Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag vom 21. Februar 2020.
Baselland

Mildere Strafe im Fall Dojo für Paulo Balicha nach Berufung

Im Kickboxer-Fall von 2014 ist es zu einem Urteil gekommen. Paulo Balicha wird zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Die Urteile im Fall einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen verfeindeten Kickboxern von 2014 in Reinach BL, sind im Berufungsverfahren vor dem Baselbieter Kantonsgericht abgemildert worden. Das Strafmass für den Hauptangeklagten wurde auf eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren heruntergesetzt.

Der Fall, der unter der Bezeichnung «Dojo» für eine Kampfsport-Übungshalle verhandelt wurde, sprengte den im Baselbiet üblichen Rahmen. Auf der Anklagebank sassen neben dem Hauptangeklagten über ein Dutzend weitere Beschuldigte, die 2014 an einem brutalen Überfall auf eine Kampfsportschule in Reinach BL beteiligt waren. Das Kantonsgericht sah sich gezwungen, sein Personal vorübergehend aufzustocken.

Gegen die Urteile des Strafgerichts von September 2018 haben mehrere der Verurteilten sowie die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Diese wurden vom Kantonsgericht am Freitag teilweise gutgeheissen, was sich in vielen Fällen strafmildernd auswirkte.

So wurde die Strafe gegen den Hauptangeklagten, der vom Gericht als Dreh- und Angelpunkt der überfallartigen Aktion bezeichnet wurde, von einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten auf eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren abgemildert.

Hart aber nicht unbedingt unfair

Das Gericht bezeichnete den Zweikampf zwischen den beiden verfeindeten Kampfsportlern zwar als brutal, aber nicht als «offensichtlich nur unfair». Schliesslich habe der Angreifer den Kampf letztlich verloren.

Dennoch habe sich der Hauptangeklagte unter anderem mit dem Aufbau einer massiven Einschüchterungs- und Drohkulisse – er war in Begleitung von mehreren maskierten und mit Holzstöcken bewaffneten Mitkämpfern erschienen – einen «unlauteren» Vorteil verschafft.

So blieb es beim Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung, was das Gericht durch ein ausführliches Gutachten eines deutschen Kampfsportverbands bestätigt sah. Der Angeklagte habe verbotene Techniken und Griffe angewandt und damit schwere Verletzungen in Kauf genommen.

Vom Tatbestand der tatsächlichen leichten Körperverletzung wurden er und mit ihm alle Angeklagten freigesprochen. Die geringfügigen Verletzungen des Opfers würden dagegen sprechen. Keinen Freispruch gab es aber bei den Tatbeständen des Angriffs, des Landfriedensbruchs und der Freiheitsberaubung.

Schliesslich wurden mit einer Ausnahme aber alle vom Strafgericht ausgesprochenen bedingten Freiheits- und Geldstrafen abgemildert. Die Berufungen der Staatsanwaltschaft wurden ebenfalls mit einer Ausnahme abgewiesen.

Abgewiesen wurden vom Gericht auch die Berufung des Angegriffenen, der als Privatkläger eine Genugtuung in fünfstelliger Höhe verlangt hatte. Die relativ geringfügigen Verletzungen liessen eine solche Summe nicht zu. Es blieb bei einer Genugtuung von 5000 Franken, die das Gericht als «grosszügig» bezeichnete.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel