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Der Telebasel Talk vom 11. Februar 2020 mit Katja Christ und Conradin Cramer.
Basel

Cramer vs. Christ: Streit um Lehrmittel

Katja Christ kämpft mit einer Initiative gegen die «Passepartout»-Lehrmittel. Erziehungsdirektor Conradin Cramer stellt sich ihr erstmals im TV-Streitgespräch.

Mit wuchtigen 84,8 Prozent stimmte das Baselbieter Stimmvolk im letzten November für eine beschränkte Lehrmittelfreiheit. Zielpunkt der Vorlage: Der Abschuss des umstrittenen, interkantonalen «Passepartout»-Fremdsprachenkonzept mit Lehrmitteln wie «Mille feuilles», und das darauf aufbauende «Clin d’œil».

Die Resultate sind «verheerend»

Gegen die Lehrmittel wehrt sich GLP-Nationalrätin Katja Christ seit Jahren an vorderster Front. Sie hat laut eigenen Angaben insgesamt sieben Vorstösse dagegen eingereicht. Ihr Vorwurf: Die Lehrmittel seien völlig untauglich. Sie zitiert dabei insbesondere eine Studie, die die «NZZ» so resümierte: «Doch die Resultate dieser Lernmethode sind ernüchternd, um nicht zu sagen verheerend.»

Anfangs Januar resümierte die Zeitung eine Zusammenfassung aller bisherigen Studien: «So können nur 62 Prozent der Schüler, die mit «Mille Feuilles» unterrichtet wurden, am Ende der Primarstufe einen sehr einfachen Text lesen und nach mehrmaligem Lesen auch verstehen – vorausgesetzt, Thema und Textsorte sind vertraut».

«Untaugliche Lehrmittel ersetzen»

Nachdem sich das Basler Erziehungsdepartement bislang nicht bewegte und erst auf Sommer 2020 diesbezügliche Entscheide angekündigt hat, soll nun eine Initiative nachhelfen. Die Initianten des «Mitte-Links»-Vereins (Eigenbeschrieb) Starke Schule beider Basel versprechen: «Befürworten die Stimmberechtigten diese Initiative an der Urne, so können die Lehrpersonen untaugliche Passepartout-Lehrmittel ersetzen».

Wie im Baselbiet soll die Initiative die Lehrpersonen von den «Schranken der ‹Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule›» befreien.

Erstmals stellt sich der Basler LDP-Erziehungsdirektor Conradin Cramer einem TV-Streitgespräch mit der prominentesten Basler «Mille feuilles»-Gegnerin Katja Christ.

5 Kommentare

  1. Warum eigentlich verteidigt Conradin Cramer auf Biegen und Brechen ein Konzept, das in sämtlichen Studien sowie bei der Schülerinnen-, Eltern- und Lehrerschaft durchfällt? Rational lässt sich ein solches Festklammern nicht erklären.
    Warum bezeichnet der Regierungsrat ein bewiesenermassen missratenes Konzept als “state of the art”? Mit diesem Qualitätsmerkmal müsste er dann auch den nach 14 Jahren Bauzeit noch immer nicht fertiggestellten Berliner Flughafen bezeichnen, den Airbus A380 oder Rivella Gelb.
    Warum behauptet Herr Cramer, früher hätte man Französisch nicht besser gelernt? Kennt er die Zbinden-Studie nicht, die genau dies aufzeigt? Warum sonst bat sein Vorgänger, Christoph Eymann, die Elternschaft, ihren Kindern beim Französisch zu helfen?
    Warum meint Herr Cramer, es sei ideologisch, wenn man ein verfehltes Konzept aufgibt, um sich auf das Bewährte zurückzubesinnen? Dann war es also ideologisch, als sich Daimler und Chrysler nach einer missratenen Firmenfusion wieder trennten. Ideologisch war es auch, als Siemens seine Handy-Sparte wieder abstiess. Also wenn immer eine Firma sich ihrer Wurzeln besinnt, handelt sie ideologisch?
    Warum ist der Basler Regierungsrat der Ansicht, ein neues schlechtes Konzept sei einem alten besseren vorzuziehen? Viele Computer-User waren da pragmatischer, als sie vom schlechten Betriebssystem Vista zurückwechselten auf das stabile XP. Manchmal ist Rückschritt Fortschritt. Im Falle von Passepartout ist Fortschritt Rückschritt.
    Warum verteidigt Herr Cramer eine Ideologie, die von sich behauptete, die Lernenden zum Sprechen zu bringen, um dann einzugestehen, dass ihr genau dies bis heute nicht gelingt? Mit Rationalität ist Cramers Argumentation nicht beizukommen. Ist Conradin Cramer tatsächlich der Meinung, Passepartout sei “state of the art”? Dann darf dies wohl auch von ihm behauptet werden.Report

