BSG-Obmann Daniel Flury läutete am 4. Januar mit der Blaggeddevernissage das Jubiläums-Jahr ein. (Bildmontage: Telebasel)
Basel

«Der Schnitzelbangg soll nicht in die ‹Wattebausch-Ecke› getrieben werden»

Die Basler Schnitzelbangg Gesellschaft feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. Telebasel sprach mit BSG-Obmann Daniel Flury über ihre Vergangenheit und Zukunft.

Die Abende am Fasnachts-Montag und Mittwoch gehören jeweils den Schnitzelbängg. Sie ziehen von Beiz zu Beiz und sorgen mit ihren satten Pointen für manchen Lacher. Nebst wilden Bängg, schlossen sich einige zu Schnitzelbangg-Gesellschaften. Einer der ältesten, die Basler Schnitzelbangg Gesellschaft (BSG), feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum.

Telebasel sprach mit BSG-Obmann Daniel Flury über ihr Jubiläumsjahr, die Qualität der Schnitzelbängg und wie es um ihren Nachwuchs steht.

Die Basler Schnitzelbangg Gsellschaft BSG feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Wie sieht das Festprogramm aus?

Das Jubiläumsjahr wurde am 04.01.2020 mit der Blaggeddenausgabe und gleichzeitig Blaggeddevernissage der BSG-Blaggedde eingeläutet. Wir haben ein Jubiläums-OK, welches sehr tolle Ideen ausgedacht hat, die zum Teil noch geheim sind. Viele tolle Aktionen sind vor, während und nach der Fasnacht geplant wie zum Beispiel, dass sich jeder Bangg mit goldigen Accessoires schmückt oder ein grosses internes Jubiläumsfest im Sommer, bei dem wir nochmals so richtig anstossen.

Gibt es auch Leckerbissen für die Zuschauer?

Wir haben unser eigenes Bier gebraut! Das BSG-Bier “Bänggler-Eel” (ein naturtrüber Genuss, exklusiv gebraut nach einer Rezeptur mit einer Spur Mimosen und Orangen. Entwickelt wurde das Bier in Zusammenarbeit mit der Brauerei Ueli Bier) gibt es entweder direkt bei der Brauerei Ueli-Bier oder an der Fasnacht in ausgewählten Beizen, mit denen wir einen Vertrag haben. Der Fassanstich war an der Blaggeddenausgabe und die Meinung der BSGler ist einheitlich: wir sind alle stolz, ein solch feines Fasnachtsbier präsentieren zu dürfen! Zudem haben wir eine schöne Jubiläumsblaggedde entworfen (100 nummerierte Stk.). Im Sommer wird eine Festpublikation zu 100 Jahre BSG veröffentlicht werden.

Was macht die BSG so speziell, so dass die Gesellschaft immer noch besteht?

Die BSG hat einen sehr tollen und kollegialen Zusammenhalt. Ich denke, das ist das Geheimrezept. Wir haben es untereinander sehr gut und helfen und unterstützen uns, wo wir nur können.

Trotzdem verlief intern ja nicht immer alles im Einklang. Bängg trennten sich, neue Schnitzelbangg-Gesellschaften werden gegründet. Warum?

Wie in jedem anderen Verein kann es auch bei uns einmal zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Das jetzige Klima ist jedoch sehr freundschaftlich. Gründe für eine Abspaltung sind unter anderem, dass sich ein Bangg nicht mehr an einen Verein binden will oder ein kleineres Pflichtprogramm absolvieren möchte. Ausserdem gibt es Bängg, die auch mal in eine andere Gesellschaft einblicken möchten – Sie können das mit einem Jobwechsel vergleichen.

Was für Verpflichtungen geht ein Bangg bei euch ein? Wie gross sind dann noch die Freiheiten?

Unsere Bängg haben ein paar obligatorische Sitzungen vor und nach der Fasnacht, an denen sie anwesend sein müssen. Unter anderem eine Fyyligsnaamsitzung, an der sich der Bangg für die Fasnacht anmeldet, das obligatorische Vorsingen und die Lämpensitzung nach der Fasnacht, bei der nochmals jede einzelne Auftrittsort im nachhinein besprochen wird. Weitere Verpflichtungen sind die Besuche der Beizen am Fasnachtsmontag und -mittwoch, mit denen wir einen Vertrag haben und natürlich der Schlussabend am Samstag nach der Fasnacht.

Was sind eure Kriterien, dass ein Bangg mit einem Bangg auch auf die Gass darf?

