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Schweiz

Der Bundesrat zu den Massnahmen gegen die Corona-Pandemie

Das Coronavirus hält den Bundesrat auf Trab. Sei es wegen der Schulschliessung, der Unterstützung für Unternehmen oder weiteren Massnahmen.

In der Sonntagspresse dominiert Themen rund um die Coronavirus-Pandemie. Appelle an Solidarität der Bevölkerung, die Auswirkungen auf die Wirtschaft, die Schulschliessungen und die Reaktionen der Gesundheitsinstitutionen: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen. Die Schlagzeilen in nicht verifizierten Meldungen:

Simonetta Sommaruga appelliert an die Solidarität der Bevölkerung

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga appelliert angesichts der Corona-Epidemie an die Solidarität der Bevölkerung und der Wirtschaft: «Jetzt braucht es alle, die mitmachen, jeden Einzelnen von uns. Es braucht Solidarität. Dazu gehört, dass man sich für einige Zeit einschränkt. Tun wir das nicht, wird es noch schwieriger», sagte sie im Interview mit der «SonntagsZeitung». Sie zeigte sich überzeugt davon, dass die meisten das verstanden hätten und sich an die neuen Verhaltensregeln in der Corona-Krisen halten werden und so die Verbreitung des Virus gebremst werden könne. Sommaruga betonte auch, dass der Bund in der Krise die Bevölkerung und die Wirtschaft nicht alleine lassen wird: «Wir kümmern uns um die Menschen, um die Gesundheit und die Arbeitsplätze. Wir haben die Mittel und die Möglichkeiten dazu – medizinisch und auch finanziell.» Sommaruga kündigte dabei weitere finanzielle Hilfe an, für den Fall, dass sich die Krise weiter verschärft «Es ist klar, dass das Problem eine noch grössere Dimension annehmen kann und dass dann weitere Unterstützung nötig wird», sagte die Bundespräsidentin. Und sie versprach nach der Kritik von Virologen auch mehr Corona-Tests: «Unsere Fachleute prüfen mit den zuständigen nationalen und kantonalen Stellen derzeit Möglichkeiten zum weiteren Ausbau des Testangebotes.»

Alain Berset zur Massnahme der Schliessung der Schulen

Gesundheitsminister Alain Berset bezeichnet die aktuelle Situation in der Schweiz angesichts der Coronavirus-Krise als ernst. Panik sei aber nicht angebracht, sagte Berset in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Wir müssen keine Angst haben. Es gilt, ruhig zu bleiben, konzentriert und entschlossen weiter an der Krisenbewältigung zu arbeiten und dabei bescheiden und flexibel zu bleiben.» Auf die Frage, was ihm derzeit am meisten Sorgen bereite, sagte der Gesundheitsminister: «Dass gewisse Leute denken, sie seien nicht betroffen, und sich daher nicht an unsere Hygiene- und Verhaltensempfehlungen halten.» Berset macht deutlich, dass nun die Mithilfe und Solidarität aller Bürger nötig sei, um die weitere Ausbreitung zu bremsen und so die Älteren sowie die gesundheitlich Angeschlagenen zu schützen. Den Umstand, dass man die Schliessung von Schulen noch vor kurzem als nutzlos und kontraproduktiv bezeichnet hat, erklärt er damit, dass die Massnahme eben auch positive Effekte habe, weil sie das Virus bremse: «Dieser Effekt hat im Laufe der Woche unter Experten an Bedeutung gewonnen – neue Studien zeigen, dass Kinder das Virus schneller verbreiten als bisher bekannt. Natürlich bleiben wir dann nicht stur.»

Hilfe für die Unternehmen

Wirtschaftsminister Guy Parmelin wendet sich in einem Interview mit dem «SonntagsBlick» mit einem eindringlichen Appell an die Schweiz: «Ich appelliere an die Solidarität», sagte Parmelin. «Wir befinden uns in einer schwierigen Situation, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Wir sollten uns alle an die empfohlenen Verhaltensregeln halten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.» Bei der Bewältigung der Folgen für die Wirtschaft bemühe sich der Bundesrat «um eine bestmögliche Abfederung». Den Unternehmen und Angestellten sicherte er rasche Hilfe zu: «Die Kurzarbeitsentschädigung hat sich in der Vergangenheit bewährt. In diesem Bereich stehen derzeit rund acht Milliarden Franken zur Verfügung, um die momentane Situation durchzustehen. Den KMU mit finanziellen Engpässen stehen ab sofort bis zu 580 Millionen Franken an Bankkrediten zur Verfügung.» Daneben wolle der Bundesrat als Soforthilfe für Härtefalllösungen für Unternehmen oder Selbständigerwerbende fürs Erste rund eine Milliarde zur Verfügung stellen. Auch für die Betroffenen in Kultur und Sport werde es spezifische Unterstützungslösungen geben, sagte Parmelin. Sollten die beschlossenen zehn Milliarden Franken nicht reichen, werde der Bund nachlegen. «Wir werden tun, was notwendig ist. Wir stehen erst am Anfang und wissen nicht, wie lange diese Situation andauern wird. Wir müssen schauen, wie hoch der Bedarf ausfällt. Ist dieser höher als derzeit angenommen, ist auch mehr Geld zu sprechen.»

