infiziert zu haben. Zahlreiche Journalisten brachen an der Konferenz in Tränen aus.

Lebt mit HIV: Magic Johnson. (Bild: Keystone)

Sie fragten, wie viele Wochen der Sportler noch zu leben habe. Johnson klärte gegen zahlreiche Vorurteile auf: Johnson war weder homosexuell noch hatte er Heroin genommen: Er hatte sich beim Sex mit einer Frau angesteckt. Und entgegen aller Erwartungen der weinenden Journalisten starb er nicht: Im Alter von 36 Jahren gab er in der Saison 1995/1996 ein Comeback und setzt sich noch heute in der Prävention gegen AIDS ein.

Weltweit lebten im Jahr 2018 37,9 Millionen Menschen mit HIV-Infektionen. 0,77 Millionen Menschen starben in diesem Jahr an der Krankheit. Noch immer gibt es jährlich im Schnitt zwei Millionen Neuansteckungen. Obwohl Patienten mit einer HIV-Erkrankung dank Medikamenten lange leben können, gilt die Krankheit als unheilbar.

Hohe Sterblichkeitsrate bei Ebola

Das Ebolavirus wurde erstmals 1976 nachgewiesen. Die Krankheit verläuft noch heute oft tödlich. Die Todesrate variiert dabei je nach Ausbruch zwischen 25 und 90 Prozent. Therapiert wird die Krankheit mit der Linderung einzelner Krankheitssymptome. Ein spezifisches Ebola-Heilmittel existiert nicht. Mittlerweile gibt es einen Impfstoff gegen Ebola. Die Krankheit kann über Körperflüssigkeiten übertragen werden, aber auch von Tieren sowie durch kontaminierte Gegenstände.

Zu grösseren Ausbrüchen der Krankheit kam es vor allem in Afrika. Im Kongo, Gabun sowie Uganda litten die Menschen unter anderem wegen der Epidemien. Der letzte grosse Ausbruch der Krankheit ereignete sich im Jahr 2018 im Kongo. Weltweit gab es mehrere Fälle von Ebola, zu einer Epidemie ausserhalb Afrikas kam es jedoch nicht. In der Schweiz gab es bisher noch keinen Fall von Ebola.

Die Medikamente, die zur Bekämpfung des Erregers entwickelt wurden, kommen auch in anderen Gebieten zum Einsatz: Ein Ebola-Wirkstoff soll vielversprechend in Hinblick auf die Bekämpfung des Coronavirus‘ sein.

2 Kommentare

  1. Fazit: solche Krankheiten und Epigemien gibts schon seit Menschengedenken. ich frage mich, wie kommt es dass plötzlich eine weltweite Panik, wegen Corona, ausgebrochen ist ?!?!?! Da stimmt doch irgendetwas nicht !!!!!!!!!!!!!Report

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