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Der Telebasel News Beitrag vom 17. Februar 2020.
Basel

Hooligan-Prozess – Zürcher Schläger verweigern Aussage

Ab Montag sitzen zwölf Hooligans im Basler Strafgericht auf der Anklagebank. Sie sollen bei der Attacke auf FCB-Fans im Mai 2018 dabei gewesen sein.
Das war's vom ersten Prozesstag

Der Angeklagte scheint, wie die meisten der anderen Angeklagten, nicht mehr reden zu wollen. Da er nichts mehr sagen möchte nutzt die Staatsanwaltschaft und die Richterin die Gunst der Stunde und verordnet eine kurze Pause bis 15:30 Uhr an.

Damit wird die heutige Telebasel Live-Berichterstattung vor Ort abgeschlossen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Verschollener Angeklagter aufgetaucht

Der Angeklagte 4 ist unerwartet am Basler Strafgericht aufgetaucht. Die Richterin sagt, dass er die Vorladung zweimal entgegengenommen habe. Er habe angekreuzt, dass er nicht an der Verhandlung teilnehmen wolle und diese dann zurück geschickt. Die Richterin erinnert den Angeklagten, dass «das Leben kein Wunschkonzert ist» und er sehr wohl teilnehmen müsse.

Die Personalien des Angeklagten werden aufgenommen. Dabei erwähnt der Nachzügler, dass er keine berufliche Ausbildung habe, er diese aber gerade nachholt. Die letzten Jahre habe er temporär gearbeitet.

Die Richterin liest wegen der Vollständigkeit nochmals die Geschehnisse des Mai-Tages vor. Dem Angeklagten wird versuchte schwere Körperverletzung, Raufhandel und Landfriedensbruch vorgeworfen. Er habe den einen Basler Angeklagten ins Gesicht getreten und lebensgefährliche Verletzungen in Kauf genommen. Der Angeklagte möchte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Er habe angegeben an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Jetzt kann er sich nicht mehr erinnern. Die Richterin zeigt ihm sein Video, worüber sich der Angeklagte lustig macht. Das könne jeder sein.

Zweiter Deutscher

Der zweite Deutsche im Hooligan-Prozess wird befragt. Auch ihm wird eine Beteiligung an der Schlägerei vorgeworfen. Er sei mitten drin gewesen und irgendwann ohnmächtig geschlagen worden. Deswegen sei er auch kurzzeitig ohnmächtig gewesen. Er gibt seine Beteiligung zu, möchte aber nicht viel mehr dazu sagen. Es könnte sein, dass er es ist im Video, sagt er. Er erkenne sich aber nicht sicher.

Angeklagter 9 hat keinen Redebedarf

Der 9. Angeklagte ist heute nicht in Plauder-Laune: Mehrfach verweigert er die Aussage. Auch seine DNA wurde festgestellt, an einem Handschuh im Kofferraum eines Autos. Weil er auch hier alle Aussagen verweigert, hat niemand offene Fragen an den Angeklagten.

Angeklagter 8

Als nächstes wird der 35-jährige befragt. Ihm wird ebenfalls Raufhandel und Landfriedensbruch vorgeworfen. Ausserdem wird ihm vorgeworfen, dass er sich ebenfalls an den tätlichen Auseinandersetzungen beteiligt habe. Er sei später Teil des Zürcher Mobs gewesen. Die Wunde am Hinterkopf musste genäht werden, ausserdem hat er sich bei den Schlägereien Verletzungen am Auge zugezogen. Auch ihm wird ein Video vorgespielt. Zuerst leugnet er, sich auf dem Video zu erkennen. Dann sagt er «doch, der bin ich». Gelächter im Saal.

Angeklagter 7: Habe nichts mit ZKH-Gruppierung zu tun

Mittlerweile wird der siebte Angeklagte befragt. Laut der Anklageschrift habe er sich nicht an allen tätlichen Auseinandersetzungen beteiligt. Während der Deliktphas 2 sei er jedoch Teil des Zürcher Pulks gewesen. Der Angeklagte behauptet zuerst, sich auf dem Video nicht zu erkennen. Mehr müsse er zu diesem Thema nicht sagen. Die Gerichtspräsidentin lässt daraufhin das Video laufen.

«Kenne diese Gruppierung nicht»

Auch bei diesem Angeklagten wurde seine DNA auf einem Zahnschutz sichergestellt. Die Richterin erwähnt einen Chatverlauf. Dazu möchte er sich ebenfalls nicht äussern. Auch er gibt an, «Zürichs kranke Horde» sage ihm gar nichts. Die Richterin spricht ihn auf seine «ZKH» Tattoowierung an.

Zweite Halbzeit im Hooligan-Prozess

Die Mittagspause ist vorbei, die Angeklagten sitzen wieder auf den Stühlen. Der Angeklagte, der nicht zur Prozesseröffnung erschienen ist, ist auch am Nachmittag nicht aufgetaucht. Die Staatsanwaltschaft fährt fort mit dem 6. Angeklagten. Auch er wird zu seiner Tat und dem -motiv befragt. Während der Schlägerei habe er seinen Zahnschutz verloren. Der Angeklagte streitet dies ab. Er behauptet zu diesem Zeitpunkt gar nicht in Basel gewesen zu sein. Wo, wisse er auch nicht mehr. Auf dem Zahnschutz wurde seine DNA gefunden. Darauf verweigert er seine Aussage. Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf weitere Fragen, da er sich nur mässig kooperativ gibt.

Mittagspause

Die Gerichtspräsidentin ordnet die Mittagspause an. Die Befragung wird um 14 Uhr fortgesetzt.

Angeklagter 4 immer noch nicht da / Angeklagter 5 gibt Tat zu

Weil der Zürcher-Hooligans bisher nicht erschienen ist, geht es weiter zum 5. Angeklagten. Dieser gibt zu an der Schlägerei beteiligt gewesen zu sein und meint sich im Video wieder zu erkennen. Er sagt aber auch, dass er sich von der Schlägerei zurück gezogen habe, als er bemerkte, dass die Basler in Überzahl waren. Beim Zürcher wurden sowohl Zahnschutz, als auch Quarzsand-Handschuhe sichergestellt. Der Angeklagte gibt zu, Mitglied der «Zürichs kranke Horde» gewesen zu sein. Er sei aber mittlerweile ausgestiegen.

«Das ganze drumherum interessiert mich nicht mehr»

Seit dem Vorfall schaue er sich die Spiele noch an, aber nicht im Stadion. «Das ganze drumherum interessiert mich nicht mehr.» Er habe Stadionverbot, davor aufhalten wolle er sich nicht.

FCB-Anhänger eher wortkarg

Der 34-jährige FCB-Anhänger gibt seine Beteiligung zu. Der einzige Basel-Anhänger erzählt wie es zur Tat kam, möchte aber auf weitere Fragen der Gerichtspräsidentin nicht eingehen. Er verweigert mehrfach seine Aussage, schaut sich das Video ruhig und kommentarlos an.

Syrier bejaht Tat

Der 25-jährige Syrier hat den schwersten Strafbestand im Prozess. Ihm wird schwere und einfache Körperverletzung vorgeworfen, aber auch Raufhandel, Drohung gegen Behörden und vieles mehr. Ihm droht sogar ein Landesverweis. Bei der Befragung hält er sich mit seinen Aussagen vage. Er bestätigt sie nicht, aber streitet sie auch nicht ganz ab. Die Tat sei bereits sehr lange her, er könne sich an vieles nicht mehr erinnern. Auch in seinem Fall wird ein Video gezeigt. Er gibt zu, die markierte Person im Video zu sein und an der Schlägerei dabei gewesen zu sein.

«Mit diesen Auflagen habe ich keine Lust ins Stadion zu gehen»

Die Gerichtspräsidentin befragt den Angeklagten zu seinen Kontakten zur Szene. Der Angeklagte hat Stadionverbot und sass wegen des Vorfalls kurzzeitig im Gefängnis. «Mit diesen Auflagen habe ich keine Lust ins Stadion zu gehen», so der 25-jährige. Er bestreitet die Gruppierung «Zürichs kranke Horde» zu kennen. Zur Erklärung: Die Hooligan-Gruppierung besteht aus Schlägern aus dem Umfeld des GC und FCZ.

Deutscher Hooligan gibt Beteiligung zu

Der erste Angeklagte gibt zu, bei der Tat dabei gewesen zu sein, verleugnet aber, eine am Boden liegende Person getreten zu haben. Er möchte keine weiteren Personen mit seiner Aussage belastet und bittet um Verständnis. Der Deutsche gibt zu wegen der Auseinandersetzung nach Basel gekommen zu sein, er habe dieses Ausmass aber nicht erwartet. Geplant sei die Tat nicht gewesen. Die Gerichtspräsidentin spricht die Videoaufnahmen an. Der Angeklagte erwidert, dass er sich auf dem Video nicht erkenne und auch die Tat nicht zu seinem Verhalten passen würde. Das Video wird den Anwesenden im Saal vorgespielt. Trotzdem bleibt der Angeklagte bei seiner Aussage: Er erkenne sich nicht und könne sich an nichts erinnern.

