In Reinach herrschte buntes Fasnachtstreiben. (Bild: Baz, Kostas Maros)
Baselland

Den Reinachern platzte ob dem Superwahljahr der Kragen

Grinsende Politiker, steigende Temperaturen, und ganz viel giftige Sprüche: Das war der Fasnachtsumzug in Reinach.

Die Baselbieter sind wahrlich nicht zu beneiden. Sie mussten in den vergangenen zwölf Monaten drei Wahlsonntage über sich ergehen lassen — kantonal, eidgenössisch und kommunal. Und das bedeutet: Unablässig grinsten zwischen Schönenbuch und Ammel irgendwelche Politiker von den Plakatwänden und weibelten mit abgelutschten Floskeln um die Gunst der Wähler.

Den Behämerte platzte ob diesem Superwahljahr der Kragen: «Jetzt mol im Ärnscht, ihr liebe Lüt, mir halte vo de Wahle nüt», stellte die Reinacher Wagenclique klar. Sie störte sich vor allem an der Plakatflut, die das Baselbiet überschwemmte:

Isch öber für e politisch Amt parat,

druckt är si Schnuure ufs Plakat

no zwei, drei Sprüch, wo alli checke

scho hängt sis Gsicht an alle Ecke.

Die «Behämerte» waren eine von 68 Formationen, die am Samstagnachmittag durch das Reinacher Ortszentrum zogen. Der Fasnachtsumzug in der «Stadt vor der Stadt» zieht traditionell viel Volk an, so auch in diesem Jahr, zumal sich der Klimawandel wieder einmal von seiner positiven Seite zeigte: T-Shirt-Wetter im Februar.

Gewerbehalle und «Gifthüttli»

Apropos Klima: Statt zusammen mit der Klimajugend in depressive Endzeitstimmung zu verfallen, feierten Die Andärä die Erderwärmung als Gewinn an Lebensqualität. In Hawaiihemden gekleidet, rollte die Aescher Clique auf einer Strandbar durch Reinach. Auf ihrem Wagen prangte die provokative Frage, ob der Klimawandel allenfalls nicht doch «e cooli Sach» sei.

Weniger «cool» fanden die Unterbaselbieter Fasnächtler die Tatsache, dass in einer Zwingener Gewerbehalle im letzten Sommer eine (zu) hohe Konzentration von Quecksilber gemessen wurde. Die Halle, die diverse Cliquen als Materiallager nutzen, wurde daraufhin von den Behörden geschlossen.

Gleich mehrere Formationen spielten das Zwingener «Gifthüttli» als Sujet aus, so zum Beispiel die Räppli-Speutzer, die vorsichtshalber mit Gasmasken zum Umzug erschienen. Dabei konnte die Wagenclique dem Quecksilber-Alarm auch etwas Gutes abgewinnen, denn dadurch gerate das lange vernachlässigte Laufental nun auch in das Blickfeld einer berühmten Schwedin:

Das me z Zwinge het Gift im Bode glo,

isch z Schwede öberem z Ohre kho.

S Greta lot kurzer Hand verlute,

«S Laufetal liggt jetzt uf minere Rute».

Die Poker Waggis dichteten derweil:

Wär in Zwinge dr Waage baut,

het d Lunge scho versaut.

Ob dies als Rechtfertigung für ungeniertes Rauchen zu verstehen ist?

D’Chatzebuggler warnten davor, wegen all der Schadstoffe und Viren, die derzeit auf dem Globus kursieren, in unnötige Panik zu verfallen, denn:

Quäcksilber, Coronavirus, s’isch doch alles s gliiche —

nach dr Fasnacht sin mir eh alli Alkoholliiche!

Und auch die Dätschmaischter, die von ihrem Wagen aus Getränke ausschenkten, beschwichtigten:

Bi uns muesch kai Angst vor em Corona ha,

mir biete nume Heineken ah!

Die Banane an der Wand

Dass nicht nur die Politik, sondern auch der Kunstmarkt Steilvorlagen für bissige Sujets liefern kann, bewiesen dieses Jahr die Helvetia Schnägge. Unter dem Motto «Kunscht isch Banane» nahm die Wagenclique ein Ereignis aufs Korn, das letztes Jahr an einem Ableger der Art Basel in Miami Beach für Schlagzeilen sorgte: Ein Künstler hatte eine Banane an die Wand geklebt und dieses «Kunstwerk» für 120’000 Dollar verkauft.

Die «Helvetia Schnägge» verstanden offenbar die Welt nicht mehr:

Kläbsch einere dini Banane ins Gsicht,

seid me du sigsch nid ganz dicht.

Duesch aber e Banane an e Wand kläbe,

seid me das sigg’s Künschtlerlebe.

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