Kim Roesen (38) bemalt pro Saison bis zu 300 Plaketten nach den Wünschen seiner Kunden. (Bild: zVg)
Basel

«Ich bemale bis zu 300 Plaketten pro Jahr»

Bunte Plaketten erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Bis zu 300 Plaketten bemalt alleine Kim Roesen jedes Jahr – Tendez steigend.

Die Fasnacht. Sie ist Unesco-Weltkulturerbe und ist für manchen Auswärtigen ein Mysterium. Und sie bietet viel Raum, um ins Fettnäpfchen zu treten. Eine Maske ist in Basel eben eine Larve und Konfettis heissen in Basel nun mal Räppli. Absolut tabu ist während der «drey scheenschte Dääg» so einiges. Ungeschriebene Gesetzte halt.

Seit 1911 «het me e Blaggedde». Heutzutage kann der Fasnächtler oder der Besucher zwischen einer kupfernen, silbernen oder goldigen Plakette wählen. Doch immer mehr Fasnachtsabzeichen kommen farbig daher. Wie sehen diesen Trend eigentlich die Fasnächtler? Und was sagen die Organisatoren der Fasnacht zum bunten Treiben am Revers?

Rotblau ist der Dauerbrenner

Kim Roesen (38) macht seit 16 Jahren mit seiner wilden Clique, den Rhygass Rueche, Fasnacht. Am Kostüm trug er schon immer eine bemalte Plakette. Seit er sie nicht mehr in seiner gewünschten Qualität kaufen konnte, griff der Kleinbasler selber zum Pinsel und bemalt mittlerweile pro Fasnacht bis zu 300 Exemplare – Tendenz steigend.

In den letzten Jahren seien immer mehr Plaketten-Maler dazugekommen, stellt Kim Roesen fest. «Die Fasnächtler scheinen immer öfter etwas Ausgefallenes zu wollen.» Trotzdem blieb seine Stammkundschaft von etwa 100 Personen ihren Wunschfarben meist treu. «Rotblau ist mit etwa 70 Stück pro Saison das Topfarbmotiv – dicht gefolgt von der Farbkombination schwarz-weiss.»

So macht sich der Kleinbasler seit knapp zehn Jahren von der Plaketten-Ausgabe bis zum Schmutzigen Donnerstag mit speziellen Acrylfarben und feinsten Pinseln an die aufwändige Arbeit. Für zehn Franken pro Plakette. Im Schnitt dauert die Bemalung 30 bis 40 Minuten pro Exemplar. Seine Motivation sei aber nicht das Geld, sondern die Freude an der Sache selber. «Das verdiente Geld stecke ich gleich wieder in die Fasnacht», sagt der gelernte Koch.

Von Alten Garden bis Wägeler

Dass seine Kunst gegen die Fasnachts-Etikette sei, oder dass er gar dem Plaketten-Künstler in sein Werk pfusche, findet Kim Roesen nicht. Schliesslich herrsche ja eine gewisse Narrenfreiheit. Und: «Es kommen Personen aus allen Fasnachtgruppierungen zu mir. Von Cliquen oder Guggen, Alten Garden oder Wägelern». Neben den Basler Fasnächtlern kämen auch Anfragen aus dem Baselbiet. «Und sogar für Kunden aus Lörrach habe ich schon Plaketten bemalt», schwärmt der 38-Jährige.

«Ich würde selber keine tragen»

Trotz Narrenfreiheit schreibt die Fasnacht bekanntlich ihre eigenen ungeschriebenen Gesetze. Auch in Bezug auf die Plaketten? Der Plaketten-Verantwortliche des Comités, Adrian Kunz, muss es wissen: Ein ungeschriebenes Gesetz zum Bemalen der Plaketten gebe es nicht, stellt er klar. Er habe zum Thema aber eine liberale Einstellung. «Schlussendlich helfen auch diese, die Fasnacht zu subventionieren.» Aber: «Ich würde selber aber keine tragen.»

Die Fasnächtler zeigen sich diplomatisch: 

(Video: Telebasel)

Auch die Fasnächtler selber stellen sich den bunten Abzeichen nicht in die Quere, wie eine Umfrage unter Fasnächtlern zeigt. «Es ist ja Fasnacht, da gibt es keine grossen Gesetze.» Und viele der befragten Passanten hätten auch schon eine bemalte Plakette gehabt.

A propos: Auch Comité-Obfrau Pia Inderbitzin hatte schon mit bunten Plaketten zu tun. «Meine Schwester hat die Blaggedden früher auch sehr schön und filigran angemalt. Deshalb habe ich in jungen Jahren bemalte Blaggedden getragen. Heute verzichte ich darauf, weil ich die Blaggedde im Original am schönsten finde.»

Die Themenwoche «Yystoo!» auf Telebasel: Vom 3. bis 7. Februar 2020 in den Telebasel News um 18:30 Uhr und stündlich ab 19:00 Uhr, sowie im Telebasel Report «Dr letzti Schliff» am Mittwoch, 5. Februar 2020, stündlich ab 19:40 Uhr und in einer Spezialsendung stündlich ab 19:15 Uhr am Samstag, 8. Februar 2020 . Dazu laufend interessante Themen auf telebasel.ch.

1 Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*