«Gewalt ist für mich das primitivste Dasein unserer Gesellschaft»

Der Anhänger des SC Karlsruhe hatte sich den Zürchern an jenem Mai-Abend angeschlossen. Heute sagt er, er habe seit der Tat nichts mehr mit dieser Szene zu tun. Er habe eingesehen, wie primitiv Gewalt sei. «Gewalt ist für mich das primitivste Dasein unserer Gesellschaft» und deswegen wolle er das nie, nie, nie wieder tun. Er sei vom Vorfall traumatisiert gewesen, traute sich auch nicht mehr in die Schweiz. Sein neues Leben mit seiner Frau habe ihm die Augen geöffnet.

Zu den Taten

Nach kurzer Verspätung liest die Gerichtspräsidentin Auszüge aus der Anklageschrift vor. Die Angeklagten hören mit teils gesenkten Blicken zu. Die Staatsanwaltschaft hat die Taten in drei Phasen eingeteilt.

Pause

Die Gerichtspräsidentin unterbricht die Verhandlung. Um 10.50 Uhr geht es weiter.

Verurteilte geht in Einspruch

Der 30-jährige FCB-Anhänger ist gelernter Zimmermann, arbeitet aber gerade in der sozialpädagogischen Betreuung. Der Angeklagte ist vor kurzem Vater geworden. Er wurde bereits wegen Raufhandels und Übertretung des Betäubungsmittelgesetztes verurteilt, geht aber in Berufung.

Angeklagter 11

Der 28-jährige Serbe ist Vater von zwei Kindern, lebt mit seiner Partnerin zusammen. Er arbeitet als Lastwagenchaffeur.

Ihm droht eine Verurteilung wegen mehrfachen Raufhandels und Landfriedensbruch.

Angeklagter 10

Der 31-jährige Deutsche arbeitet als Gas-Wasser-Mitarbeiter im Schichtbetrieb. Er ist verheiratet, aber kinderlos. Wegen eines Hauskaufs ist er verschuldet.

Ihm wird mehrfacher Raufhandel, Landfriedensbruch und Übertretung des kantonalen Strafgesetztes vorgeworfen.

Angeklagter 9

Der 28-jährige Zürcher hat eine Lehre als Elektroinstallateur abgeschlossen, macht gerade eine Weiterbildung. Er ist als Projektleiter angestellt. Der Angeklagte gibt an, keinen Kontakt mehr zur Szene habe.

Er ist unter anderem wegen mehrfachem Raufhandel, Landesfriedensbruch und Fahren ohne Führerschein angeklagt.

Angeklagter 8

Der 35-jährige Italiener macht gerade seine zweite Ausbildung, ist geschieden und zweifacher Familienvater. Er ist unterhaltsverpflichtet, zahlt wegen seiner Lehre aber nur einen geringen Betrag an seine Ex-Frau. Er lebt aktuell in zweiter Ehe. Der Angeklagte ist bereits hoch verschuldet, da er unter Einfluss von Alkohol und Drogen einen Autounfall verursacht hat. Deswegen besucht er regelmässig eine Suchtberatung.

Er ist wegen mehrfachen Raufhandels und Landfriedensbruch angeklagt.

Angeklagter 7

Der 31-jährige Italiener ist wegen mehrfachem Raufhandel, Landfriedensbruch und Widerhandlung gegen das Waffengesetz angeklagt.

Angeklagter 6

Der 23-jährige Zürcher arbeitet als Gebäudereiniger. Er sagt, dass er seit der Anklage keinen Kontakt mehr zur Szene habe.

Er ist wegen mehrfachem Raufhandel und Landfriedensbruch angeklagt.

Angeklagter 5

Der 36-jährige hat eine Maurerlehre angefangen, dann aber in die Logistik gewechselt. Er betont, dass er seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu dieser Szene habe und sein ganzes Umfeld ändern musste. Dies sei ihm Dank der Gewalt-Therapie, welche er nach der wüsten Strassenschlacht machte, gelungen.

Ihm wird Raufhandel, etwaiger Landfriedensbruch und Vergehen gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

Angeklagter 4

Der Angeklagte 4 ist nicht zum Prozess erschienen. Der Zürcher Hooligan soll polizeilich vorgeladen werden. Ansonsten wird sein Prozess getrennt behandelt.

Ihm wird unter anderem versuchte, schwere Körperverletzung, Raufhandel und möglicher Landfriedensbruch vorgeworfen.

