Der Comic-Thriller «Joker» stürmt als Favorit in die diesjährigen Oscarverleihungen. (Bild: Keystone)
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«Joker» geht als Favorit in die Oscarverleihungen

Wird «Joker» das Kriegsdrama «1917» ausstechen? Mit elf Nominierungen stürmt der Comic-Thriller als Favorit in die diesjährigen Oscarverleihungen.

Wird der Comic-Thriller «Joker» das Kriegsdrama «1917» ausstechen? Oder gewinnt «Parasite» und schreibt damit Oscar-Geschichte? Die 92. Academy Awards bleiben spannend.

Comicbuch-Verfilmungen standen bei den Oscars lange im Abseits, nur in Nebenkategorien wie Schnitt, Sound und Spezialeffekte gab es auch mal Trophäen. «Black Panther» brachte vor einem Jahr die Wende: mit einer Nominierung in der Topsparte «Bester Film» schrieb der Blockbuster Oscar-Geschichte. Und nun «Joker». Mit elf Nominierungen stürmt der Comic-Thriller als Favorit in die diesjährigen Academy Awards.

Die düstere Charakterstudie um den psychisch kranken Batman-Gegenspieler Joker kann bei der Gala am 9. Februar unter anderem den Spitzen-Oscar als bester Film, für Regie (Todd Phillips) und den Hauptdarsteller holen. Joaquin Phoenix, abgemagert, mit schrillem Lachen und wahnsinnigem Blick, gewann schon den Golden Globe als bester Drama-Darsteller und siegte auch bei den britischen BAFTAs.

Vierter Anlauf für Phoenix

Im vierten Anlauf (nach «Gladiator», «Walk The Line» und «The Master») könnte der 45-Jährige zu Oscar-Ehren kommen. 2009 hatte die Filmakademie den epochemachenden Auftritt von Heath Ledger als Joker in «The Dark Knight» posthum mit einem Nebenrollen-Oscar gewürdigt.

Neben Phoenix sollten auch Brad Pitt, Laura Dern und Renée Zellweger eine Dankesrede parat haben. In der laufenden Trophäensaison haben sie als Haupt- und Nebendarsteller schon wichtige Preise abgeräumt: Zellweger mit ihrer singenden und anrührenden Verkörperung von Judy Garland in «Judy», Dern als gerissene Anwältin in dem Scheidungsdrama «Marriage Story», Pitt mit seinem lässigen Auftritt in Quentin Tarantinos «Once Upon a Time in Hollywood», als Kumpel und Stuntman, der einem abgehalfterten Westernstar (Leonardo DiCaprio) zur Seite steht.

Umso spannender ist der Wettkampf unter den neun Kandidaten in der Sparte «Bester Film». Neben dem «Joker» mischen eine Handvoll Mafiosi («The Irishman»), Soldaten in den Schützengräben vom Ersten Weltkrieg («1917») und die alternden Buddies aus «Once Upon a Time in Hollywood» mit. Weitere Anwärter sind das Rennfahrerdrama «Le Mans 66 – Gegen jede Chance», die Nazi-Satire «Jojo Rabbit», das Beziehungsdrama «Marriage Story», die Romanverfilmung «Little Women» und der südkoreanische Thriller «Parasite».

Erstmals Film aus Korea nominiert

Regisseur Bong Joon Ho wirbelt mit «Parasite» die Oscars kräftig auf. In der Sparte «Internationaler Film» ist ihm die Trophäe so gut wie sicher. Dort ist zum ersten Mal überhaupt ein Film aus Korea nominiert.

Die Mischung aus Komödie, Horror und Gesellschaftskritik war schon auf dem Filmfestival in Cannes als Gewinner der Goldenen Palme eine Sensation. Die Story einer ärmlichen Familie, die sich im Haus reicher Leute breit macht, hat gleich sechs Oscar-Chancen, auch als bester Film, für Regie und Drehbuch. Nur selten schaffen es fremdsprachige Filme überhaupt in die Top-Sparte, zuletzt glückte das «Roma» aus Mexiko, doch noch nie wurde ein Auslandsfilm mit dem Spitzen-Oscar gekürt.

Die grösste Gefahr für «Parasite» kommt von «Bond»-Regisseur Sam Mendes («Skyfall», «Spectre»). Mit «1917» drehte der Brite den wohl persönlichsten Film seiner Laufbahn, nach den Erzählungen seines Grossvaters, der in den Schützengräben das Grauen des Ersten Weltkriegs erlebte. «1917» gewann bereits den Globe als bestes Filmdrama und den einflussreichen PGA-Preis der Hollywoodproduzenten. PGA-Gewinner holen meist auch den Oscar als bester Film, wie etwa «Green Book» (2019) und «Shape of Water – Das Flüstern des Wassers» (2018).

Wenig Diversität

Überraschungen sind bei den Oscars immer möglich, doch eins steht nach den Nominierungen fest: Die knapp 9000 Mitglieder der Filmakademie setzen 2020 auf männerlastige Filme, überwiegend mit weissen Schauspielern besetzt. Auch die Regie-Sparte, wie schon im Vorjahr, ist wieder reine Männersache.

Mit Diversität ist es nicht weit her. Die britisch-nigerianische Schauspielerin Cynthia Erivo, die in «Harriet» eine Sklavenanführerin spielt, ist die einzige Schwarze unter den 20 nominierten Darstellern für Haupt- und Nebenrollen. Die mangelnde Vielfalt löste in den sozialen Netzwerken eine Welle von Kritik aus, etwa unter dem Hashtag #OscarsSoMale.

Politische Statements möglich

Im Vorfeld der Gala gab die Filmakademie einige «Star-Presenter» bekannt, die beim Austeilen der Trophäen helfen sollen. Die Oscar-Gewinner von 2019, Regina King («If Beale Street Could Talk») und Mahershala Ali («Green Book – Eine besondere Freundschaft»), sind dabei, auch «Bohemian Rhapsody»-Star Rami Malek, Sohn ägyptischer Einwanderer, und die Britin Olivia Colman («The Favourite – Intrigen und Irrsinn»).

Cynthia Erivo soll den Hit «Stand Up» aus dem Drama «Harriet» singen. Die Oscar-Verleiher kündigten auch Auftritte von Rapper Questlove, der irischen Dirigentin Eímear Noone und von Nachwuchs-Talent Billie Eilish an.

Ein offizieller Moderator fehlt, Promis und Darbietungen sollen bei der Live-Gala den Ton angeben. Dabei könnte es auch politisch zugehen, denn die Akademie bestellt Stars auf die Bühne, die durch Aktivismus und zivilen Ungehorsam auffallen.

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