«Retten, was es noch zu retten gibt»: Wildwäggsel (BSG) bei ihrem Telebasel-Auftritt. (Bild: Screenshot Telebasel)
Basel

«Wir sind wie das Orchester der Titanic – Volksseelen-Beruhiger»

Wegen des Coronavirus' wurden auch alle Beizenauftritte der Schnitzelbängg abgesagt. Im Telebasel-Studio herrschte während der Aufnahmen eine seltsame Stimmung.

Drei Kameras, ein Podest. Dahinter ein schwarzer Vorhang. Beinahe lautlos schritt Bangg für Bangg die letzten drei Tage in die Katakomben von Telebasel, um zu retten, was noch zu retten war. Ein Jahr Arbeit für zehn Minuten singen vor leeren Rängen. «Wir sind wie das Orchester der Titanic und beruhigen die Volksseele», gaben Wildwäggsel mit einem eher aufgesetzten Lachen zu Protokoll.

Geschunden wurde sie, die fasnächtliche Seele. Einige Fasnächtler konnten sich an den «drey scheenschte Dääg» ein bisschen buntes Treiben nicht nehmen lassen. So wurde etwa ein Waggis vor den Augen der untätigen Polizei sinnbildlich beerdigt, ein einsamer Pfeifer stimmte den Läggerli-Marsch im Rhein an oder Kinder streuten ein paar wenige Räppli auf die fast leeren Strassen.

«Wir warteten auf die Lacher»

Die heimlichen Stars der Fasnacht wurden aber gänzlich vom (nicht-) fasnächtlichen Betrieb ausgeschlossen. Die Cliquen-Keller blieben zu. Fasnachts-Veranstaltungen wurden abgesagt. Das Bad in der Menge wurde den Schnitzelbängglern untersagt. Als einziger offiziell erlaubter Auftritt blieb den Bängg die TV-Aufzeichnung bei Telebasel. Ein ungewöhnliches Novum.

«Es war so ruhig und man hörte das Rascheln der Helgen – und die Lacher fehlten», sagte Frau Länzli nach ihrem Studio-Auftritt. Ein Feedback, welches von allen Bängg zu hören war – Ruhe und fehlende Interaktion, nur drei Linsen verfolgten das Geschehen. «Wir hörten und spürten das Publikum einfach nicht», sagten auch die Batallioonsglunggi nach ihrem Auftritt.

Kaputte Fasnacht

«Ein völliger Blödsinn», «beinahe peinlich» oder «es ist schon traurig», kommentierten viele User auf Facebook die gewöhnungsbedürftige Bängg-Ausstrahlung bei Telebasel.

Gewöhnungsbedürftig? Sicher. Aber: «Wir fanden es gut, wurden keine Lacher reingeschnitten. So ist es eben, wie es ist», sagen die Gryysel. «Es war, wie eine kaputte Fasnacht eben ist», ergänzt Frau Länzli. Und «wahrscheinlich passt es zum gegebenen Rahmen», doppelt d Schuggerei nach.

Trotzdem schwang bei allen Bängg auch nach den Aufnahmen etwas Wehmut mit. «Alleine vor dem TV sitzen und laut herauslachen, ist schon etwas schwierig», ergänzen die Batallioonsglunggi.

Ungewohnte Umgebung: Bildsteerig bereiten sich auf ihren Auftritt im Telebasel-Studio vor. (Bild: Telebasel)

«Wir wollten so wenigstens ein Stück Fasnacht in die Welt bringen», erklären die Batallioonsglunggi dann ihre Motivation, vor leeren Rängen ihr Bestes zu geben. «Mehr ist es nicht mehr. Ausser die Bängg zu archivieren», meinen auch Wildwäggsel.

Warten auf die Fasnacht 2021

Natürlich. Alle Bängg wären gerne in der gewohnten Beizen-Umgebung aufgetreten. Die so wichtige Interaktion mit dem Publikum fehlte allen Bängg. Aber auch dem Publikum. Ändern konnte das in diesem Jahr niemand. Die Fasnacht wurde zur Nicht-Fasnacht. Auch für die Schnitzelbängg – trotz ihres Telebasel-Auftritts. 

«Gibt es noch einen Bangg-Überfall?», war im Vorraum des Studios nach der letzten Aufzeichnung mehr ironisch als ernst gemeint noch zu hören. Dann verabschiedete sich der letzte Bangg aus der sterilen Fasnachtsumgebung im vierten Untergeschoss von Telebasel. Was bleibt, sind die Verse der Bängg 2020. Konserviert für die Ewigkeit. Zwar ohne Lacher, aber mit viel Fasnachtsherzblut.

Die Schnitzelbängg vom Montagabend, vom Dienstagabend und vom Mittwochabend.

5 Kommentare

  1. Ich wohne in der Zentralschweiz. Aber mir gefällt die Basler Fasnacht viel viel besser als die Luzerner.
    Die Schnitzelbänke haben Ihr bestes gegeben. Es war lustig, auch ohne Publikum.
    Es wäre schade gewesen, diese nicht zu hören.
    Schade haben nicht alle mitgemacht.
    Vielen Dank für eure Sprüche. Solche schöne Verse und Sprüche können nur sehr intelligente Leute vortragen.
    Vielen Dank nochmals.
    ManuelReport

  2. Ich finde es mutig, dass so viele Schnitzelbängg diesen „Auftritt“ bei Telebasel gewagt haben. Ich stelle mir das Bängglen in dieser sterilen Situation sehr viel schwieriger vor als in der Beiz mit gut gelauntem Publikum! Es war tatsächlich auch sehr speziell zum Zuhören. Aber es war das Beste aus einer miesen Situation gemacht. Toll, dass Telebasel das ermöglicht hat!! Mir hat es trotz allem gefallen!!!Report

  3. Auch ich sage ein herzliches Danke schön an die Bänkler. Es war einen Versuch wert. Aber wie von Ihnen gesagt, es fehlte die Reaktion des Publikums. Aber auch ein grosser Dank an Telebasel, die das ermöglicht haben. Super flexibel reagiert und organisiert. Lieber Gruss an Alle von ChristineReport

  4. Wir sind, als Heimweh Basler immer vom 15. Januar bis 12. März in Teneriffa.
    Über Tele Basel geniessen wir die Fasnacht falls sie statt findet
    Wir danken allen Bänken, dass wir wenigstens ein wenig Fasnacht erleben durften. Es war trotzdem sehr schön.Report

  5. Danke liebe Bängg dass ihr uns wenigstens ein bisschen Fasnacht in unsere vier Wände gebracht habt. Klar ist es nicht zu vergleichen mit den sonstigen Live-Auftritten vor Publikum, aber trotzdem hat es das Herz mit Fasnachtsstimmung erfüllt. Nächstes Jahr werden wir dafür umso mehr Fasnacht feiern und dankbar sein, dass es überhaupt möglich ist. Wir haben ja gesehen, dass sogar eines Basler Fasnacht nicht selbstverständlich ist. Nochmals herzlichen Dank euch allen und bis zum nächsten Jahr alles Gute. Möge euch und euren Liebsten der Coronavirus so fern wie möglich bleiben. S.D.Report

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