(Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Schweizer zahlen 280 Franken pro Jahr zu viel

Die Schweiz gilt als Hochpreisinsel. Pro Jahr verliert die Volkswirtschaft dadurch 15 Milliarden Franken. Jeder Schweizer könnte jährlich 280 Franken sparen.

Nach Angaben der Verfechter der Fair-Preis-Initiative entgehen der Schweizer Volkswirtschaft dadurch jedes Jahr Milliardenbeträge. Die Initianten stützen sich dabei auf eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

KMU, das Gewerbe oder etwa Spitäler sowie Konsumentinnen und Konsumenten seien gezwungen, für importierte Waren und Dienstleistungen einen Schweiz-Zuschlag zu bezahlen, erklärten die Initianten am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bern mit.

Ausländische Hersteller und Händler weigerten sich, Nachfrager aus der Schweiz direkt zu beliefern und verwiesen diese stattdessen auf ihre Niederlassungen oder Webportale in der Schweiz. Dort würden überhöhte Preise verlangt.

Riesiger Verlust für Volkswirtschaft

Im Auftrag des Vereins «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» analysierte die FHNW unter der Leitung von Matthias Binswanger Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem Ausland. Der Fokus lag auf den Branchen Gesundheitswesen, Gastronomie sowie Forschung und Bildung. Im Konsumgüterbereich wurden Mode, Kosmetika, Kontaktlinsen sowie Babynahrung und Windeln untersucht.

Alleine in diesen analysierten Bereichen entgehen der Schweizer Volkswirtschaft laut der Studie 3,33 Milliarden Franken pro Jahr. Jede Schweizerinnen und jeder Schweizer könnten also mindestens 280 Franken jährlich sparen. Der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm schätze den Verlust für die gesamte Volkswirtschaft auf rund 15 Milliarden Franken pro Jahr.

Grösstes Sparpotential bei Bekleidung

Die Hotellerie und die Gastronomie sind stark betroffen. So bezahlt das Gastgewerbe laut Studie für Geräte, Hilfsmittel und nicht-alkoholische Getränke jährlich rund 290 Millionen Franken zu viel.

Spitälern entstehen durch die fehlende Beschaffungsfreiheit hohe Mehrkosten. Gemäss der Studie beträgt das Sparpotential 600 Millionen Franken pro Jahr. Das grösste Sparpotential für Konsumenten besteht bei Bekleidung. Im Durchschnitt kosten Kleidungsstücke in der Schweiz 20 Prozent mehr als in Deutschland. Nach Hochrechnungen entgehen der Schweiz insgesamt alleine für Kleider jährlich 1,9 Milliarden Franken.

Nationalrat berät Initiative anfangs März

Aus Sicht von Binswanger muss es für Unternehmen, öffentliche Einrichtungen sowie Konsumentinnen und Konsumenten möglich werden, im Ausland zu den dort angebotenen Marktpreisen einzukaufen und das individuelle Einsparpotential auszuschöpfen. Heute gehe das nicht. Eine Kartellgesetzänderung würde den Druck auf ausländische Hersteller und Händler erhöhen, Bestellungen im Ausland zu erleichtern, hiess es.

Die eidgenössische Volksinitiative «Stop der Hochpreisinsel – für faire Preise» fordert von der Politik «griffige Instrumente gegen die ungerechtfertigten Schweiz-Zuschläge». Der Nationalrat berät die Initiative am 9. März.

4 Kommentare

  1. O.k., die Schweiz ist eine Hochpreisinsel. Sie ist aber auch eine Hochlohninsel!

    Eine 4-köpfige Schweizer Familie bezahlt also gemäss Angaben der Fair-Preis-Initianten jährlich gut 1000 CHF zu viel. Das durchschnittliche Jahreseinkommen einer Schweizer Familie liegt jedoch um rund 10’000 CHF höher als in unserem nördlichen Nachbarland.

    Frage: Wären denn jene, die nach tieferen Preisen in unserem Land rufen, im Gegenzug bereit, ihre Löhne auf das Niveau unserer Nachbarländer zu reduzieren?Report

  2. Es würde langsam Zeit, dass Bundesbern endlich mal was unternimmt. Aber vielleicht wollen die gar nicht? Vielleicht haben verschiedene Lobbyisten diese Damen und Herren im Griff?Report

  3. Ich verstehe die diesbezügliche Politik sowieso nicht. Wenn ich nur denke was der Schweizer Wirtschaft, durch die Einkäufe in Deutschland so entgeht, kann ich nicht nachvollziehen was diese Preispolitik bringen bringen soll. Nämlich nur einen riesen Verlust für die Schweizer Unternehmen. Der Staat will immer mehr für sich. Wenn dies ebenso der Schweizer Bevölkerung zugute käme, wäre ja alles in Ordnung. Jedoch können es sich mittlerweile nur noch die besser gestellten leisten, in der Schweiz einzukaufen. Die Erwerbstätigen die nur ein geringes Einkommen erzielen, können es sich schlichtweg nicht leisten, alle Einkäufe in der Schweiz zu tätigen. Mich würde mal interessieren was das bringen soll, wenn der grösste Teil der Schweizer Bevölkerung, ihre lebensnotwendigen Lebensmittel in Deutschland einkaufen. Aber mir kommt langsam aber sicher der Gedanke auf, dass es da eine Lobby gibt, die dabei kräftig mitverdient. Sollte doch meiner Meinung nach unserer Regierung daran gelegen sein, dass es der Bevölkerung entsprechend gut geht. Jedoch kommt bei mir langsam aber sicher das Gefühl auf, dass es unserer Regierung nur noch um selbstprofilierei geht und gar nicht mehr darum, dass es dem Volk möglichst gut geht. Vielleicht sollte man diesbezüglich mal über die Bücher gehn und evtl. etwas ändern….Report

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