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Medienkonferenz vom 28. Februar 2020. (Video: Telebasel)
Basel

«Alle Fasnachts-Veranstaltungen sind untersagt»

Die Basler Fasnacht wird nicht stattfinden. Der Regierungsrat informierte am Freitagmittag über die Absage.

Schock für die Fasnachtswelt: Der Bundesrat sagt alle Grossanlässe ab. Alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen sind ab sofort und bis mindestens am 15. März in der Schweiz verboten. Der Bundesrat fällte diesen Entscheid am Freitag wegen der Coronavirus-Epidemie. Betroffen ist davon auch die Basler Fasnacht.

«Das ist ein schwerer Schritt für uns»

Regierungsratspräsidentin Elisabeth Ackermann sagt an der Pressekonferenz des Kantons: «Es ist klar, dass wir unter diesen Umständen die Fasnacht absagen müssen. Das ist ein schwerer Schritt für uns». Regierungsrat Lukas Engelberger fügt an: «Es wäre nicht verantwortlich unter diesen Umständen die Fasnacht stattfinden zu lassen. Es wäre mit der Regelung des Bundesrates auch nicht zulässig».

Engelberger zeigt sich wie Ackermann gerührt. «Der Entscheid fällt uns sehr schwer. Wir verstehen die Enttäuschung, die das auslöst». Auch in seiner Familie habe man sich sehr auf die Fasnacht gefreut. Eines seiner Kinder hätte das erste Mal mittrommeln dürfen. «Wir bitten alle, diesen Entscheid mitzutragen.»

«Sämtliche Veranstaltungen im Rahmen der Fasnacht 2020 sind untersagt», so der Regierungsrat weiter. Der Regierungsrat hatte am Donnerstagabend eine kurze Konsultation mit dem Bundesrat. «Es gilt, eine Verbreitung des Virus zu vermeiden», so Engelberger.

«Das Licht wird am Morgenstraich nicht abgestellt»

«Das normale Recht gilt. Sämtliche Sonderzulassungen für die Fasnacht sind ausser Kraft», so Regierungsrat Baschi Dürr. Es seien die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler, die das durchsetzen. Die Eingrenzung der Pandemie könne nur stattfinden, wenn die Fasnächtler mitmachen. Er bittet die Betroffenen, sich an den Entscheid zu halten. «Die Fasnacht 2020 findet nicht statt», betont Dürr.

«Die Regelung steht und fällt mit den Leuten, die sich daran halten. Wir bitten die Menschen, keine Fasnacht zu machen», so Dürr. Wegen möglichen Übertretungen des Gesetztes könne man sich strafbar machen, wenn man am Montag in der Nacht beispielsweise  den Wallisermarsch trommele, da die Sonderregelungen wieder ausser Kraft sind. Die Polizei und das Sicherheitsdepartement sind ebenfalls auf den Strassen unterwegs. «Wir halten an, keine Fasnacht zu machen. Egal unter welchen Umständen.»

«Es gibt keinen Cortège, keine Laternenausstellung. Das Licht wird am Morgenstraich nicht abgestellt», so Pia Inderbitzin, Präsidentin des Fasnachts-Comités. Das Comité hat wegen des Coronavirus sämtliche von ihr organisierten Veranstaltungen abgesagt. Das falle ihr schwer. «Wir bitten alle, sich an die Weisungen der Regierung zu halten.» Über eine allfällige Verschiebung oder ein Nachholen der Fasnacht gibt es noch keine Angaben. «Wir sind im Moment etwas überfordert», so Inderbitzin. Sie bittet um Zeit, solche allfälligen Schritte anschauen zu können. Dürr betont: «Die Fasnacht findet nicht statt».

«Dieser Schritt fällt uns schwer», sagen die Verantwortlichen an der Pressekonferenz. (Bild: Keystone)

«Dümmste aller Veranstaltungen»

Es sei blöd, dass es nun die Fasnacht treffe: «Es trifft die dümmste aller Veranstaltungen. Es ist berechtigt, für das, was es ist. Und wir setzen das um», so Engelberger. «In einer Grossveranstaltung kann man nicht nachvollziehen, wer wen angesteckt hat», erläutert Ackermann die fachliche Begründung, weshalb Grossanlässe abgesagt werden.

«Es ist bewusst, dass die Enttäuschung bei den Fasnächtlern gross ist», so Ackermann. «Auch in meiner Familie gibt es Mitglieder, die sehr enttäuscht sind. Es braucht einen gemeinsamen Effort der Gesellschaft, sich dem Coronavirus entgegen zu stellen. In Eigenverantwortung und Solidarität.»

