Die Mutter des Unfallopfers Harry Dunn, Charlotte Charles, im August 2019 in New York. (Archivbild: Keystone)
International

USA liefern Diplomatengattin nicht aus

Die USA liefern die Ehefrau eines Diplomaten nicht an Grossbritannien aus. Die Frau soll für den Unfalltod eines jungen Mannes verantwortlich sein.

Während ihres Aufenthalts in Grossbritannien habe die Frau diplomatische Immunität genossen, begründete das Aussenministerium in Washington am Donnerstag die Entscheidung. Kämen die USA dem britischen Auslieferungsantrag nach, würde dies «einen ausserordentlich problematischen Präzedenzfall darstellen».

Die britische Regierung reagierte mit Enttäuschung auf die Entscheidung. Eine Sprecherin des Innenministeriums in London sagte, ihre Regierung prüfe nun dringlich, welche Optionen sie in dem Fall noch habe.

Auf der falschen Fahrbahnseite

Der Streit um die Ehefrau des US-Diplomaten hat sich zu einer Belastung für die traditionell engen Beziehungen zwischen London und Washington ausgewachsen. Die Frau hatte Grossbritannien nach dem Unfall unter Berufung auf diplomatische Immunität verlassen, bevor sie von der Polizei befragt werden konnte.

Beim Unfall war Ende August der 19-jährige Harry Dunn tödlich verunglückt, als sein Motorrad in der Nähe eines britischen Luftwaffenstützpunkts mit dem Auto der Frau des Diplomaten kollidierte. Sie war auf der falschen Seite der Fahrbahn unterwegs. In einer Erklärung räumte die Frau ein, am Steuer des Unfallwagens gesessen zu haben.

«Gesetzlose» und «korrupte» Regierung

Die Eltern von Dunn seien «nicht überrascht» über die Weigerung der US-Regierung, die Frau auszuliefern, sagte ein Sprecher der Familie. Es handle sich um eine «gesetzlose» und «korrupte» Regierung, die offenbar sogar «ihren engsten internationalen Verbündeten attackieren» wolle, kritisierte der Sprecher. Die Familie werde nun mit der britischen Regierung über die nächsten Schritte beraten.

Dunns Eltern hatten im Oktober US-Präsident Donald Trump in Washington besucht. Anschliessend kritisierten sie, dass das Weisse Haus versucht habe, ohne Vorankündigung ein Treffen mit der Frau des Diplomaten zustande zu bringen, die sich in einem Nebenraum aufhielt.

«Schwierigkeiten mit Verkehrsregeln»

Trump bezeichnete den Tod des jungen Mannes als «fürchterlichen Unfall». Er sagte aber auch, dass US-Bürger oft Schwierigkeiten damit hätten, gemäss den britischen Verkehrsregeln auf der linken Strassenseite zu fahren.

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