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Baselland

Alles andere als Larifari

Mit Greta getrommelt und auf Langenbruck geschissen: endlich ist Fasnacht! Die 34. Auflage des Prattler Vorfasnachtsevents Larifari gibt die Stossrichtung vor.

Das Larifari in Pratteln gibt einen ersten Eindruck vom aktuellen Fasnachtsjahrgang, eignet sich also als perfekter Gradmesser für die Befindlichkeiten der Szene und ihre Themen. Dass ein gewisser Trump, eine Teenagerin namens Greta und allgemein Grünes im Trend sein würden an der Fasnacht, Auflage 2020, dürfte daher wenig überraschen.

Beim Schnitzelbank «S’spitzig Ryssblei» klingt das dann so:

Dr Trump mit sinere Strähnemähne

Will Grönland kaufe vo däne Däne

Das finde die souveräne Däne zum Gähne

Dä söll si Mähne nid so usem Fänster lähne

Wenn Däne de Deal aznähme erwäge

Denn schänke mer Züri däne dört äne

Schwingfest und Gemeindezentrum

Mit spitzer Zunge blickt das Larifari an zwei praktisch ausverkauften Abenden aber auch stets auf das jüngste Geschehen in Pratteln zurück, mitunter sogar auf künftiges aus dem Jahr 2061. Im Jahr zuvor wurde immerhin der Neubau des Gemeindezentrums eingeweiht. Die Ausstellung der päpstlichen Schweizergarde in der Galerie Beyeler war genauso Thema wie die Sperrung vom Schnabelgässli, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 und dessen eichelbewehrtes Logo. Selbstredend, dass auch die gefühlt endlose Rede anlässlich der Ortsmuseumseröffnung und das Ruftaxi für die einfamilienhäuslichen Hangbewohner nicht unerwähnt blieben.

Derweil schiss das Walfischchörli im Anflug auf Mümliswil jodelnd und über den Wolken singend auf Langenbruck, während es sich einen Campari Soda genehmigte. Ihre Fasnachts-Serenade schlossen die angegrauten Herren mit den eindringlichen Stimmen mit einem lüpfigen «Guantanamera», das bei den Walfischen verdächtig nach «Wän dir no meh ha» klang.

Greta Thunberg im Fokus

Musikalisch ging es mit den Nachtfalter Schränzern und schliesslich mit einer bisher unbekannten Boyband namens «Gretas Greenboys» weiter. Die Tambouren der Saggladärne – die Clique ist ihres Zeichens Gastgeberin des Abends – trommelten auf einer Batterie aus Mülltonnen, als ginge es um ihr Leben. Und das ging es vielleicht auch, schliesslich sprang unversehens ein mürrischer Tambour mit Zöpfen und gelber Regenjacke aus einer der Tonnen, um hernach den Takt anzugeben. Gretas Greenboys eben.

Ebenjene omnipräsente Greta wurde natürlich auch vom «spitzig Ryssblei» in die Zwinge genommen:

Mir hän am Stammtisch stundelang parliert

Und über d Greta disputiert

Die einte finde d Greta gar nid toll,

doch mir gfallt Greta jedes Mol

drum bini s letzt Johr, das isch nid glooge,

viermol mit dr Easyjet uf Kreta gflooge.

Endgültig als würdige Nachfolger des altgedienten Moderatoren-Duos Fredy und Fritz haben sich die Räpplibuebe etabliert. Mit Selbstironie und Wortwitz legten sie den roten Faden zwischen den Schnitzelbänken, Rahmenstücken, Protestgetrommel und schränzenden Guggen. «Bisch du eigentlich defür, dass katholischi Priester dörfe hüroote?», fragt also der eine Räpplibueb den anderen. Der antwortet stante pede: «Jo. Aber nur, wenn sie sich au würklich liebe». Von wegen Larifari – oder eben: «Wän dir no meh ha?»

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