Dritter Bummelsonntag nicht betroffen

Der dritte Bummelsonntag ist aktuell noch nicht betroffen, bestätigt Dürr. Bis zum 15. März sind bislang Grossveranstaltungen abgesagt. «Es ist unter den aktuellen Umständen nicht zu verantworten, die Fasnacht durchzuführen», so Engelberger. Eine Journalistin fragt nach von Cliquen einzelnen organisierten Events. Engelberger betont: «Es sind alle Fasnachtsveranstaltungen, die untersagt sind.»

Der Regierungsrat stellt im Internet eine Coronavirus-Informations- Plattform zu Verfügung. Conradin Cramer informiert weiter über die Erziehungseinrichtungen. «Die Schule Neumatten in Riehen ist geschlossen, sämtliche restliche Kinderstagesstätten sind normal offen.» In der Schule Neumatten arbeitet die Basler Coronavrius-Patientin, die aktuell im Unispital Basel liegt. Rund 100 Kinder sind in Quarantäne. Cramer geht davon aus, dass die Schulen ab 9. März normal wieder offen sind und an der Uni Basel ab Donnerstag wieder Vorlesungen stattfinden.

«Es ist davon auszugehen, dass wir weitere Coronavirus-Fälle haben werden», so Engelberger. «Wir sind aber zuversichtlich, den Herausforderungen begegnen zu können. Wir haben ein Auge auf die Situation und werden sie laufend informieren. Auch mit Schulen ist man in Kontakt.»

Engelberger appelliert nochmals, die Hygieneweisungen – wie regelmässiges Händewaschen – zu beachten. «Jüngere Menschen sind von milderen Verläufen betroffen. Bei älteren Personen verläuft die Krankheit schwer bis lebensbedrohlich.» Bei Verdacht auf Coronavirus sollen Betroffene mit den Krankenhäusern telefonieren, bevor sie dorthin gehen. Auf keinen Fall sollen Betroffene die ÖV nehmen. «Es gilt, eine unkontrollierte Vermehrung des Coronavirus zu verhindern.»

Absagen im Sport

Betroffen davon neben der Basler Fasnacht sind der Chienbäse und der Sport, insbesondere die oberen Ligen im Fussball und Eishockey. Im Fussball wurden sämtliche Super-League-Partien abgesagt.

Besonders unter Zugzwang ist der Eishockeyverband. In der National League stehen am Freitag und Samstag die letzten beiden Runden der Qualifikation im Programm, in denen die letzten Playoff-Plätze vergeben werden. Der Start der Playoff-Viertelfinals ist auf den 7. März angesetzt. Hier finden nun Geisterspiele statt.

Beizer sorgen sich wegen Verlusten

Der Wirteverband fordert ein Entlastungs- und Unterstützungsprogramm wegen der abgesagten Fasnacht. «Der Wirteverband Basel-Stadt ist tief besorgt über die wirtschaftlichen Auswirkungen. Er fordert Überbrückungshilfen und die Entlastung von KMU», wie er in einer Mitteilung schreibt.

Die Fasnacht sei für viele Gastbetriebe in Basel enorm wichtig. Restaurants und Bars machen an den drei Tagen im Schnitt so viel Umsatz wie sonst in anderthalb oder zwei Wochen. In Einzelfällen sei die Abhängigkeit von der Fasnacht sogar noch grösser.

Da die Absage kurfristig erfolgt sei, sei es vielerorts zu spät, um die Kosten zurückzufahren. «Lebensmittel wurden bereits bestellt oder sogar zubereitet, zusätzliches Personal wurde aufgeboten und Werbung geschaltet», wie der Verband weiter mitteilt. Die Angst vor dem Coronavirus könnte zu weiteren Einbussen – auch bei kleineren Veranstaltern – führen, sorft sich der Verband.

«Wir befürchten, dass vor allem ältere Gäste für einige Zeit Restaurants meiden werden», sagt Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt. Der Verband führt an, dass es vielen Betreibern und Zulieferern schwerfallen könnte, in den nächsten Wochen und Monaten liquide zu bleiben. Der Wirteverband will das Gespräch mit der Regierung suchen.

«Viele Betriebe erleiden happige Verluste und geraten in Liquiditätsschwierigkeiten. Es braucht jetzt unbürokratische Überbrückungshilfen sowie ein Entlastungs- und Unterstützungsprogramm für KMU», so Ebneter.

7 Kommentare

  1. Fpr alle Fasnachttsfreunde in Basel. . In Weil am Rhein und Hauingen findet an Sonntag offiziell die Buurefasbacht statt Eine etwas andere Fasnacht und immer ein Besuch wert.Report

  2. Dann können ja allle mit den ÖV zur Arbeit ins Grossraumbüro und Fabriken zusammen arbeiten gehen. Seltsam, Hier redet niemand von Ansteckungsgefahr.Report

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