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Der Telebasel Talk mit Iris Galey vom 4. Februar 2020.
Basel

«Sexueller Missbrauch zerstört ganze Familien»

Iris Galey wurde als Mädchen von ihrem Vater sexuell missbraucht. Jahrzehntelang litt sie Qualen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Traumatherapeutin.

Der Täter war der Vater, ein Direktor eines Basler Pharmakonzerns. Vier Jahre lang missbrauchte er seine Tochter sexuell. Die Tochter war damals neun Jahre alt. Heute ist Iris Galey 83 – und leidet noch immer.

Klingt wolkig? Nur für Nicht-Betroffene. Das Leiden sexuell Missbrauchter ist ganz konkret. Bis vor drei Jahren konnte Iris Galey beispielsweise nicht ohne Angstzustände zur Toilette, erzählte sie kürzlich der «Basler Zeitung». Sexueller Missbrauch und die daraus entstehenden Traumata führten offenbar zu ganz spezifischen Veränderungen der Hirnarchitektur, zitierte die FAZ eine Studie. Zur Schrumpfung gewisser Hirnareale, schreiben andere.

«Töchter haben Kontakt zu mir abgebrochen»

Mit erheblichen Folgen. Vereinfacht gesagt: Missbrauchsopfer fühlen beispielsweise Berührungen sensorisch anders: oft nicht beruhigend, oft nur alarmierend. Manchmal genügen auch ein Geruch, ein spezieller Lichteinfall, ein Geräusch, dass Todesängste aufkommen.

Opfer von Missbrauch «lesen» ihre Umgebung anders: Zuwendung oder Zärtlichkeiten wecken Ängste und Misstrauen, führen unwillkürliche Verkrampfungszustände herbei. Das formt den Charakter. Doppelt belastend: Man fällt zuweilen auf mit seinen Reaktionen. Iris Galey: «Wir Missbrauchsopfer werden oft narzisstisch. Meine Töchter haben den Kontakt zu mir abgebrochen». Ihr Fazit: «Sexueller Missbraucht zerstört ganze Familien.» Er geht viral im intimen Familienkreis.

«Ich weinte nicht, als Vater starb»

1988 erschien ihr internationaler Bestseller «Ich weinte nicht, als Vater starb». Vor drei Jahren doppelte sie mit dem Buch «Ich weinte nicht, als Vater starb und hasste Sex, bis ich Liebe fand» nach. Dazwischen lagen Therapien, die Hinwendung zum Buddhismus, eine Ausbildung zur Traumatherapeutin. Und eine neue Liebe.

«Wir leiden ein Leben lang»

Ob sie sich als geheilt betrachtet? «Wir leiden ein Leben lang», sagt Iris Galey. Sie nutzt regelmässig Medienauftritte, «um mehr Verständnis für post-traumatische Störungen zu schaffen». Die für ihren Dokumentarfilm «Female Pleasure» preisgekrönte Schweizer Regisseurin Barbara Miller dreht mit Iris Galey. Demnächst soll ein Trailer für ihren neuen Dokfilm geschnitten werden.

Im Talk spricht Iris Galey über ihr Leben und ihre Arbeit als Traumatherapeutin: Dienstag, 4. Februar 2020, ab 18:45 Uhr.

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