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Der Telebasel News Beitrag vom 27. Januar 2020.
Baselland

Fall Dojo geht in die zweite Runde

Der Fall Dojo geht in die zweite Runde. Ab Montag müssen sich 12 Angeklagte vor dem Baselbieter Kantonsgericht verantworten.
Erster Prozesstag beendet

Auch das Beweisverfahren ist unter einem Vorbehalt vom Gerichtspräsidenten bereits für abgeschlossen erklärt worden. «Es ging schneller als gedacht», so Eglin. Morgen wird der Prozess weitergeführt.

Das war’s für heute! Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit. Wir werden bei der Urteilsverkündung wieder für Sie berichten – entweder am 21. Februar oder am 30. März.

 

 

Angeklagter 8

Tempo, Tempo! Weil auch der Angeklagte Nummer 7 dispensiert ist, sitzt bereits der achte Angeklagte vor dem Richter. Er will integral auf seine früheren Aussagen verweisen, sofern keine neue Fragen gestellt werden.

Und er will laut seiner Aussage beim Überfall keine aktive Rolle innegehabt haben: “Ich war ein Statist”, betont er. “Ich konnte nicht Nein sagen, weil ich meinen Trainer nicht enttäuschen wollte”, antwortet er auf die Frage, wieso er mitgegangen ist.

Angeklagter 6

Nichts Neues – auch der Angeklagte 6 mag nicht sprechen.

Angeklagter 5

Der vierte Angeklagte ist dispensiert – bereits sitzt der fünfte Angeklagte vor dem Richter. Auch er macht keine Aussagen.

Angeklagter 3

Der dritte Angeklagte schweigt. Er macht von seinem Aussage-Verweigerungs-Recht Gebrauch.

Verstoss gegen das Waffengesetz

Der Angeklagte 2 wird vom Gerichtspräsidenten auch gefragt, wieso er eine Imitationswaffe (eine Maschinenpistole aus Plastik) und ein Teleskop-Schlagstock besass. (Die Waffen wurden bei einer Durchsuchung beschlagnahmt).

Der Angeklagte 2 sagt, mit der Imitationswaffe habe er mit seiner Frau gespielt. Dass die Waffen verboten sind, das will er nicht gewusst haben.

 

Angeklagter 2

Auch der zweite Angeklagte mag offenbar nicht mehr nochmals reden – jedenfalls nicht ausführlich. Er macht zwar nicht vom Aussage-Verweigerungs-Recht Gebrauch – aber seine Motivation oder sein Erinnerungsvermögen scheinen klein. “Ich weiss nicht mehr”, “Ich kann mich nicht mehr erinnern” hört das Gericht immer wieder.

Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, wieso er mit einem Holzstab und einer Maske im Trainingscenter von Beqiri erschien, sagte er: “Ich wusste nicht, was mich erwartet.” Der Gerichtspräsident ist damit nicht zufrieden und hakt nach. Der Angeklagte 2 schüttelt immer wieder den Kopf, antwortet auf die weiteren Fragen mit  “ich kann mich nicht erinnern” oder verweist auf seine Aussagen, die er in früheren Verhandlungen oder Einvernahmen gemacht hat.

Dass er mit Holzstab jemanden aufs Bein geschlagen hat, daran kann er sich aber noch erinnern. Er habe zugeschlagen, weil er angegriffen worden sei.

Paulo Balicha

Paulo Balicha will keine Aussagen mehr zur Sache machen. Nach wenigen Sekunden ist er wieder zurück an seinem Platz.

Einvernahmen der Beschuldigten zur Sache

Als nächstes stehen die Einvernahmen der Beschuldigten zur Sache an. Weil der Fall sechs Jahre zurück liegt, die Beschuldigten bereits mehrmals einvernommen wurden, wird das Prozedere nicht im üblich ausführlichen Rahmen stattfinden. Dieter Eglin legt aber Wert darauf, dass “gründlich” gearbeitet wird.

Angeklagter 8

Weil der Angeklagte 7 dispensiert ist, hat bereits Nummer 8 Platz genommen. Er will nicht, dass sein Arbeitgeber genannt wird. Darum prüft der Gerichtspräsident nur die Personalien des Mannes.

Damit ist dieser Teil beendet. Der Gerichtspräsident unterbricht den Prozess. Um 16.30 Uhr geht es weiter.

Angeklagter 6

Bereits hat der nächste Angeklagte Platz genommen. Der sechste ist Maurer von Beruf. Es war aber nur ein kurzer Auftritt – denn er verweigert Aussagen zu seiner Person zu machen.

