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Der Telebasel News Beitrag vom 23. Januar 2020.
Basel

Eltern wegen Misshandlung von Säugling verurteilt

Ein besonders schwerer Fall von Kindsmisshandlung wurde am Donnerstag am Basler Strafgericht verhandelt. Die Eltern wurden schuldig gesprochen.

Beim Lesen dieser Anklageschrift läuft es einem kalt den Rücken runter: Ein Mädchen, im September 2015 geboren, soll durch die heute 26-jährige Mutter und den 32-jährigen Vater brutal misshandelt worden sein. Beide Eltern mussten sich deswegen am Donnerstag, 23. Januar 2020, vor dem Basler Strafgericht verantworten. 

Doch der Reihe nach: Nach der Geburt zogen Mutter und Baby direkt vom Spital in ein Mutter-Kind-Haus, dies auf Weisung des Familiengerichts. Weshalb dieses so entschieden hatte, geht nicht aus der Anklageschrift hervor. Die Eltern, wie auch Mitarbeitende der Einrichtung, hätten das Baby betreut, schreibt die Staatsanwaltschaft.

Arme und Beine gebrochen

Einzelne Wochenenden habe die Familie in ihrer Wohnung verbringen dürfen. Doch die Eltern seien im Umgang mit der neugeborenen Tochter überfordert gewesen. Die Staatsanwaltschaft klagt sie wegen fünf Vorfällen an. Die Eltern sollen den Säugling dermassen misshandelt haben, dass er ihnen entzogen wurde – mit Oberschenkel- und Schienbeinbrüchen. Auch beide Ellen seien gebrochen gewesen.

Die Brüche seien entstanden, weil die Eltern das Baby heftig an den Fussgelenken packten und dabei die Beinchen herumrissen, respektive verdrehten. Gemäss Anklageschrift brachte die Mutter das Baby Anfang Dezember 2015 notfallmässig in die universitäre Kinderklinik. Dort stellte das Personal den frischen «inkompletten Spiralbruch» am rechten Oberschenkel fest sowie mehrere ältere Knochenbrüche. Darauf zog die Frau gemäss Anklageschrift aus dem Mutter-Kind-Haus aus. Der Säugling wurde fremdplatziert.

Mehrfache Körperverletzung

Beide Eltern mussten sich nun unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Sie machten während der Befragung nur sehr vage Aussagen und wirkten überfordert. Beide schienen sich keiner Schuld bewusst zu sein und schoben die Schuld von sich, verweigerten teilweise die Aussage. Die Mutter behauptete sogar, dass sie sich vorstellen könnte, dass andere Aufsichtspersonen, wie beispielsweise die Grosseltern, Schuld an den Knochenbrüchen sein könnten.

Der Staatsanwalt fragte mehrfach wie es möglich sei, dass ein Kleinkind so schwer misshandelt worden ist und keiner etwas mitbekommen habe oder sich einer Schuld bewusst sei. Die angeklagten Eltern wussten darauf nichts zu sagen. Es wurde mehrfach erwähnt, dass der Kindsvater aggressiv und die Mutter depressiv sei – auch da, nur wenig Reaktionen.

Mutter möchte unbegleiteten Kontakt

Die beiden Angeklagten sind in der Zwischenzeit getrennt. Lediglich die Mutter hat aktuell Kontakt zu ihrem Kind, welches im Moment bei einer Pflegefamilie lebt. Die Mutter erwähnte, dass sie mehrfach pro Monat das Kind besuche und zukünftig gerne Kontakt zu ihrer Tochter hätte, ohne dass eine Begleitperson anwesend ist. Die Staatsanwaltschaft sprach die Eltern im Anklagepunkt mehrfache Körperverletzung an einem unter ihrer Obhut stehenden Kind schuldig. Der Vater bekam zehn Monate, die Mutter sechs Monate bedingte Freiheitsstrafe. Sie sind somit auf Bewährung.

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