Nach der Absage der Fasnachten in Basel und der Region sitzen viele Cliquen auf grossen Mengen an Orangen und anderem Gut. (Screenshot: WOP-Shop/Facebook)
Basel

Wohin mit all den Orangen?

Die Fasnacht ist abgesagt. Übrig bleiben riesige Mengen Material. Diese sollen nun gespendet werden – doch die Cliquen haben Mühe, genügend Abnehmer zu finden.

Das Unvorstellbare ist geschehen: Die Basler Fasnacht ist wegen des Coronavirus‘ abgesagt. Zahlreiche Sujets, Laternen, Kostüme, Larven und Helgen bleiben damit im Dunkeln der Cliquenkeller. Unter all den Ideen und Pointen, die nicht das Licht der Fasnachtswelt erblicken dürfen, finden sich zudem zahlreiche weitere Materialien. Orangen, Mimösli und Räppli.

Die Cliquen stehen mit der Absage der Fasnacht damit auch vor einem logistischen Problem. Was sollen sie mit all dem verderblichen Gut anfangen, dass sie für die Fasnacht organisiert hatten?

Spendenaktion gestartet

Als eine der ersten Cliquen ergriffen am Freitag die «Stadtdyfeli». Gemeinsam mit der Basler Hilfsorganisation «Be Aware And Share» (BAAS) ruft die Clique andere dazu auf, das Wurfmaterial zu spenden. Mit dem Sujet «Heb di fescht an de Läbensmittel» will die Clique all die Früchte, das Gemüse und andere Lebensmittel an Bedürftige verteilen.

«Wir nehmen am Montag und Dienstag Spenden aller Waggiswagen entgegen, diese verteilen wir direkt und sofort an soziale Institutionen, obdachlose Menschen und andere Bedürftige», kündigt der Verein an.

Die Idee zur Aktion hatte Mayke von den «Stadtdyfeli». «Wir sind dabei, mit BAAS einen Charity-Event zu planen», erzählt er. «Bastian Seehofer, der Präsident von BAAS, ist sehr gut vernetzt und kann uns bei der Aktion helfen.»

Die Idee ist eingeschlagen wie ein Blitz. «Wir hätten nicht gedacht, dass sich das so schnell und in dieser Form herumspricht», sagt Mayke. «Wir sind nun am schauen, was da auf uns zukommt.»

Die Stadtdyfeli initieren eine Spendenaktion mit den Lebensmitteln, die wegen der abgesagten Fasnacht nicht verwendet werden können. (Bild: zVg)

Zu wenig Abnehmer in der Region?

Denn trotz guter Vernetzung: Sollte die Sammelaktion am Montag und Dienstag so guten Anklang finden, wie sie es in den sozialen Medien aktuell macht, stehen die Clique und Hilfsorganisation vor einer schwierigen Planung. Helfer seien genug vorhanden, aber: «Die Resonanz ist explodiert, nun suchen wir Abnehmer für all das Material, das möglicherweise gespendet wird», erläutert Mayke.

Allgemein seien die Abnehmer in der Region vielleicht bald gesättigt. Deshalb sollen Güter auch in die restliche Schweiz verteilt werden. Beispielsweise an einen Rastplatz für Flüchtlinge im Kanton Bern.

«Wir wissen nicht, was auf uns zukommt.» Möglicherweise sei das Sammeln der Materialien eine neue Herausforderung. «Je nachdem, wie viele Leute am Montag und Dienstag zusammenkommen, müssen wir wegen der nationalen und kantonalen Auflagen schauen», sagt Mayke.

Organisiert wird die Aktion von Bastian Seehofer. Die Veranstalter der Spendenaktion rufen Organisationen, die Lebensmittel nehmen können sich unter der E-Mail-Adresse basian@baas-schweiz.ch zu melden.

400 Kilo Orangen ans UKBB

Einen Abnehmer für ihre Orangen gefunden haben derweil bereits die «Räpplifrässer». Wie Mitglied Florian Hamann gegnüber Telebasel sagt, hätte die Clique bei der Küche des Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) angefragt, ob sie ihre Früchte verwenden könnten.

«Wir haben die Bestätigung bekommen, dass wir die Orangen am Montag beim UKBB abgeben können. Das ist eine coole und schöne Möglichkeit für uns», so Hamann. Die Clique habe 400 Kilogramm Orangen, die sie nun spendet. «Die Früchte werden dann im UKBB verteilt», erzählt er. Für die Vergabe der restlichen Materialen will die Clique nochmals zusammensitzen.

15’000 Schoggi-Stängeli haben indes die Basler Branschli Buebe bestellt. Sie planen aktuell, ihre Ware anfangs kommender Woche in der Basler Innenstadt zu verteilen.

«Zum Mitnehmen» im Oberbaselbiet

Auch weitere Cliquen überlegen sich aktuell noch, was sie mit dem bestellten Material unternehmen sollen. Von Basel über das ganze Baselbiet verteilt, stehen die Cliquen vor demselben Problem.

Der WOP-Shop in Zunzgen bietet den Cliquen dabei Hilfestellung: Verderbliche Materialen müssen nicht abgeholt werden. «Alle Ware, die keinen Abnehmer findet, werden wir kommende Woche verteilen.» Die Aktion plant die Leitung des Shops entweder vor der eigenen Türe oder vor dem Gemeindeplatz in Sissach, je nachdem, ob sie von den Behörden eine Bewilligung erhält.

Im Oberbaselbiet wollen laut Berichten, die Telebasel vorliegen, verschiedene Cliquen ihre Bananen an den Zolli spenden. Auch weniger aufwendige Lösungsansätze stehen im Raum. So sollen einige Cliquen im Oberbaselbiet überlegen, ihre verderblichen Materialien mit einem Schild, auf dem «zum Mitnehmen» steht, vor die Türe zu stellen.

Wer noch keinen Abnehmer gefunden hat: Auch die Schweizer Tafel hat einen Aufruf gestartet und holt Esswaren ab, wie die Institution auf Facebook gepostet hat.

12 Kommentare

  1. Man könnte einige Dinge am Zirkus oder Tierpark und dem Zoo spenden.
    Obdachlose und weitere Bedürftige .Seniorenheime..Es wird man sicher Danken.
    Viel Glück.Report

  2. Die CH-Tafel und viele verschiedenen gemeinnützigen Organisationen können alle übrigen Lebensmittel annehmen. Bitte mit Herrn Hostettler CH-Tafel Kontakt aufnehmen. Die CH-Tafel kann diese Sachen in der ganzen Schweiz verteilen. Allein im BS und BL gibt es ca. 30 Lebensmittel-Verteilung für armutsbetroffenen Menschen, die sehr gerne diese frische Ware verteilen würden.Report

  3. Bevor die orangen verderben kann man ja aus ihnen saft machen. Aktionen starten mit beeinträchtigten personen etc und einfach orangensaft pressen als mehrwertgenerierende aktivität für alle. Und den saft verschenken oder verkaufen watt weiss ickeReport

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