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Der Telebasel News Beitrag vom 27. Januar 2020.
Basel

Fall Dojo – Stawa fordert höhere Bestrafung

Ein Prügel-Überfall unter verkrachten Kickboxern von 2014 in Reinach beschäftigt erneut die Richter. Zwölf Angeklagte stehen ab Montag vor dem Kantonsgericht.

Beim Fall «Dojo» geht es um einen brutalen Überfall von Kickboxern auf eine Kampfsportschule in Reinach BL im Jahr 2014. Die Angreifer hielten diverse Anwesende – darunter Kinder – in Schach, damit der Anführer einen beinharten Einzelkampf mit seinem verhassten Rivalen austragen konnte. Am schlagzeilenträchtigen Überfall waren dutzende Personen beteiligt; sechs wurden verletzt.

Seit Montag beurteilt das Baselbieter Kantonsgericht den Fall «Dojo» als zweite Instanz. Die Staatsanwaltschaft und das Hauptopfer haben das Urteil des Strafgerichts vom September 2018 weitergezogen. Aber auch der Hauptangeklagte, ein inzwischen 43-jähriger Portugiese, und vier weitere Beschuldigte legten Berufung ein. Sie fordern Freisprüche in einzelnen Anklagepunkten, mildere Strafen oder eine Ablehnung der Schadenersatzzahlungen.

«Auf allen Seiten werden die Waffen gehoben. Mehrere Parteien sind mit dem Urteil der ersten Instanz nicht zufrieden», sagte der Gerichtspräsident am Montag beim Prozessauftakt. Zwölf Männer stehen im Fall «Dojo» erneut vor Gericht, von denen vier von der Verhandlung dispensiert wurden.

Opfer fordert rund 74’000 Franken

Für die zweitinstanzliche Beurteilung hat sich das Kantonsgericht Basel-Landschaft aus Platzgründen ausnahmsweise ins Strafjustizzentrum in Muttenz eingemietet – Medien können die Verhandlung nur via Videoübertragung mitverfolgen.

Der Präsident sprach von einem «Riesenfall». Alleine für die Wiederholung der Urteile der ersten Instanz und die Erwähnung der eingegangenen Berufungen benötigte das Fünfergericht am Montag rund zwei Stunden.

So war zu erfahren, dass die Staatsanwaltschaft unter anderem eine höhere Bestrafung für den Haupttäter und drei weitere Angreifer im inneren Kreis der Täterschaft verlangt. Die Männer sollen zusätzlich wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu Rechenschaft gezogen werden. Für den Haupttäter verlangt die Staatsanwaltschaft eine teilbedingte Strafe von drei Jahren, davon 12 Monate unbedingt.

Das Strafgericht hatte den Haupttäter im September 2018 zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten verurteilt. Schuldig gesprochen wurde der Kickboxer unter anderem wegen Angriffs, einfacher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Bei den übrigen insgesamt 16 Angeklagten gab es damals bedingte Strafen in unterschiedlicher Höhe sowie sieben Freisprüche.

Vier Angeklagte wurden zu bedingten Freiheitsstrafen von 14 bis 19 Monaten verurteilt und acht erhielten bedingte Geldstrafen – zweien wurde beiderlei aufgebrummt. Das Hauptopfer, das dem Prozessauftakt am Montag fernblieb und nach dem Vorfall für mehrere Monate arbeitsunfähig gewesen war, fordert von seinen Angreifern eine Genugtuung von insgesamt rund 74’000 Franken.

Am Montag war das Kantonsgericht vor der Befragung der Beschuldigten zunächst mit den Vorfragen der Parteien beschäftigt. Die Verhandlung soll rund eine Woche dauern. Für die anschliessende Beratung sind zwei Wochen vorgesehen, wie der Gerichtspräsident sagte. Das Urteil soll voraussichtlich am 21. Februar oder 30. März 2020 bekanntgegeben werden.

Aufwändiger Prozess

Der wegen der Zahl der Angeschuldigten enorm aufwändige Prozess sprengte den im Baselbiet üblichen Rahmen bei weitem: Über 30’000 Aktenseiten hatte die Staatsanwaltschaft in vier Jahren gesammelt. Der Gerichtssaal war im Sommer 2018 allein mit den Angeschuldigten samt Verteidigung voll; Medien und Publikum sahen damals nebenan per Video zu. Für die zweitinstanzliche Beurteilung hat sich das Kantonsgericht Basel-Landschaft ausnahmsweise ins Strafjustizzentrum in Muttenz eingemietet.

Das Kantonsgericht hatte für den Fall «Dojo» im April 2019 beim Landrat 60’000 Franken für die vorübergehende personelle Aufstockung seiner Abteilung Strafrecht verlangt. Die Parteiverhandlung soll rund und eine Woche dauern, für die anschliessende Beratung sind gemäss Auskunft des Baselbieter Kantonsgerichts drei Wochen vorgesehen.

Das Strafgericht hatte nach dem Prozess im Juni 2018 für die Urteilsberatungen einen vollen Monat benötigt. In den Fall involviert sind 42 Parteien – neben den 17 Angeklagten auch die Staatsanwaltschaft und 24 Privatkläger. Die Akten füllen 67 Bundesordner. Das begründete Urteil der ersten Instanz erstreckt sich über 203 Seiten.

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