BAG widerspricht Vorwürfen

Der Leiter des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Daniel Koch, widerspricht Vorwürfen, wonach der Bundesrat in der Corona-Krise zu zögerlich agiere. Die Anzahl Erkrankter sei nicht das einzige Kriterium, das der Bund bei seinen Entscheiden berücksichtigen müsse. «Wir müssen uns auch überlegen, welche Massnahmen die Bevölkerung akzeptieren wird. Reagiert man zu früh, setzen die Leute die Massnahmen nicht um, weil sie den Sinn dahinter nicht sehen», sagte Koch im Interview mit dem «SonntagsBlick». Zudem habe niemand vorausgesehen, wie schnell und dramatisch sich die Lage in Italien entwickeln würde: «Die Geschwindigkeit war enorm.» Neu gilt eine Obergrenze von 50 Personen für Cafés und Restaurants. Auf die Frage, weshalb hat der Bund diese Grenze nicht tiefer angesetzt habe, wo doch zum Beispiel an der Harvard University bereits Versammlungen von mehr als 25 Personen verboten seien, sagte Koch: «Es geht nicht darum, zu zählen, wie viele Personen sich in einem Raum aufhalten – sondern darum dass sie sich nicht anstecken. Wenn 25 Personen zu nahe aufeinanderhocken, bringt das auch nichts.» Darum seien nicht nur die Zahlen entscheidend, sondern dass die Leute wüssten, wie sie sich verhalten müssen: «Dass man Distanz wahren und die Hygienemassnahmen einhalten soll.»

Schulschliessung könnte noch länger dauern

Die Schulschliessungen wegen der Corona-Krise dürften wohl viel länger dauern als bisher offiziell angekündigt. Das berichtet die «NZZ am Sonntag». «Da die Wissenschaft damit rechnet, dass es drei bis vier Monate dauert, bis die Epidemie abflacht, müssen wir auch mit Schulschliessungen für diesen Zeitraum rechnen», sagte Silvia Steiner, Zürcher Bildungsdirektorin und Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz. Auch der Vorsteher des Stadtzürcher Schulamts, Filippo Leutenegger, sagte: «Ich stelle mich darauf ein, dass wir noch über die Frühlingsferien hinaus beim Fernunterricht bleiben müssen.» Diese Annahmen sind denn auch der Grund dafür, dass die Schulen jetzt mit Hochdruck daran arbeiten, Systeme und Abläufe einzuführen, um die Schüler daheim zu unterrichten. Steiner rechnet mit einer «Phase des Chaos». Doch dann werde sich der Schulbetrieb neu einpendeln. «Wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass diese aussergewöhnliche Massnahme zu einem Knick in der Bildungskarriere der Kinder und Jugendlichen führt», sagte sie.

Fulghafengesellschaften hoffen auf Staatshilfe

Swiss-Chef Thomas Klühr hofft wegen der drastischen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Fluggesellschaften auf Staatshilfe. Das sagte er gegenüber dem «SonntagsBlick»: «Ich zähle darauf, dass der Bundesrat weiss, was die Schweiz an ihrer Airline hat.» Kaum eine Fluggesellschaft werde die Corona-Krise ohne staatliche Hilfe überleben, sagte Klühr. Wenn sich die Situation weiter verschärfe, werde die Swiss alle Flugzeuge am Boden lassen müssen und sei dann auf Staatshilfe angewiesen. Klühr ist dennoch zuversichtlich, dass die Swiss die Corona-Krise überlebt: «Ich bin sicher, dass wir länger aushalten können als andere Airlines.» Es hänge aber auch davon ab, ob die Schweiz die Swiss unterstützen werde. In welcher Höhe die Staatshilfe ausfallen müsste, konnte Klühr noch nicht sagen. Die Gespräche mit dem Bundesrat finden nächste Woche statt. Entlassungen gibt es bei der Swiss vorerst keine. «Unser oberstes Ziel ist es, dass wir alle an Bord halten», sagte Klühr. Die Swiss hat Kurzarbeit für das fliegende Personal beantragt. Auch für alle anderen Mitarbeitenden wird laut Klühr Kurzarbeit geprüft. Die Geschäftsleitung und das obere Kader würden ebenfalls mit anteiligem Gehaltsverzicht ihren Beitrag leisten.

