(Bild: Keystone)
International

Kein Grand Prix von Australien

Die Vernunft hat am Ende doch noch gesiegt. Der Grand Prix von Australien ist nach langem Werweissen der Organisatoren abgesagt worden.

Es hatte lange, sehr lange gedauert, bis auch die Rechteinhaber der Formel 1, die lokalen Behörden, die örtlichen Organisatoren und die Vertreter des Internationalen Automobil-Verbandes sich zur Absage durchringen und sich von ihrem Ansinnen lösen konnten, das Programm in Melbourne trotz aller widriger Umstände, Unmutsbekundungen und Protesten durchzuziehen.

Das Zögern der Verantwortlichen öffnete den Spekulationen in Melbourne bis in den Freitagmorgen hinein Tür und Tor. Der Inhalt der praktisch im Halbstundentakt verbreiteten Meldungen wechselte ständig. Von der Bestätigung des Grand Prix bis zur Absage war in diesem unübersichtlichen Wechselspiel alles dabei.

Zeitweise war die Situation völlig unübersichtlich. Dazu passte die Ansammlung von vielen hundert Zuschauern, denen der Zugang auf die Anlage im Albert Park verweigert wurde. Knapp zwei Stunden vor dem geplanten Beginn des ersten Trainings hatten die Irrungen und Wirrungen ein Ende und wurde die Absage bestätigt. Begründet wurde der Schritt mit der nicht gewährleisteten Sicherheit.

Der finanzielle Aspekt

Die Sicherheit ist im Zuge der Verbreitung des Coronavirus natürlich ein Thema. Doch in Tat und Wahrheit ging es bei den sich hinziehenden Verhandlungen vorab ums Geld. Wer die Absage bestimmt, muss auch für die entstandenen Kosten gerade stehen. Dass der Internationale Automobil-Verband FIA, das Formel-1-Management und die Veranstalterin Australian Grand Prix Corporation die Absage in einem gemeinsamen Schreiben verkündet haben, deutet auf einen Vergleich in Bezug auf die Haftung hin.

Der Erklärung war ein Treffen von Ross Brawn, dem Technischen Direktor der FIA, mit den Teamchefs vorausgegangen. Die Verantwortlichen von Mercedes, Ferrari, Renault und Alfa Romeo beschlossen danach, auf die Teilnahme am Grand Prix zu verzichten. McLaren hatte sich schon zuvor zurückgezogen. Grund für den Verzicht war die Erkrankung eines Mitarbeiters der Equipe am Coronavirus. Der bestätigte Verdachtsfall brachte schliesslich die angedachte Absage des Rennen endgültig ins Rollen.

Es war der richtige Entscheid. Das Festhalten an der Durchführung des Grand Prix hätte ein ganz schlechtes Licht auf die Formel 1 geworfen in einer Zeit, in der in Ländern flächendeckend das öffentliche Leben stillsteht, Grenzen dicht gemacht werden und die Folgen des sich weiter ausbreitenden Erregers immer mehr auch die Weltwirtschaft in Bedrängnis bringen. In Relation ist der Stellenwert eines Formel-1-Rennens überschaubar, umso mehr die Welle von Absagen längst auch Veranstaltungen in anderen grossen Sportarten erfasst hat.

Die nächsten Fragezeichen

Als nächstes Rennen steht der Grand Prix von Bahrain im Kalender. Ob das Rennen in der nächsten Woche ausgetragen werden kann, ist allerdings sehr fraglich. Auf jeden Fall würde die Veranstaltung in Sakhir ohne Zuschauer stattfinden. Ebenfalls auf der Kippe steht die Premiere des Grossen Preises von Vietnam. Die Prüfung auf dem Stadtkurs in Hanoi ist weitere zwei Wochen später terminiert. Sicher ist seit langem, dass es den Grand Prix von China nicht geben wird – zumindest nicht wie ursprünglich vorgesehen Mitte April.

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