  2. Es wird allerhöchste Zeit, dieser verkorksten Fremdsprachenideologie ein Ende zu setzen, das unseren Schülerinnen und Schülern die Motivation am Französischunterricht komplett vergällt hat! Gerne hätte ich als Mutter von 5 Kindern und Schulrätin eine längere Debatte zu diesem wichtigen Bildungsthema gesehen.
    Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, welches Lehrmittel denn jetzt in wieder so kurzer Zeit „aus dem Hut gezaubert“die Alternativ-Lösung sein soll.
    Und warum muss ein Französischlehrmittel unbedingt Schweizer Bezug haben? Sollen die Schülerinnen und Schüler nicht auch etwas über das „fremde“ Land Frankreich lernen dürfen? Dann könnte man sich auch einige der unzähligen, lang erprobten Lehrmittel von unseren europäischen Nachbarn anschauen.
    Zu viele Fragen bleiben da noch offen. Daher würde ich mich über eine Fortsetzung des Streitgesprächs Christ vs. Cramer sehr freuen!Report

  3. Der Talk war viel zu kurz. Eine halbe oder eine ganze Stunde könnte man locker damit füllen. Seit vielen Jahren weisen wir Eltern die Untauglichkeit von Mille Feuilles hin, doch Conradin Cramer und Dieter Baur sagten uns in ihrer arroganten Art immer, wir verstünden das System nicht. Zudem könnten Nicht-Pädagogen dies eh nicht recht beurteilen. Doch wem geben die Studien recht? Höchste Zeit, dass das ED vom hohen Ross runtersteigt und endlich wieder den gesunden Menschenverstand einschaltet. Danke an Katja Christ und Ihre MitstreiterInnen.Report

  4. Ich habe selber zwei schulpflichtige Kinder und bin enttäuscht, dass das ED solange untätig war. Es ist und bleibt kein Geheimnis, dass dieses Lehrmittel eine absolute Zeitverschwendung im Französischunterricht ist. Schade um die Unterrichtszeit! Lasst doch die Lehrer selber entscheiden, wie sie den Kindern das Französisch beibringen möchten!Report

  5. Ich habe mehrere Jahre auf der Sekundarstufe in Basel-Stadt mit dem Französischlehrmittel Clin d‘oeil unterrichten müssen und bin froh inzwischen in BL zu unterrichten wo ich Lehrmittelfreiheit geniesse und meinen Schüler*innen mit Freude und brauchbaren Unterlagen eine Fremdsprache vermitteln kann. Mille Feuilles/Clin d’oeil sind als Unterrichtshilfsmittel unbrauchbar und überfordern einen Grossteil der Schüler*innen komplett. Die Millionen von Steuergeldern welche für dieses unökologische Wegwerf-Lehrmittel Jahr für Jahr in den Sand gesetzt wurden und werden sind das eine. Die vielen Kinder, Jugendlichen und Lehrpersonen, die als Versuchskaninchen für dieses unsägliche Lehrmittel herhalten müssen, sind die Hauptgeschädigten. Das Basler ED hat bisher tatenlos zugesehen und die Hilferufe engagierter Lehrpersonen in keiner Weise ernst genommen. Ich kann nur hoffen, dass Frau Christ und ihr Komitee ihre Initiative mit Erfolg durchbringen. BL hat gezeigt wie es geht!Report

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