Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Betirag vom 21. Februar 2020.
Basel

SP-Rechsteiner jubelt über Fessenheim-Abschaltung

Am Samstag wird der erste von zwei Reaktoren im elsässischen Fessenheim abgeschaltet. Für den AKW-Gegner und Alt SP-Grossrat Rudolf Rechsteiner eine Freude.

Nur 40 Kilometer entfernt von Basel steht es, das Kernkraftwerk Fessenheim. Oder, korrekter, steht es noch. Am Samstag wird der eine von beiden Reaktoren abgeschaltet. Im Sommer geht dann der zweite vom Netz. Ein Gegner der ersten Stunde des AKWs, das seit rund 43 Jahren existiert, ist Rudolf Rechsteiner.

Für den Alt Gross- und Nationalrat der SP sowie AKW-Gegner ein Grund zum Feiern. «Es ist ein kleines Wunder, und ich bin dem französischen Präsidenten dankbar», sagt Rechsteiner. Denn: Eigentlich sollte das AKW 2016 bereits abgebaut werden. Doch dann wurde 2018 darauf, dann wieder 2020. Deswegen sei man bei der Ankündigung, dass 2020 Nägel mit Köpfen gemacht werden soll, auch zuerst skeptisch gewesen.

Im kommenden Sommer wird das AKW Fessenheim ganz vom Netz genommen. (Bild: Keystone)

Mit 16 ging es los

«Wir waren sehr vorsichtig, doch nun ist es definitiv», führt der Vize-Chef des Trinationaler Atomschutzverbands aus. Politisiert wurde Rechsteiner beim Protest gegen das geplante Kernkraftwerk Kaiseraugst in den 70er Jahren. Mit 16 Jahren habe er sich an den Protesten beteiligt. Die Frage nach sauberen Strom beschäftigt Rechsteiner noch heute.

«Das war mein Greta-Moment», sagt Rechsteiner, der im Verwaltungsrat der IWB sitzt. Wenig überraschend, begrüsst er die Klimabwegung. Rechsteiner: «Das macht mir wahnsinnig Hoffnung.» Die Klimabewegung habe mehr bewegt als alle anderen. Die Jungen hätten bemerkt, dass es nun um «die Wurst geht».

Erdbebengebiet als Hauptgrund

Doch zurück nach Fessenheim. Der Aktivismus gegen das nahe Kraftwerk sei nicht immer einfach gewesen. Mehr als einmal scheiterte Rechsteiner und seine Mitstreiter vor Gericht. Doch was ist der Grund für den Kampf?

In erster Linie die Lage, wie Rechsteiner erklärt. Erdbeben seinen in der Region möglich, das Kraftwerk aber nicht wirklich dafür gesichert. Rechsteiner sagt: «Basel wird ab Samstag etwas sicherer, ganz sicher aber erst im Sommer». Wenn der zweite Reaktor abgeschalten wird.

Rudolf Rechsteiner kämpfte während Jahrzehnten gegen das AKW Fessenheim. (Bild: Keystone)

«Historischer Schritt»

Die französische Energieministerin Elisabeth Borne nennt die Abschaltung einen «historischen Schritt»: Erstmals wird einer der bislang 58 Reaktoren des Landes endgültig vom Netz genommen. Ursprünglich hatte die französische Regierung das Aus für das AKW Fessenheim bereits für Ende 2016 versprochen. Präsident Emmanuel Macron setzt den Plan nun um.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze betonte: «Wir werden nicht nachlassen, auch bei unseren Nachbarländern für eine Abkehr von der Atomkraft zu werben.» Diese sei kein Klimaretter, sondern «riskant, teuer und hinterlässt radioaktiven Abfall für tausende Generationen». Erneuerbare Energien seien die «eindeutig bessere Lösung», erklärte Schulze.

Angestellte des AKWs wütend

Einzelne Mitarbeiter des mehrheitlich staatlichen Betreibers Electricité de France (EDF) drohten in letzter Minute damit, sich der Abschaltung zu widersetzen. Für die Belegschaft sei die Abschaltung «schwer zu ertragen», sagte ein Gewerkschaftsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Nach der endgültigen Abschaltung am 30. Juni beginnt der Rückbau des Atomkraftwerks. Die Brennelemente sollen bis 2023 entfernt werden. Die Demontage des Meilers beginnt 2025 und könnte bis 2040 dauern. Deutschland und Frankreich haben vereinbart, in der Region Fessenheim einen Technologiepark zu errichten. Dafür sind Startgelder in Höhe von rund einer Million Euro vorgesehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*