Featured Video Play Icon
International

Wenn einen die Schildkröte erschlägt

Kuriose Todesfälle interessieren – und manchmal bringen sie uns sogar zum Lachen. Weshalb ausgerechnet das Makabere so unterhaltsam ist.

Im australischen Scarness starb eine Frau, die sich bei einem Kuchenwettessen verschluckt hatte, in Frankreich wurde eine andere erwürgt, als ihr Halstuch in einer Küchenmaschine stecken blieb, ein Brasilianer wurde im Schlaf von einer Kuh, die über sein Dach spazierte, erschlagen: Die Fälle machten weltweit Schlagzeilen.

Diese Beispiele sind keine Seltenheit – kuriose Todesfälle bewegen. Sie schockieren, erstaunen und bringen Menschen oft zum Schmunzeln. Der Tod wird zum Unterhalter.

Preis für «besonders dummes» Ableben

Ein Beispiel dafür ist die Vergabe die Darwin Awards. Der Internet-Preis ehrt in unregelmässiger Abfolge die «dümmsten Arten, zu sterben». Die weitere Bedingung dabei ist, dass sich die Preisträger – im Sinne von Darwins Theorie der natürlichen Selektion – noch nicht fortgepflanzt haben.

Die Liste der Preisträger ist lang. Darauf findet sich etwa ein Wilderer, der von einem Elefanten zu Tode getrampelt und danach von einem Löwen gefressen wurde. Oder ein junger Missionar, der inspiriert von Jesus einem indigenen Stamm das ewige Leben schmackhaft machen wollte – und von dem abgeschotteten Volk getötet wurde. Ein weiterer Preisträger ist ein Anwalt, der sich im 24. Stock eines Hochhauses gegen ein Fenster warf, um dessen Stabilität zu beweisen. Der Fensterrahmen gab aber nach und der Mann stürzte in die Tiefe.

Seit 1994 wird der sarkastische Negativpreis vergeben. Die gelisteten Todesfälle sind tragisch, können durch ihre Ironie aber durchaus zum Lachen verleiten.

Humor hilft bei der Verarbeitung

Doch worin liegt der Reiz, sich mit Todesfällen zum Lachen zu verleiten? Was ist so anziehend an den makaberen Spielen, die der Tod treibt? Ist es die blosse Schadenfreude?

Eine mögliche Antwort auf diese Fragen liefert die Autorin und Journalistin Katja Doubek, die sich in ihrem «Lexikon merkwürdiger Todesarten» mit Beispielen des ungewöhnlichen Ablebens beschäftigt. «Der Umgang mit dem Tod fällt unserer jugendorientierten Gesellschaft zunehmend schwerer», schreibt sie. Ein humoristischer Zugang zum Tod kann demnach die Auseinandersetzung mit dem Unvermeidbaren erleichtern.

Was dabei erstaunen mag: Gerade bei persönlichen Verlusten spielt für viele Menschen Humor eine wichtige Rolle. Dies zeigen diverse psychologische Studien. Ein Sinn für Humor wird heute von vielen Psychologen als wichtige Stärke im Umgang mit schwierigen Situationen gesehen. So auch in den Momenten vor und nach dem Ableben eines geliebten Menschen.

Tod auf der Bühne

Das Thema eines merkwürdigen Todes beschäftigt nicht erst seit der Moderne: Zahlreiche Fälle aus früheren Jahrhunderten wurden dokumentiert. Der Wikipedia-Eintrag «Liste der ungewöhnlichen Todesfälle» zeigt auch Beispiele aus den vergangen Jahrhunderten.

Einer der ältesten dokumentierten Tode ereilte dabei Drakon, einen Athener Gesetzesreformer. Um zirka 620 vor Christus erstickte er, weil dankbare Bürger einen Berg von Mänteln und Hüten auf ihn warfen. Im Mittelalter ertrank der chinesische Höfling Li Bai beim Versuch, betrunken das Spiegelbild des Mondes auf einem Fluss zu umarmen.

Das Kuriose macht dabei auch vor Berühmtheiten nicht Halt: Der berühmte griechische Tragödiendichter Aischylos soll von einer Schildkröte erschlagen worden sein, die von einem Greifvogel fallen gelassen worden war.

Ein berühmtes Beispiel auch der Tod des französischen Dramatikers Molière, der während einer Aufführung seines Stückes «Der eingebildete Kranke» auf der Bühne zusammenbrach und kurz darauf starb.

Auch nach langer Zeit faszinieren solche Tode noch, vielleicht gerade weil das Skurrile zum Lachen verleitet. Dabei ist das Lächerliche immer auch besonders tragisch und dramatisch, wie der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt einst sagte: «Die schlimmstmögliche Wendung, die eine Geschichte nehmen kann, ist die Wendung in die Komödie». Dabei zieht die Thematik rund ums Sterben nicht nur an, sondern kann auch antreiben: «Der Tod zwingt den Menschen, das Leben auszukosten», sagte der Philosoph Friedrich Nietzsche.

Sie «lachten sich zu Tode»

Dass der Witz dabei bis in den Tod begleiten kann, ist in mehreren Fällen dokumentiert. «Sich totlachen» ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine reelle Gefahr. Auf den Listen der merkwürdigen Todesfälle dürfen zuletzt dann auch die Fälle nicht fehlen, in denen Menschen lachten bis sie starben.

Auch hier finden sich Beispiele bekannter und unbekannter Personen, die dieses Schicksal erlitten. Zu ihnen zählt zum Beispiel Thomas Urquhart: Der schottische Dichter soll an einem Lachanfall gestorben sein, nachdem er von der Machtübernahme Karls II. gehört hatte.

Für die seltene Todesart gibt es übrigens einen Namen: «Lachtod». Meist sterben die Betroffenen an einem Herzstillstand oder sie ersticken. Mindestens neun dokumentierte Fälle der Todesart, die das Lachen selbst zum Mörder macht, gibt es.

Auch in der Fiktion finden skurrile Todesarten in allen Formen und Farben ihren Platz. Auch der Tod durch Lachen wurde mehrmals künstlerisch verarbeitet. Als bekanntestes Beispiel gilt der «Funniest Joke in The World» – «lustigste Witz in der Welt».

(Video: Youtube)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*