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Der Telebasel News Beitrag vom 2. Februar 2020.
Basel

Frau Fasnacht als kraftvolle Queen

Unter dem neuen Regisseur Lucien Stöcklin hat das Charivari im Volkshaus wieder an Witz gewonnen.

Als sich am Schluss das Premierenpublikum von seinen Stühlen erhob und allen Protagonisten begeistert Applaus zollte, da wussten die Charivari-Verantwortlichen: Mit dem neuen Regisseur Lucien Stöcklin hatten sie auf den richtigen Mann gesetzt. Dem Newcomer ist eine geschickte Inszenierung mit grossenteils guten Rahmestiggli geglückt. Und dazu trug neben originell-witzigen Texten nicht zuletzt das Schauspielensemble bei, mit seinen Routiniers Stephanie Schluchter, Peter Richner, Tatjana Pietropaolo, Martin Stich und Beatrice Waldis sowie den neuen Gesichtern Adelheid «Strouppi» Dörflinger, Tim Köchlin und Olivia Zimmerli.

(Video: Telebasel)

Schon das Charivari-Männli (Olivia Zimmerli), das sich als von den Männern zur Lückenfüllerin degradierte Frau zu erkennen gibt, schlägt neue Töne an. Grossartig dann der Sketch «Plätzli gsuecht». Der Ort: das Rathaus. – Die Platzlosen: auf den Hund gekommene Politiker. Mit Einfühlsamkeit stellt die Fernsehmoderatorin den Rüden Sebastian vor, der seinen Platz in Bern verloren hat, und nun im Doppelpack mit Joël zu haben ist. Ebenfalls Sorgenfälle sind der Pudel Sibel, mit dem niemand in Bern spielen will, und der kleine, dürre Mops Baschi.

Fachspezifisches aller Art

Wussten Sie, dass es eine fasnachtsspezifische Sprache gibt? Wenn Professorin Dr. Dr. Katherina Kesselring-Laube ihre erhellenden Erklärungen zum sprachlichen Umgang unter den Fasnächtlern abgibt, bleibt kein Auge trocken. Auch nicht bei den Trommelfachmännern, die uns über die Entwicklung des Basler Trommelns aufklären.

Nachdenklich dagegen stimmt das in die ferne Zukunft blickende Rahmestiggli über den Klimawandel. Eher unerheblich ist der Ladäärnevärsli-Oobe, und das Rahmestiggli «Das muesch gseh ha» muss man gar nicht gesehen haben.

(Video: Telebasel)

Dafür lohnen sich die beiden Schnitzelbänke umso mehr. D Brunzguttere nimmt sich der grünen Welle ebenso witzig an wie den BVB oder Greta Thunberg. Zum Lachen ist der Wessels’sche Lachvers, und jener über die Chaisen-Pferde geht so:

Hänn ihr das au vernoh,

jä d Bilder hänn sich gliche,

jetz het s scho wider sone

Chaise-Gaul verstriche.

Nit wäg de Doledeggel –

nai, die sinn versiiglet,

Es haig en über en

Elektro-Trotti gstriiglet.

Die Gwäägi, quasi der Hausbank des Charivari, steht den Brunzguttere in nichts nach. Einfallsreich befassen sie sich mit dem FCB, der Schule, der Art, aber auch mit Ueli Mauer sowie in einem Langvers mit dem HD-Soldaten Läppli, der in einer frechen Pointe über Elisabeth Ackermann endet.

(Video: Telebasel)

Klassisch und experimentell

Musikalisch hat das Charivari unter Programmchef Erik Julliard noch nie enttäuscht. Einmal mehr macht es die Mischung aus experimenteller und klassischer Fasnachtsmusik aus.

Die Vereinigten Kleinbasler, Basels älteste Fasnachtsclique, ist nach 2012 und 2016 bereits zum dritten Mal am Charivari zu Gast. Sie servieren in Charivari-Kostümen einen rassigen und dynamischen Glopfgaischt, geben später als Amerikaner mit Donald Trump als Tambourmajor den Yankee zum Besten, und zusätzlich ruessen die Tambouren noch den Trommelmarschklassiker Ueli.

Ihrem grossen Vorbild, dem Top-Secret-Drum-Corps, können die zwischen 16 und 18 Jahre alten Tambouren der Basler Trommelakademie durchaus das Wasser reichen. Synchron zeigen sie eine mit komplizierten Schlegeljonglagen gespickte, atemberaubende Show.

(Video: Telebasel)

Für pfeiferische Höhepunkte stehen die Formationen Schäärede, lauter Frauen, und Spitzbuebe, ausschliesslich Männer. «Viva» nennt sich die jüngste Komposition von Michael Robertson, welche die Spitzbuebe uraufführen. Der fröhlich-melancholische Marsch ist eine Hommage an ihren im vorigen Jahr verstorbenen Pfeiferkollegen Kurt Stalder.

Die Schäärede intonieren die ungarischen Tänze von Brahms und nehmen dabei in Kauf, dass ihr Dirigent allzu sehr von ihrem pfeiferischen Können ablenkt.

Zu einer klassischen Nummernshow, wie es das Charivari bietet, gehören auch guggenmusikalische Töne. Die Basler Gugge Räpplispalter füllt mit ihrem kraftvollen Sound spielend den Volkshaussaal.

Anders die Bieranjas aus dem Baselbiet: Hier ist ein erstklassiges Blasorchester am Werk, das als «Blues Brother Brass» mit einer kleinen, feinen und heissen Rhythmussektion auftritt.

Königlicher Schlusspunkt

Königlich geht schliesslich das Charivari-Programm 2020 zu Ende: Die stimmgewaltige Sängerin Nicole Bernegger singt als glitzernde Frau Fasnacht – unterstützt von Schlagzeuger, Gitarristen und Pfeifern – den mit baseldeutschem Text verfremdeten Queen-Song «Bohemian Rhapsody» und setzt damit einen grossartigen Schlusspunkt.

Glaibasler Charivari: Volkshaus, bis 15. Februar, täglich um 20 Uhr, So um 18 Uhr.

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