Armee unterstützt Spitäler

Im Kampf gegen das Coronavirus organisiert das Tessin seine medizinische Versorgung neu: «Ab sofort werden alle Corona-Patienten nur noch am Spital in Locarno behandelt», sagte Mattia Lepori, der stellvertretende medizinische Leiter der öffentlichen Spitäler im Tessin, in der «NZZ am Sonntag». Bereits am Wochenende werde die Armee helfen, die Patienten und das benötigte Material nach Locarno zu verlegen. Dort werden sich 800 Mitarbeitende, unter ihnen 200 Ärzte, um die Patienten kümmern. In einer ersten Etappe stehen 30 Intensivbetten zur Verfügung. Unter den Ärzten und Pflegenden befinden sich mittlerweile über 100 Personen, die der Spitalverbund entweder aus dem Ruhestand zurückgeholt oder von der Schule für Krankenpflege abgezogen hat. Die Tessiner setzen alle Hebel in Bewegung, um ihr Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren. Auch die anderen Kantone rüsten sich für die erwartete Krankheitswelle. Landesweit suchen Spitäler nach Personal und stocken die Zahl ihrer Betten auf. Das Universitätsspital Zürich schult über 100 Medizinstudenten für den Einsatz bei Corona-Patienten. Sie sollen Betreuungsaufgaben für die Intensivpatienten übernehmen.

Drückeberger an der Arbeitsfront

Seit dem Auftreten des neuen Coronavirus gibt es offenbar Drückeberger an der Arbeitsfront, die sich im abgekürzten Verfahren krankschreiben lassen wollen. «Zurzeit kommen Leute zu uns, die am Empfang ein Arztzeugnis verlangen, ohne einen Arzt gesehen zu habe», hiess es bei der Ärztestation Permanence am Zürcher Hauptbahnhof auf Anfrage der «SonntagsZeitung». «Sie sagen, der Chef wolle das so.» Solche «Über-die-Theke-Arztzeugnisse ohne Konsultation» stelle man selbstverständlich keine aus. Die Zürcher Stadtspitäler Triemli und Waid meldeten bereits vor ein paar Tagen: «Vermehrt suchen gesunde Personen unseren Notfall auf und verlangen ein Arztzeugnis, obwohl keine Symptome vorliegen.» Seit nicht mehr alle Personen mit Grippesymptomen getestet werden, gibt es neuerdings auch hier Corona-Trickser. Das stellt Axel Rowedder fest, leitender Arzt der Praxis Medix Toujours in Basel. «Uns macht die Tatsache zu schaffen, dass zunehmend mehr Personen mit bewusst falschen Angaben zu ihren Vorerkrankungen oder Risikosituationen versuchen, einen Test zu bekommen», sagte er. «Sie kennen die Testkriterien des BAG sehr genau und wissen, was sie sagen müssen, damit sie getestet werden.» Auch mache man leider die Erfahrung, sagte Rowedder, «dass Patienten am Telefon falsche Angaben machen, damit sie in die Praxis kommen können, und nicht – wie vom BAG empfohlen – nur telefonisch beraten werden.»

Sonstige Themen:

Leck im Abwasserbecken von Glencore

Ein Leck in einem Abwasserbecken des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore im Tschad hat für die lokale Bevölkerung dramatische Folgen. Das schreibt die «SonntagsZeitung», gestützt auf einen Bericht der britischen Nichtregierungsorganisation Raid. Mindestens fünfzig Anwohner der Ölförderanlagen, darunter viele Kinder, berichteten von Verbrennungen und Hautverletzungen. «Glencore verschloss vor Berichten über Dutzende von Verletzungen von Anwohnern die Augen und ignorierte die Beschwerden, als wären sie bedeutungslos», sagte Raid-Chefin Anneke Van Woudenberg. Laut Glencore wurde vorrangig Regenwasser sowie eine kleine Menge an aufbereitetem Wasser aus der Anlage freigesetzt. Die Firma habe sofort reagierte und das Speicherbecken nicht mehr benutzt. Zudem habe sie das Umland und den Fluss auf Chemikalien getestet. «Die Resultate haben keine Anzeichen dafür ergeben, dass ein Gesundheits- oder Sicherheitsrisiko für die lokalen Gemeinden besteht», liess Glencore verlauten. Das Unternehmen habe noch in der Nacht des Vorfalls den Austausch mit Gemeinden gesucht. Dabei seien 121 Beschwerden eingegangen. 89 davon seien begründet gewesen, schreibt Glencore.

E-Bikes boomen

Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz 133’033 Elektrovelos verkauft, 19 Prozent mehr als im Vorjahr, wie «Le Matin Dimanche» berichtet. E-Bikes kosten demnach zwischen 1280 und 3800 Franken. Entsprechend werden sie auch immer häufiger gestohlen. Schweizweit wurden im Jahr 2018 fast 2000 Elektrovelos entwendet, wie den Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zu entnehmen ist. Das entspricht einer Zunahme von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

1 Kommentar

  1. Was ist mit den Menschen, die kein Geld haben und auch keinen Notvorrat anlegen können, werden die ausgeschlossen? Nächsten Liebe gibt es nicht, da sich jeder der Nächste ist, für die die nach Hilfe fragen werden abgelehnt. Das ist die nackte Realität und keine Fantasie der Egoismus kennt keine Grenzen. Obwohl das Unterlassen der Nothilfe strafbar ist, interessiert das niemand.Report

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