Die Pharmaindustrie konnte bei den Exporten 2019 ein starkes Ergebnis erzielen. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Pharmaindustrie bringt Schweiz hohen Exportüberschuss

Mit einer Zunahme von 9,8 Prozent trug die Pharmaindustrie einen grossen Anteil am Exportüberschuss-Ergebnis der Schweiz. Dieses wächst um 3,9 Prozent.

Die Schweiz hat im vergangenen Jahr erneut einen sehr hohen Exportüberschuss erzielt. Vor allem der Pharmasektor hat dem Aussenhandel neue Höchststände beschert. Rückläufig waren hingegen die Ausfuhren in den Branchen Maschinen und Elektronik sowie Metall.

Konkret hat die Schweiz 2019 Waren im Wert von 242,3 Milliarden exportiert, was einem Wachstum von 3,9 Prozent (real: -1,2%) entspricht. Etwas weniger schnell, nämlich um 1,6 Prozent (real: -1,0%) auf 205,0 Milliarden Franken, legten die Einfuhren zu.

Entsprechend errechnet sich ein Export-Überschuss von 37,3 Milliarden, teilte die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) am Dienstag mit. Vor dem Hintergrund der globalen Unsicherheit habe sich der Aussenhandel 2019 weiter positiv entwickelt, wenn auch in etwas abgeschwächter Form, so die EZV. Der Warenverkehr hat in beiden Handelsrichtungen Rekordwerte erzielt, und auch der Handelsbilanzüberschuss ist ein neuer Höchstwert.

Exportplus dank Pharma

Für das Exportplus war ausschliesslich die Chemie- und Pharmabranche verantwortlich. Deren Exporte legten innerhalb eines Jahres um 10,2 Milliarden (+9,8%) zu. Die Ausfuhren von immunologischen Produkten und Medikamenten lieferten mit hohen Wachstumszahlen den grössten Beitrag dazu.

Insgesamt erzielte die Branche bei Ausfuhren von 114,6 Milliarden einen sehr hohen Überschuss von 61,9 Milliarden Franken. Dies verdeutlicht noch einmal, dass ohne diesen Sektor kein Export-Überschuss zustande gekommen wäre.

Ein Plus verzeichneten aber auch die Exporte von Uhren, die um 2,4 Prozent oder 500 Millionen auf 21,7 Milliarden Franken zulegten. Im Monat Dezember allein verkauften die Schweizer Uhrenhersteller 5,8 Prozent mehr Zeitmesser ins Ausland, wie der Schweizerische Uhrenverband (FH) am Dienstag mitteilte.

Der Rekord von 22,3 Milliarden aus dem Jahr 2014 wurde allerdings erneut nicht erreicht. Verantwortlich hierfür war unter anderem die Situation in Hongkong. Das Geschäft in der asiatischen Metropole blieb unter Druck: Die Uhrenexporte dorthin brachen im letzten Monat 2019 um 20,7 Prozent ein.

Chinesen kaufen Uhren im Heimatland

Chinesen kaufen ihre Uhren dafür vermehrt auch in ihrem Heimatland. Vor allem zum Jahresende ging es mit den Ausfuhrzahlen ins Reich der Mitte steil bergauf. Das zeigt das satte Plus von knapp 50 Prozent allein im Dezember, das allerdings primär dank Einkäufen zum chinesischen Neujahrsfest erzielt werden konnte.

Insgesamt steigen die Uhrenausfuhren nach China nicht nur als Resultat der politischen Unruhen in Hongkong. Auch die bereits vor einiger Zeit von der chinesischen Regierung eingeleiteten Massnahmen wie etwa Einfuhrbeschränkungen am Zoll zeitigen hier eine Wirkung.

Weniger gut als der Uhrenbranche erging es dafür den Firmen aus den Sektoren Maschinen und Elektronik sowie Metalle. Der Versand schrumpfte hier um 4,4 bzw. 5,7 Prozent, da sich die Industrie 2019 bei wichtigen Schweizer Handelspartnern phasenweise stark abschwächte. Dies wiederum führte dazu, dass Schweizer Zulieferer weniger Teile exportieren konnten.

Hoher Exportüberschuss in die USA

In Bezug auf die Absatzmärkte stieg die Nachfrage nach Schweizer Produkten in allen grossen Regionen. Am kräftigsten nahmen die Umsätze in Nordamerika (+8,9%) zu, wobei der Anstieg hauptsächlich auf die USA (+3,4 Mrd Fr.) zurückzuführen ist. Letzteres ist allerdings nicht nur positiv.

Erst vor kurzem wurde die Schweiz von der Administration von Donald Trump auf die Beobachtungs-Liste möglicher Währungsmanipulatoren gesetzt. Ein Kriterium dabei ist der Aussenhandelsüberschuss zwischen zwei Ländern, der die Schwelle von 20 Milliarden US-Dollar nicht übertreffen darf.

Mit einem Überschuss von mehr als 27 Milliarden Franken zugunsten der Schweiz ist dieser Wert für die Amerikaner jedenfalls deutlich zu hoch. Dabei spielen vor allem die Pharmaexporte eine wichtige Rolle.

Erst vergangenen Woche hatte sich Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz in einem Interview mit AWP allerdings gegen die Vorwürfe aus den USA gewehrt. Dabei hatte er betont, dass gerade die Vereinigten Staaten für die Schweizer Pharmamultis auch ein wichtiger Produktionsstandort seien.

Klare Abkühlung in letzten Monaten

Betrachtet man schliesslich nur die Ausfuhren zum Jahresende, so wurden allein im Dezember Waren im Wert von 18,7 Milliarden Franken ins Ausland verfrachtet. Zum Vormonat, auf saisonbereinigter Basis, gingen die Exporte nominal um 1,2 Prozent und real um 3,4 Prozent zurück. Die Importe erhöhten sich derweil um nominal 0,7 Prozent auf 16,7 Milliarden (real +0,2%), was einem Überschuss von 2,0 Milliarden Franken entspricht.

Die Dezember-Zahlen zeigen somit klar, dass der Aussenhandel trotz gutem Jahresresultat im Laufe des Jahres deutlich an Dynamik eingebüsst hat. So waren bereits die Wachstumszahlen in den beiden Vormonaten negativ, was für das gesamte vierte Quartal bei den Exporten ein Minus von 2,1 Prozent (real -2,3%) ergab.

Bundesrat zum Handeln aufgefordert

Trotz starken Exportzahlen im 2019: Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse sieht die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz in Gefahr. Ein Grund dafür ist die Begrenzungsinitiative der SVP, ein anderer die Blockade beim Rahmenabkommen mit der EU.

Economiesuisse verlangt vom Bundesrat, dieses noch im laufenden Jahr zu unterzeichnen. Der Stillstand führe zu grosser Unsicherheit für Unternehmen, hiess es gemäss Medienmitteilung an der Jahresmedienkonferenz vom Dienstag in Bern.

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