Angeklagter 3

Der 24-jährige Basler ist mit seiner Mutter und Schwester aufgewachsen. Der Vater ist früh verstorben. Er hat eine Verkaufslehre abgeschlossen.

Ihm wird Raufhandel und eventualer Landfriedensbruch vorgeworfen.

Angeklagter 2

Der 25-jährige Mann ist in Syrien geboren, kam aber bereits in jungen Jahren in die Schweiz und lebt in Zürich. Er hat bisher keinen Lehrabschluss, macht nach eigenen Angaben aber gerade ein Praktikum als Planer. Sein C-Ausweis ist seit diesem August abgelaufen.

Ihm werden diverse Delikte vorgeworfen wie mehrfache, einfache und schwere Körperverletzung, Raufhandel, Beschimpfungen, Gewalt gegen Behörden und Beamte und vieles mehr.

Angeklagter 1

Die Personenbefragung beginnt: Der erste Angeklagte stammt aus Deutschland, hat eine Lehre und die Matura absolviert und schliesst in Kürze seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik ab. Er hat bereits eine Festanstellung in Aussicht. Der 24-jährige ist frisch verheiratet, schwärmt von seiner wunderschönen Ehefrau.

Ihm wird versuchte, schwere Körperverletzung vorgeworfen, was bei einer Verurteilung einen Landesverweis mit sich ziehen würde. Dies wäre sehr problematisch für ihn, da er beruflich bei einer internationalen Software-Firma arbeitet und immer wieder in die Schweiz kommen müsse.

Zwischenentscheid: Dispensation Angeklagter 4

Eine Dispensation wurde abgelehnt. Begründung: Es handelt sich um den gleichen Sachverhalt und macht daher auch Sinn, den Fall und den beschuldigten gleichzeitig zu behandeln. Angeklagter soll bis heute Nachmittag polizeilich Vorgeführt werden. Wenn er bis dann nicht erscheint, wird das Verfahren abgetrennt. Auch ein abgetrenntes Verfahren gegen den FCB-Anhänger wird nicht genehmigt.

Gefüllter Gerichtssaal

Mit knapp 20 Minuten Verspätung werden die Angeklagten in den Gerichtssaal gerufen. Der Gerichtsfall lockt viele Medienschaffende an, der Saal ist gut gefüllt. Zu Beginn werden die Personalien der Angeklagten geprüft. Der Angeklagte 4 ist nicht erschienen. Es wird eine Abtrennung vom Verfahren in Erwägung gezogen. Die Staatsanwaltschaft fordert einen Vorführungsbefehl, der Verteidiger die Dispensierung. Der Verteidiger eines weiteren Angeklagten fordert ebenfalls eine Abtrennung vom Verfahren für seinen Mandanten. Bei dem FCB-Anhänger steht ein Einspruch gegen ein bestehendes Urteil zur Debatte. Die Staatsanwaltschaft berät sich, alle müssen den Saal verlassen.

Um was geht es?

Der Telebasel News Beitrag vom 20. Mai 2018.

Am 19. Mai 2018 kam es im Anschluss an das Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Luzern zu heftigen Auseinandersetzungen. Hinter dem Joggeli entbrannte an der Birsstrasse eine Massenschlägerei mit rund 90 Personen.

Bei der Massenschlägerei handelte es sich um eine Attacke, die eiskalt durchgeplant war. Es war nicht etwa eine Auseinandersetzung zwischen Basler und Luzerner Fans, sondern zwischen gewalttätigen Anhängern des FC Zürich und des Karlsruher SC und FCB-Fans. Rund 40 Hooligans waren extra aus Karlsruhe und Zürich angereist, um Krawall zu machen.

Vom Lehenmatt-Quartier her sei der «vor Hass strotzende Zürcher Mob» in Richtung Basler Stadion marschiert, heisst es in der Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft. Bei der Eisenbahnbrücke seien sie dann auf einige FCB-Fans gestossen, die gerade ein neues Graffiti sprayen wollten. Daraufhin kam es zur Massenschlägerei.

Mutmassliche Schläger mittels Fahndung ausfindig gemacht

Laut Anklageschrift gingen die Auswärtigen dabei äusserst brutal vor. Bewusstlose Kontrahenten seien mit Fusstritten gegen den Kopf eingedeckt worden. Damit seien schwere oder gar lebensgefährliche Verletzungen in Kauf genommen worden. Die Polizei hielt mehrere Personen an und kontrollierte sie. Mit einer Fahndung konnten die Behörden zwölf Personen ausmachen, die an den Ausschreitungen beteiligt gewesen sein sollen. Die mutmasslichen Hooligans müssen nun vor Gericht.

(Video: zVg)

(Video: zVg)

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