Angeklagter 5

Der Gerichtspräsident hat Schwierigkeiten mit der Aussprache des Namens des Angeklagten Nummer 5. Kurzes Gelächter im Saal. Dann geht das Prozedere im gewohnten Rahmen weiter. Der Angeklagte 5 ist selbständig. Er ist in der Event-Promotion tätig – vorher arbeitete er als Koch. Im Gegensatz zu den Befragten vor ihm ist der Angeklagte 5 weiterhin im Kampfsport tätig – er trainiert Kinder und Erwachsene.

Zwar hat er keinen engen Kontakt mehr zu Balicha. Er werde es ihm aber nie vergessen, dass Balicha ihn früher sehr unterstützt habe – ihm unter anderem Arbeit vermittelt habe und er bei ihm wohnen durfte.

 

Angeklagter 4

Auch der nächste Angeklagte wird von Eglin auf sein Aussage-Verweigerungs-Recht aufmerksam gemacht – und dass er sich hier nicht selber belasten muss. Auch der vierte Angeklagte ist kinderlos. Er ist Wirtschafts-Student und in Basel wohnhaft.

Wie alle anderen auch betreibt auch der Angeklagte 4 keinen Kampfsport mehr. Viel mehr will er den Fokus voll auf seine Ausbildung legen.

Angeklagter 3

Der nächste Angeklagte wird befragt. Er ist brasilianisch-spanischer Doppelbürger und von Beruf Maler. Auch er ist vorbestraft. Er ist kinderlos und geschieden.

Angeklagter 2

Der zweite Angeklagte hat Platz genommen. Er wohnt zusammen mit seinem Bruder und seiner Ehefrau im Kanton Aargau. Er ist vorbestraft – unter anderem wegen Verkehrsdelikten und einfacher Körperverletzung. Der Familienvater arbeitet als Elektromonteur. Um als Kampfsport-Trainer tätig zu sein, fehle ihm die Zeit, sagt er.

Er will nach vorne schauen – fleissig arbeiten und für seine Familie da sein. Er entschuldigt sich auch für die Fehler, die er begangen hat.

Paulo Balicha

Balicha willigt ein, über seine Person Auskunft zu geben. Aus gesundheitlichen Gründen könne er keiner Arbeit mehr nachgehen, sagt er. Er leide unter Arthrose – habe rund ein Dutzend Operationen hinter sich. Laut seinem Arzt habe er ein Knie wie ein 90-Jähriger. Schon bald müsse er wieder unters Messer.

Der kinderlose Portugiese lebt von der Sozialhilfe. Er sei in einer festen Beziehung. Sein Sport Gym ging nach dem Vorfall in Konkurs. Es wollte niemand mehr bei ihm trainieren – es seien in den Medien viele Unwahrheiten transportiert worden. Finanziell gehe es ihm auch nicht gut – er habe viele Betreibungen am Hals.

Es sei auch schwierig neu zu starten. In Zukunft würde er gerne wieder Events organisieren oder als Promoter von Kämpfern tätig sein.

Personen-Einvernahme startet

In Bälde startet das Gericht mit der Personen-Einvernahme, wie am Morgen angekündigt. Dieter Eglin erklärt noch einmal das Vorgehen – im Fokus steht vor allem, was sich im persönlichen Umfeld der Angeklagten seit der Hauptverhandlung im Juni 2018 geändert hat. Als erste Person wird der Hauptangeklagte Paulo Balicha befragt.

Die Verhandlung wird fortgesetzt

Die Verhandlung wird fortgesetzt. Dieter Eglin verliest den Entscheid der Anträge. Unter anderem werden Nicolas Roulet und allen weiteren Rechtsvertretern die geforderten Akten ausgehändigt, die ihnen vorenthalten wurden.

Wegen Verletzung des Akteneinsichtsrechts hatten am Vormittag die Verteidiger gefordert, das Verfahren ans Strafgericht zurückzuweisen. Das Kantonsgericht habe zwar Verständnis für die Forderung, weist den Antrag aber ab, und erklärt den Entscheid. Unter anderem weil seit vier Monaten das Akteneinsichtsrecht vollständig gewährleistet sei, so Eglin.

 

Hauptangeklagter und Verteidiger auf dem Weg zum Gericht

Der Hauptangeklagte Paulo Balicha mit seinem Verteidiger Nicolas Roulet auf dem Weg zum zweiten Teil des ersten Verhandlungstags.

(Video: Telebasel)

Pause

Das Gericht zieht sich jetzt zur Beratung der Anträge zurück. Um 14.30 Uhr soll es mit der Verhandlung weitergehen.

