Das Setting im Telebasel-Bangg-Studio. (Foto: Telebasel)
Basel

I love you, Schnitzelbangg!

600 Schnitzelbängg verarbeitete die Telebasel-Crew in den letzten drei Tagen. Auch den grössten Fan befällt da Überdruss. Bei Telebasel geschah das Gegenteil.

Der Auftrag klang wie das Ticket zur Hölle. Drei Tage im Untergeschoss in der Regie: Alle Schnitzelbängg anhören, beurteilen, in Sendungen verarbeiten! Meinen Sie, das ist nur lustig? Meine Seele ächzte mir finster zu: «Nach dem 300. Wessels-Värs bist du nurmehr der zynische Höllenbote, der über das heimische Sofa-Publikum voller Verachtung den unrasierten Mund verzieht».

Aber – Tag drei – ich bin rasiert, gewaschen und munter. Ich fühle mich eher wie ein Postillon d’amour. Der Ihnen, wertes Publikum, etwas von der Liebe und Sorgfalt übermittelt, wie die Bängg hier lampenfiebrig ihre Auftritte vorbereiten, wie sie im Studio ihre «Värs» in die Kameras vortragen. «Blutt», karg, ohne den Lohn von Gelächter und Applaus eines Live-Publikums. Mit ganzem, vibrierendem Einsatz für die ungehörten Lacher in den Wohnstuben. Für eine einmalige, historische Kunstübung.

Wir wurden bekehrt

Als Fernseh-Schnitzelbangg-Konsument hockt man auf dem Sofa wie auf dem Richtersessel: Was zählt, ist der Nummer 1-Hit, no time for losers. Die völlig falsche Betrachtungsweise! Wir alle bei Telebasel wurden in den letzten drei Tagen bekehrt, allein durch die Begegnungen in unserer Lounge, die spontan zur Garderobe mutierte: Wie viel dramaturgische Gedankenarbeit auch die Ungeschicktesten für ihre Performance aufbieten. Welche Sorgfalt sie in die Gestaltung der «Helge» und der Kostüme legen.

Mit wem haben wir es denn zu tun? Handwerkerinnen, Banker, Bürolistinnen vom Steuerbüro, Tramfahrer, Lehrerinnen, Monteure, Coiffeusen, Sozialarbeiter, Rentnerinnen. Von den 36 Formationen in unserem Haus hatten vielleicht vier einen Haspler, bei dreien mussten wir einen Abschnitt wiederholen und schneiden. Der Rest trug sein Programm vor wie Beat Feuz in der Ideallinie das Lauberhorn runterrast.

Wir wurden berührt

Leute, die keine Lyrik lesen, kämpfen sich mit Pointen und Storytelling ab. Menschen, die nirgendwo und mit nichts auffallen, treten mit ihren Schöpfungen vor ein Publikum. Die Spitzen machen unsere Fasnacht berühmt, aber ernährt wird sie vom Einsatz aller, die an der Geschichte der Fasnachtsfamilie mitschreiben, sie fortschreiben, sie verdichten und inspirieren. Etwas blumig: Einen üppigen Garten bestellen, in dem die Kräuter aufschiessen. Auch das Unkraut!

Hätten wir die Schnitzelbängg nicht übertragen, wäre ein ganzer Jahrgang Fasnachtsgeschichte ins Nirvana abgerauscht. Noch am Mittwoch tänzelte Sendeleiterin Célina im Rhythmus eines Refrains, der sich ihr am Montag ins Ohr gebohrt hatte.

Die Schnitzelbängg vom Montagabend, vom Dienstagabend und vom Mittwochabend.

4 Kommentare

  1. Ich hatte auch kommentiert hier und euch gedankt, weil die Konservenbängg durchaus einen Trost darstellten – grad für uns Passiv-Fans, die es kaum glauben konnten, dass es keine Fasnacht geben soll, und eine Weile noch auf weitere aufmüpfige Aktionen wie die am Morgestraich gehofft hatten.
    Schön zu Lesen auch dieser feinfühlige Kommentar des Telebasel-Insiders Claude Bühler hier.
    Ich hatte allerdings baseldeutsch kommentiert, und auf meine Nachfrage, warum mein Kommentar nicht veröffentlicht wurde, bekam ich den Bescheid, ihr veröffentlicht nur hochdeutsche Kommentare wegen der LeserInnen, die des Baseldeutschen nicht mächtig seien (?? Die werden ja allerdings auch kein Wort von den Schnitzelbänken verstehen, oder?).
    Jedenfalls, siehe da, ich sehe zwei Kommentare hier oben in reinstem Baseldeutsch…Report

  2. Danggschön für das schöni Gschängg,
    vo de heim-glieferete Schnitzelbängg.
    So hänn mir doch wenn au nur e Bitz
    könnne teilhaa am guete Basler-Witz.
    D’Fasnacht 2020 hett leider nid könne sy,
    so freue mir uns uff die näggscht scho gly.Report

  3. es isch so wunderschön gsi … ich ha mitglacht, klatscht, gsunge und mängisch hets mi au zu träne grüehrt … danke viel viel mol all dene wunderbare bängg und euch telebasel ❤️

    liebi grüess usem graubünde ( heimwehbasler wo wäg dr absag vo dr fasnacht dehei bliebe isch)Report

  4. Ein grosses Danke an euch, dass ein wenig Sehnsuchtfern-Fasnacht herbei gezaubert habt und so toll gestaltet und auf die Beine gestellt habt. Der der die Idee hatte, sollte man einen Orden geben. Besonders wenn man 26 Jahre als Ausland Schwyzer und Heimweh Basler ist, ein dickes Dankeschön an das Team und Schnitzlerbäänker für das tolle Programme !!!Wir sehen uns nächst Johr persönlich an der Fasnacht, Morgenstraich vorwärts Marsch !! Gruss aus Hannover, CorinneReport

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