Sam Keller: Seit 2008 Kapitän der Fondation Beyeler. (Bild: Keystone/Telebasel)
Basel

Kleinlich, peinlich, potenziell schädlich

Basel hat das beliebteste Kunstmuseum der Schweiz. Und der Grosse Rat verweigert ihm das nötige Geld. Eine Schande, findet Claude Bühler.

«Im vergangenen Jahr hat die Fondation Beyeler 437’000 Besuchende registriert. Mit der laufenden Hopper– und der kommenden Goya-Ausstellung dürften die Werte im 2020 ähnlich ausfallen. Direktor Sam Keller hat aber auch letztes Jahr nicht nur «Blockbuster»-Kunst gezeigt. Nach Picasso brachte er uns etwa den wenig bekannten italienischen Künstler Rudolf Stingel nahe: Ein hochinspirierendes Werk, das niemanden kalt liess, mit dem ich darüber sprach.

Die Fondation Beyeler gehört zu den ganz wenigen Häusern in unserem Land, das zwischen Masse und Elite derart virtuos und sorgfältig vermittelt – sei es mit dem Panorama des ausgestellten Werks oder mit der beispielhaften Vermittlungsarbeit. Die zuständige Grossrats-Kommission attestiert der Fondation höchste Qualitätsstandards. Dass die Fondation Beyeler im Gesamtkonzert mit dem Kunstmuseum die Kunst und die Szene belebt und Publikum in unsere Landesecke zieht, steht ausser Frage.

Kleinliche Ratsseelen

Jede Stadt wäre stolz auf dieses Haus – zu dem Basel mit knapp zwei Millionen Franken jährlich recht günstig kommt! Das Haus fährt Verluste ein. Nun hat es kleinliche Ratsseelen damit erschreckt, 500’000 Franken zusätzlich zu beantragen. Ausgerechnet die angeblich so kulturengagierte Linke schädigt ein Zentrum der Kunst und Verständigung! Man fasst es nicht. Zur Info: Ausstellungen werden immer teurer. Die Versicherungskosten für die hochkarätigen Werke werden auch nicht günstiger. Der globale Wettbewerb hat sich verschärft – in dem Basel zu einem wesentlichen Teil wegen der Fondation Beyeler überhaupt erst mitspielt!

Der peinlich kleingeistige Entscheid erinnert an die Affäre Andreas Beck. Innert weniger Saisons gelang es dem Intendanten des Theaters Basel, nicht nur die viele Jahre andauernde Basler Theaterkrise zu beenden, sondern Basel zum ersten Schauspielhaus des Landes zu machen. Unser ehemaliger Kulturminister Guy Morin (Grüne) wusste diese Leistung damit zu belohnen, dass er dem Theater Geld wegnehmen wollte, um der Kaserne mehr davon zu geben.

«Drohen mit der Subventionskeule macht kein angenehmes Klima»

Diesen Entscheid hatte man am Steinenberg gehört. Guy Morins Nachfolgerin Elisabeth Ackermann (Grüne) verpasste es in der Folge, innert nützlicher Frist den Fehlentscheid zu korrigieren und Andreas Beck darüber ins Bild zu setzen.

Folge: Er ging nach München. Der NZZ sagte er: «Drohen mit der Subventionskeule macht kein angenehmes Klima! Ich wünsche mir für meine Nachfolge von der Politik, vom Verwaltungsrat, aber auch von der Gesellschaft eine sichere Planbarkeit für das Haus. Und da wir hier in einem durchaus wohlhabenden Land leben, möchte man doch eigentlich meinen, dass dies möglich sei».

Sam Keller muss nicht in Basel arbeiten

Schon in der ersten Saison ohne Andreas Beck und seinem grossartigen Ensemble schwächelt die Performance. In Kritiken wurde bereits Zürich als neue Schauspielhauptstadt ausgerufen. Es kommt eben doch auf die konkreten Personen an!

Und damit sind wir bei Sam Keller. Wie man dem Programm und den prominenten Gästen sehr schön ansehen kann, ist der Mann weltweit vernetzt. Mit ihm setzte die Fondation Beyeler zum Höhenflug an. Keller ist noch jung. Er muss nicht in Basel arbeiten.

2 Kommentare

  1. Ich finde diese Fotomontage unsäglich. Remo Gallacchi, der hinten im Saal auf dem Grossratspräsidentenstuhl sitzt, ist längst nicht mehr Grossratspräsident. Die jetzige Grossratspräsidentin ist Salome Hofer, SP. Solche schlecht recherchierten Bilder sollten nicht vorkommen, vor allem, weil sie suggestiv wirken.Report

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