Problem Akteneinsicht

Die Staatsanwaltschaft sieht kein Problem in Sachen “verweigerter Akteneinsicht”. Das lassen die Verteidiger in der Replik nicht auf sich sitzen und betonen unisono, es sei nicht möglich aufzuzeigen, wie man anders verteidigt hätte, falls man vollumfänglichen Zugang zu den Akten gehabt hätte.

Zudem könne man aus den Akten auch entlastendes Material finden. Nicolas Roulet will zudem festgehalten haben, dass noch längst nicht alle Einvernahmen bei den Akten sind und nennt ein Beispiel vom Juli 2017.

Dispensationen

Zwei Verteidiger stellen Dispensationsgesuche für ihre Mandaten – im ersten Fall ist es ein medizinischer, im zweiten Fall ist es ein verfahrenstechnischer Grund.

Eglin gibt zudem bekannt, dass nach der Durchführung der jeweiligen Einvernahmen die Angeklagten vom Prozess dispensiert werden – falls gewünscht.

"Mangel von Verfahren"

“Wir haben es hier mit einem wesentlichen Mangel von Verfahren zu tun”, sagt einer der Verteidiger. Er nimmt Bezug auf die Tatsache, dass den Verteidigungen “erstinstanzlich mehrere 1000 Seiten Akteneinsicht verweigert wurden.” Das sei eine schwere Verfehlung gewesen – und es reiche auch nicht, wenn zweitinstanzlich nun alle Akten freigegeben wurden. Er stellt darum einen Rückstellungsantrag. Konkret: Das Verfahren soll an das Strafgericht zurückgewiesen werden.

Die Frage nach Vorfragen

Der Prozess geht weiter – Eglin stellt die Frage nach allfälligen Vorfragen. Die Staatsanwaltschaft hat keine. Und weil die Privatklägerschaft nicht vor Ort ist, geht der Reigen weiter mit den Rechtsvertretern. Nicolas Roulet, der Verteidiger vom Hauptangeklagten Paulo Balicha, ist als erster dran.

Pause

Eglin unterbricht den Prozess – um 11.15 Uhr geht es weiter.

Der Ablauf

Eglin erklärt den Anwesenden jetzt den weiteren Ablauf des Prozesses. “Er ist ähnlich wie vor Strafgericht”, sagt er. Nach den Vorfragen der Parteien gehe es um das Kernstück – “die Einvernahme aller Beschuldigten zur Person und zur Sache.”

Vier Personen sind laut Eglin dispensiert – und werden darum auch nicht befragt. “Sie bleiben aber Berufungsbeklagte”, so der Gerichtspräsident.

Im Anschluss an die Einvernahmen seien letzte Beweisanträge möglich. Es folgen Parteivorträge und die geheime Beratung. Die Urteile werden mündlich eröffnet. Der Zeitpunkt ist laut Eglin noch unklar. Zur Disposition stehen der 21. Februar oder der 30. März – je nach Verlauf.

Verschärfung oder Milderung?

“Auf allen Seiten werden die Waffen erhoben”, sagt Eglin etwas martialisch. Er betont, dass das Kantonsgericht nur in den angefochtenen Punkten das Urteil des Strafgerichts überprüfen wird. Er fasst noch einmal zusammen, dass sechs Beschuldigte in Berufung gingen und es unter anderem drei Berufungen von Privatklägern gab.

Die Angeklagten klärt er auf, dass auch eine Verschärfung des Urteils möglich ist. Nach Studie der Faktenlage hat Eglin die Angeklagten in vier Gruppen eingeteilt. In der ersten Gruppe könne sowohl eine Verschärfung als auch eine Milderung des Urteils möglich sein. In der zweiten Gruppe sei nur eine Verschärfung möglich. Bei der dritten Gruppe könne das Urteil nur gemildert aber nicht verschärft werden – in Bezug auf die finanziellen Forderungen sei aber eine Verschärfung möglich. Und die letzte Gruppe muss allenfalls mit einer höheren Strafe auf finanzieller Ebene rechnen.

Freisprüche gefordert

Demgegenüber stehen die Anträge der Beschuldigten. Die meisten fordern, dass die Zivilforderungen abgewiesen werden wollen. Zudem fordern sie zum Teil Freisprüche in einzelnen Anklagepunkten oder eine mildere Beurteilung. Einzelne fordern gar einen vollumfänglichen Freispruch in allen Anklagepunkten. Die Kosten sollen auf den Staat abgewälzt werden.

Berufungen und Anträge

Der Gerichtspräsident informiert auch, wer zu welchem Zeitpunkt Berufung gemacht hat – und wer darauf verzichtet hat. Er verliest zudem die Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft. Sie hat die Anträge teilweise verschärft.

Shemsi Beqiri hat zudem Schadenersatzforderungen über 15’800 Franken gestellt, welche die Angeklagten solidarisch begleichen sollen.

