Die Ökonomen der Grossbank Credit Suisse senken wegen des Coronavirus ihre Konjunkturprognose 2020 für die Schweiz. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

CS-Ökonomen kürzen BIP-Prognose wegen Coronavirus

Die Ökonomen der Credit Suisse senken wegen des Coronavirus ihre Konjunkturprognose 2020 für die Schweiz. Sie erwarten neu ein Wachstum des BIP von 1,0 Prozent.

Zuvor waren sie noch von einem Wachstum von 1,4 Prozent ausgegangen. Die Senkung hatten sie bereits angekündigt. Grund ist die Coronavirus-Pandemie. Der Ausblick für 2020 sei nun «weniger angenehm, beziehungsweise sehr unsicher», hatte Credit Suisse-Ökonom Claude Maurer am Dienstag gesagt.

Geht es nach der Credit Suisse, so soll die Eidgenossenschaft in den nun folgenden Monaten von ihren Erfahrungen aus der Finanzkrise profitieren, wie es in einem Kommentar der Bank heisst. Insbesondere die Kurzarbeit sollte die bevorzugte Handlungsoption der Politik sein, um die erste Schockwelle abzuschwächen, erklärten die CS-Ökonomen.

Die meisten Kantone hätten bereits entsprechende Richtlinien für eine Coronavirus-bedingte Kurzarbeit veröffentlicht. Firmen kämen etwa dann für diese Massnahme in Frage, wenn sie auf behördliche Anordnungen hin ihren Betrieb einstellen müssten oder mit importbedingten Lieferengpässen konfrontiert seien.

Kürzere Registrierungsfrist

Auch im Falle einer exportbedingten Nachfrageschwäche oder wenn die Kunden aus Angst vor einer Ansteckung den Geschäften fernblieben, biete sich die Massnahme der Kurzarbeit an. Sollten die wirtschaftlichen Probleme länger anhalten, so sei es gar denkbar, die Registrierungsfrist für die Kurzarbeit von drei Tagen auf einen Tag zu verkürzen, hiess es weiter.

Während Kurzarbeit in der Vergangenheit vor allem in zyklischen Branchen wie der Industrie eingeführt worden sei, dürfte der Coronavirus-Schock gemäss der CS nun auch den heimischen Dienstleistungssektor betreffen. Vor allem das Gastgewerbe, die Reiseveranstalter, der Detailhandel oder die Unterhaltungsindustrie könnten mit einem Nachfrageeinbruch konfrontiert sein.

Der Bedarf an Kurzarbeit werde vor allem in diesen Sektoren entstehen. Die bisher bei den kantonalen Dienststellen registrierten Anträge und virenbezogenen Anfragen würden diese Einschätzung bestätigen, hielten die CS-Ökonomen fest.

Verzicht auf «aktive fiskalische Anreize»

Im Gegensatz zu Massnahmen wie Kurzarbeit sei der Erfolg von „aktiven fiskalischen Anreizen“ und staatlichen Interventionen in Krisensituationen in kleinen, offenen Volkswirtschaften wie der Schweiz eher beschränkt, hiess es weiter. Die CS-Experten sprechen sich daher gegen entsprechende Massnahmen von Regierungsseite her aus.

«Ein beträchtlicher Teil der zusätzlichen öffentlichen Ausgaben würde aus dem Land fliessen, wodurch die tatsächliche Wirkung auf die Binnennachfrage verringert würde», hiess es. Im Gegensatz dazu seien «automatische Stabilisatoren» wie die Kurzarbeit oder auch die Arbeitslosenversicherung genau dort am Werk, wo der Schock die Wirtschaft treffe.

Am Donnerstag hatte etwa die italienische Regierung angekündigt, eine Milliarden-Summe in die Hand nehmen zu wollen, um die Folgen des Coronavirus für die heimische Wirtschaft abzufedern. Im südlichen Nachbarland der Schweiz sollen Steuergutschriften für Firmen, deren Umsatz eingebrochen ist, die Not der Wirtschaft lindern. Auch Steuersenkungen und zusätzliche Mittel für das Gesundheitssystem sind geplant.

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