Die Basler Regierung hat am Freitag Mittag ihren Entscheid begründet. (Foto: Keystone)
Basel

«Um Menschenleben pokert man nicht»

Die Absage der Fasnacht weckt Trotz und Widerspruch im Netz. Verständlich, sogar mit guten Gründen. Aber die Regierung hat trotzdem recht, findet Claude Bühler.

«Mit dem Corona-Virus kann man sich auch im Tram anstecken, findet LDP-Grossrat André Auderset. Völlig richtig. «Sogar in den Jahren des 1. und 2. Weltkriegs waren nur die öffentlichen Umzüge verboten, die «Baizefasnacht» war ausdrücklich erlaubt», meint der Redaktor von Fasnacht.ch. Genau, gute Frage: Warum werden auch die Schnitzelbangg-Abende verboten? Oder das Gässle?

Auderset begründet schlüssig. Viele stimmen ihm zu. Andere beklagen im Netz, die Regierung sei der medialen Panikmache um das Virus aufgesessen. Erinnert wird an das «Herzblut» der Fasnächtler, die tausenden Stunden der Vorbereitung, an die gegroundete Vorfreude. Und warum kann denn Lörrach die Fasnacht wie gewohnt abfeiern? Warum wird der Betrieb auf den Skipisten nicht verboten? Nicht zu vergessen die Verluste für die Gastronomie. Alles richtig. Alles wahr.

Wer übernimmt die Verantwortung?

Die Regierung ist dafür verantwortlich, alles Zweckmässige dafür zu tun, dass das Corona-Virus sich möglichst wenig ausbreitet. Möglichst wenig Menschen sollen gesundheitlich gefährdet werden. Wer mag die Verantwortung übernehmen, wenn nach der Fasnacht mehrere Menschen im Unispital isoliert werden müssen? Oder vielleicht sogar sterben? Darum gilt: Jede weitere Ansteckung ist eine persönliche Tragödie.

Unter diesen Voraussetzungen sollte die Regierung eine Veranstaltung durchwinken, die 200’000 Menschen aus dem In- und Ausland in die Stadt zieht – auch aus Italien? In denen die Beizen und Cliquenkeller mit Menschen vollgestopft sind? Wo die hygienischen Regeln im Freudentaumel und Weindusel schnell vergessen gehen? Das Regierungsgremium hat abgesagt.

Wenn die Regierung das Gässle, die Schnitzelbangg-Abende nicht auch offiziell abgesagt hätte, wäre dennoch eine Vielzahl von Menschen nach Basel gereist. Und wären die Sicherheitskräfte noch stärker belastet worden, als sie es jetzt schon sein werden, wenn sie Kostümierten in anarchischer Feierlaune erklären müssen, dass die Party abgesagt ist.

Regierung tat das Notwendige

Es ging nicht darum, zu spekulieren, ob man das «Massvolle» und «Richtige» tue. Das wäre hier ein Poker gewesen. Um Menschenleben pokert man nicht. Die Regierung hatte jetzt über die Fasnacht zu entscheiden. Sie tat das Notwendige. Es ist zu hoffen, dass die Gemeinschaft den Entscheid akzeptiert.

Die Absage ist übrigens auch schmerzhaft für Telebasel, das sich mit grossem Aufwand auf die «drey scheenschte Dääg» vorbereitet. Als Trostpflaster zeigen wir die Hightlights der Fasnacht 2019.»

6 Kommentare

  1. Jedes Joor gniesse mir an dr Fasnacht drey Daag Naarefreyheit. Rund um d’Uhr khönne mir uns an dr Fasnacht erlaabe wies unser Härz begeert. An dr Schneefasnacht het dr Kanton alli Hebel in Bewegig gsetzt um unseri Innerstadt in kürzischter Zyt, vom Schnee z’befreie und mir drey heerlige Fasnachts-dääg hänn dörfen erläbe. Es isch für mi en Ehersach, als Fasnächtlere, uss gegäbäne Gründ uff d’Fasnacht (mit dräänendäm Härz) z’verzichte.Report

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