 

Offene Zivilforderungen

Der Gerichtspräsident erinnert die Angeklagten auch noch einmal an die offenen Zivilforderungen. Die Solidarhaftungs- und Parteientschädigungs-Beträge bewegen sich zwischen 5’000 und 23’000 Franken.

 

Urteile des ersten Prozesses

Eglin rekapituliert noch einmal die Schuldsprüche der 12 Angeklagten, welche das Strafgericht ausgesprochen hat.

Auch die Verfahrenskosten werden noch einmal in Erinnerung gerufen. Sie waren zum Teil happig und betrugen bis zu 22’000 Franken.

Erklärung des Gerichtspräsidenten

“Der Fall wird noch einmal komplett neu beurteilt”, sagt Eglin. Das vor dem Hintergrund, weil auch schon das erstinstanzliche Verfahren in Muttenz stattfand. Eglin sagt, dass es rein aus Platzgründen nicht möglich gewesen wäre, den Prozess vor dem Kantonsgericht in Liestal durchzuführen.

 

Es geht los

Mit leichter Verspätung betreten Richter und Angeklagte den Gerichtssaal. Die Presse ist aus Platzgründen in einem separaten Saal. Die Presseverantwortlichen bekommen die Verhandlung per Videoübertragung mit.

Die 12 Angeklagten und deren Verteidiger werden von Dieter Eglin vorgestellt – ebenso die Mitglieder des Gerichts.

12 Männer auf der Anklagebank

Aus Platzgründen hat sich das Kantonsgericht ausnahmsweise ins Strafjustizzentrum in Muttenz eingemietet. In der zweiten Runde des Falls sitzen nun 12 Personen auf der Anklagebank. Für sie geht es nicht zuletzt auch um eine Stange Geld: Das Strafgericht hatte nebst den massiven Verfahrenskosten die zehn Verurteilten solidarisch zu Genugtuungszahlungen von mehreren tausend Franken verknurrt.

Der Prozess ist unter der Leitung des Kantonsgerichtspräsidenten Dieter Eglin und auf sechs Tage angesetzt. Das Urteil soll in rund vier Wochen – am 21. Februar bekannt gegeben werden.

Unzufriedenheit auf beiden Seiten

Kampfsportler Shemsi Beqiri zeigte sich nach dem erstinstanzlichen Urteil gegen seinen Erzrivalen Paulo Balicha enttäuscht. Unzufrieden waren auch mehrere Angeklagte (zehn Männer wurden wegen Freiheitsberaubung, Angriffs und Körperverletzung als Mittäter verurteilt.)

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hat Freisprüche weitergezogen und Anschlussberufung erhoben. So fordert sie eine höhere Bestrafung für den Haupttäter und drei Angreifer im inneren Kreis der Täterschaft – sie sollen zusätzlich auch wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu Rechenschaft gezogen werden. Auch mehrere Verurteilte haben ihre Schuldsprüche weitergezogen, weil sie mit der rechtlichen Würdigung und dem Strafmass nicht einverstanden waren.

Zwei der Verurteilten hatten ausserdem bestritten, an jenem Abend bei der Schlägerei überhaupt dabei gewesen zu sein.

Erstinstanzliches Urteil

Paulo Balicha muss für ein Jahr ins Gefängnis. Das Baselbieter Strafgericht hat für den Basler Kickboxer eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten ausgesprochen, davon zwölf Monate unbedingt. Der 41-jährige Balicha muss sich wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Angriffs verantworten. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hatte für den Hauptangeklagten Balicha eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, eines davon unbedingt, gefordert.

Riesige Aktenberge

Fast dreieinhalb Jahre dauerten die Ermittlungen im Fall Dojo. Die Anklageschrift umfasste 65 Seiten. 17 Männer mussten  im Sommer 2018 vor den Richter: Ihnen wurde mehrfache versuchte schwere und einfache Körperverletzung, Angriff, Freiheitsberaubung, Hausfriedensbruch und Vergehen gegen das Waffengesetz zur Last gelegt. Die Akten der Staatsanwaltschaft umfasste 32’000 Seiten oder 52 Bundesordner.

Vorgeschichte

Am 24. Februar 2014 stürmte eine Gruppe maskierter und bewaffneter Männer das Kampfsport-Center von Shemsi Beqiri in Reinach. Anführer des Schlägertrupps war der portugiesische Kickboxer Paulo Balicha. Die beiden Kontrahenten verband einst eine Freundschaft. Nachdem Beqiri sein eigenes Kickboxcenter eröffnete und selber zu unterrichten anfing, begann die Fehde zwischen den beiden.

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