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Schweiz

Die endlose Frage nach dem Modus

Die Super League steht vor einem Umbruch: Braucht es einen anderen Modus? Diese Frage stellt sich - wieder einmal. Die Fussball-Schweiz tut sich schwer damit.

Die Schweiz wird die Modus-Frage nicht los. Seit Jahrzehnten suchen Klubs und Liga nach einem System, das möglichst fair und dazu auch spannend sein soll. Letzten August ist ein neuer Anlauf ins Rollen gekommen und seit Anfang dieser Woche wird es nun ernst: Spielen bald zwölf statt zehn Teams in der Super League? Kommt eine Final- und eine Abstiegsrunde?

Eine grosse Mehrheit der Klubs hat sich am Montag dafür ausgesprochen, diesen Plan weiter zu verfolgen. Gespielt würden 33 Runden, danach wird die Liga zweigeteilt: Die oberen sechs Teams spielen um den Meistertitel, die unteren sechs gegen den Abstieg. In fünf weiteren Partien fallen alle Entscheidungen. Der neue Modus würde bereits auf die Saison 2021/22 hin kommen. Er wird auch «schottischer Modus» genannt, da in der obersten schottischen Liga bereits nach diesem System gespielt wird.

«Etwas Neues tut der Liga vielleicht gut»

Eine Aufstockung der Liga findet nicht nur bei den Klubs, sondern auch bei den Fans des FC Basel durchaus Anklang. Viele wünschen sich mehr Vielfalt in der Super League, sind zehn Teams doch eine sehr dünne Besetzung.

Vereine wie GC, Aarau oder Lausanne hätten durchaus das Niveau für die höchste Spielklasse, wird im FCB-Fanforum mehrfach argumentiert. Aber ein neuer Modus? Damit tut sich manch einer schwer. «Es braucht keine Änderung. Denn es ist gut so, wie es ist», findet die langjährige FCB-Anhängerin Pia Borner. Sie sieht keinen Sinn dahinter, ein neues System einzuführen, das eine Meistertitel-Entscheidung womöglich nur hinziehe.

Braucht die Super League einen neuen Modus? Das sagen FCB-Fans dazu. (Video: Telebasel)

«Etwas Neues tut der Liga vielleicht gut», findet hingegen Urs Zeder aus Basel, der die Spiele von Rotblau seit Jahrzehnten im Stadion verfolgt. Spannung, das erhoffen sich in Zukunft wohl alle Fans in der Fussball-Schweiz. Aber erhöht der neue Modus diese auch? Und vor allem: Wieso wird gerade jetzt über einen neuen Modus diskutiert, wo drei Teams um die Spitze spielen und die Super League so spannend wie seit Langem nicht mehr ist?

Der Zeitpunkt dieser Diskussion kommt nicht von ungefähr. Ende 2020 laufen die aktuellen TV-Verträge aus, auf 2021 werden neue verhandelt. In diesem Zeitfenster wollen die Swiss Football League (SFL) und die Klubs einen allfälligen neuen Modus installieren, da sie dies dann ohne Mitsprache der TV-Stationen tun können. «Das ist der sinnvollste Zeitpunkt», erklärt SFL-Sprecher Philippe Guggisberg auf Anfrage.

Schweiz und Schottland teilen Probleme

Dass die Super League nun mit dem Dreikampf YB – Basel – St. Gallen spannend wie selten ist, ist purer Zufall. Der geplante «schottische Modus» könnte diese Spannung noch dauerhaft steigern, da in den letzten fünf Spielen der Saison die besten fünf Teams gegeneinander um den Meistertitel spielen.

Schafft sich ein Team in den ersten 33 Runden aber ein komfortables Polster von 13 oder mehr Punkten, ist ihm die Meisterschaft auch im neuen System kaum mehr zu nehmen. In der Schweiz durchaus realistisch, wie gerade FCB-Fans wissen. Auch in Schottland kennt man dieses Problem: Dort heisst der Meister seit der Saison 2011/12 ununterbrochen Celtic Glasgow – trotz des anderen Modus.

Die Schlusstabelle der Super League in der Saison 2016/17. (Screenshot: sfl.ch)
Die Schlusstabelle in Schottland nach der Saison 2016/17. (Screenshot: transfermarkt.ch)

Schlussendlich ist es vielmehr die sportliche Qualität der Mannschaften in einer Liga als der Modus, die Spannung bringt. Und diese ist in der Schweiz wie in Schottland auf wenige Teams verteilt. Die beiden Länder sind sich in Sachen Fussball eben ziemlich ähnlich. Daher auch die Frage nach demselben Modus. Bei der schottischen Idee geht es aber nicht nur um die Spannung, sondern auch um die Chancen, in der höchsten Liga mitzuspielen. Kleinere Vereine haben bessere Aussichten, den Sprung in die Super League zu schaffen, da es zwei Plätze mehr gibt.

Gerade wenn die Liga 2021/22 auf den neuen Modus umgestellt werden sollte, böte sich für die oberen Klubs aus der Challenge League eine einmalige Gelegenheit. Die Spielzeit davor würde ziemlich sicher zu einer Übergangssaison verkommen, in der dann zwei Teams aus der Challenge League direkt aufsteigen, um die Super League auf zwölf Teilnehmer zu erhöhen. Im Gegenzug würde keine Mannschaft absteigen, es sei denn in einer allfälligen Barrage-Begegnung. Somit wäre der Aufstieg für Klubs wie Aarau, Lausanne oder GC so einfach wie nie.

Es drohen mehr Auswärts- als Heimspiele

Soweit so gut, wäre da nicht noch eine Krux, die der schottische Modus mit sich bringt. Eine erste Phase von 33 Runden bedeutet, dass jeder Verein dreimal gegen seine Mitstreiter spielt. Somit kann der FCB beispielsweise zweimal zu Hause gegen Xamax antreten, aber nur einmal im Joggeli gegen YB und zweimal auswärts in Bern. Das finden viele Fans unfair. «Dann wird ausgelost, wer ein zweites Heimspiel bekommt», moniert der rotblaue Fan Thomas Arnold aus Reinach.

Dieser Problematik ist sich auch die Swiss Football League bewusst. SFL-Sprecher Guggisberg kann die Kritik verstehen, merkt aber an, dass eine Liga mit zwölf Teams und mindestens gleich viel Spielen wie heute diesen Haken zwangsläufig mit sich bringe. «Es gibt ein Ungleichgewicht, das stimmt. Verhindern kann man dies aber nur mit einer 10er-Liga», so Guggisberg. Denn ein Modell mit 18 Mannschaften kommt für die Schweiz nicht infrage, dafür fehlt die breite Qualität. So viel ist klar.

Ab März ginge es Schlag auf Schlag

Klarheit über die Zukunft der Super League wird eine ausserordentliche Generalversammlung von Mitte März bringen, an der die Vereine und die Liga über die Einführung eines neuen Modus beschliessen werden. Kommt keine Zweidrittels-Mehrheit zustande, bleibt der alte Modus in Kraft. Hält der schottische Modus in der Schweiz Einzug, muss alles ziemlich schnell gehen: Eineinhalb Jahre später würden der FCB und Co. bereits im neuen System spielen. Bleibt zu hoffen, dass der Modus dann eine Zeit lang Bestand hat. Denn, wie die Fussball-Geschichte hierzulande zeigt: Die Schweiz wird die Modus-Frage nicht los.

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