Grundsätzlich muss das Konzept des Banggs stimmen. Über Humor lässt sich immer diskutieren. Wichtig ist auch, dass man merkt, dass sich der Bangg stetig verbessern möchte und auch Kritik annimmt. Wenn diese Sachen stimmen, ist ein neuer Bangg immer willkommen.

Unter Nichtfasnächtler sind die Schnitzelbängg immer stets beliebt. Trotzdem ist jedes Jahr zu hören, dass d’Bängg schlechter werden – nur wenige seien gut. Warum dieser Tenor? Wird der Zuschauer immer «verschleckter?»

Der Humor ist immer Ansichtssache. Jedoch stelle ich fest, dass Verse, die vor 30-60 Jahren gesungen wurden, heute sehr wahrscheinlich nicht mehr gross Anklang finden würden. In Zeiten von “Das Supertalent” oder Social Media gibt der Mensch sein Schnellurteil vom Sofa aus ab – ohne sich Gedanken zu machen, wie viel Arbeit in diesem Projekt steckt.

Die Schnitzelbängg absolvieren jeweils am Montag und Mittwoch ein Monsterprogramm. Ihr selber führt 20 Auftrittsorte auf. Zudem gibt es auch am Dienstag verschiedenste Auftrittsmöglichkeiten. Das grenzt an eine spitzen-sportliche Leistung. Eine Entwicklung der letzten Jahre?

Wir sind sicher eine Gesellschaft, die viele Pflichtauftritte hat im Gegensatz zu anderen Gesellschaften. Auf der anderen Seite muss man sehen, dass es früher mit den Quartierbeizen noch heftiger war: 1946 zum Beispiel, waren es 114(!) Beizen, die die BSG besingen durfte.

Schnitzelbängg beginnen in jüngster Zeit zu Rappen oder werden von einer E-Gitarre begleitet. Wie seht ihr diese jüngste Entwicklung?

Die Erde dreht sich und der Lauf der Zeit macht auch bei der Fasnacht keinen Halt. Der Schnitzelbangg verändert sich, wird neumodisch und geht mehr in Richtung Showbusiness und Cabaret. Ich persönlich habe kein Problem mit dieser Entwicklung, trotzdem bin ich immer noch ein grosser Fan des alten Schnitzelbangg-Handwerkes.

Schnitzelbängg der BSG vor 100 Jahren und heute. Was sind die grössten Veränderungen? Wo seid ihr euren Ursprüngen treu geblieben?

In der BSG durften bis 1953 keine Frauen mitmachen. Die Gruppierungen mussten gepflegtes Baseldeutsch singen und weisse Handschuhe tragen. Das ist heute natürlich nicht mehr der Fall. Früher gab es auch aber viel mehr Zensuren. Heute machen wir den Bangg aufmerksam, wenn wir finden, dass der Vers hart an der Grenze ist.

In welche Richtung entwickeln sich die Schnitzelbängg in der Zukunft?

Ich hoffe, dass sich der Schnitzelbangg trotz den ganzen political correctness-Debatten nicht in die “Wattebausch-Ecke” treiben lässt. Der Schnitzelbangg muss gifteln, beissen und soll weiterhin Themen aufgreifen dürfen, die vielleicht unangenehm sind.

14 aktive Bängg zählt die BSG zur Zeit. Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Gibt es eine aktive Nachwuchsförderung?

Selbstverständlich sind wir, wie alle anderen Gesellschaften auch, immer auf der Suche nach jungen Bänggler. Bei der BSG bekommt ein neuer Bangg einen Götti oder ein Gotti zugewiesen, der oder die ihnen das Leben des Schnitzelbanggs ein wenig näher bringt und auch hilft, wenn Fragen o.ä. vorhanden sind. Im nächsten Jahr ist eine interne Schulung geplant, bei der sicher jeder Bangg profitieren wird. Ausserdem helfen sich die BSG-Bängg gegenseitig mit Ideen oder Feedbacks – sehr kollegial eben.

Die Themenwoche «Yystoo!» auf Telebasel: Vom 3.-7 Februar 2020 in den Telebasel News um 18:30 Uhr und ab 19:00 Uhr stündlich, sowie im Telebasel Report «dr letzti Schliff» am Mittwoch, 5. Februar 2020 ab 19:40 Uhr stündlich und in einer Spezialsendung am Samstag, 8. Februar 2020 ab 19:15 Uhr stündlich. Dazu laufend interessante Themen auf telebasel.ch.

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