Ab Donnerstag messen sich am Brysdrummle wieder die besten Trommelkünstler. (Bild: Basler Zeitung / Dominik Plüss)
Basel

Das «Brysdrummle» ist wichtig

Die jungen Tambouren von heute wollen sich noch immer noch messen. Es geht um gelebte Leidenschaft.

Das Basler Brysdrummle, das am Donnerstag mit den Vorausscheidungen beginnt, bleibt ein Anlass der Extraklasse – ein Anlass mit seinen eigenen Gesetzen. Das Gute daran? Man kann die Gesetze im Vorfeld unmöglich alle kennen, weil immer wieder neue dazukommen. Und «s Gschnuur» ist immer riesig. Das ist auch gut so; es gehört dazu. Und man muss es ertragen können.

Aber man muss vor allem eines können: sich auf seine Aufgabe konzentrieren, allen Neben­geräuschen trotzen und seine persönliche Bestleistung auf die Bühne zaubern. Es geht nur um diese – um die persönliche Bestleistung, egal auf welchem Niveau! Wer seine persönliche Bestleistung auf die Bühne bringen kann, dem ist am Ende die Klassierung egal. Leider ist schon mancher Königsanwärter an dieser Aufgabe gescheitert. Ich bin genauso oft gescheitert, wie ich König geworden bin. Denn nicht immer konnte ich die persönliche Bestleistung ­abrufen.

«Kai Drägg» im Vortrag

Heute weiss ich: Am Schluss geht es um gelebte Trommelliebe. Um innere Kraft. Darum, nahe bei sich selber zu sein, damit ich jede Streichkombination richtig erahnen kann. Es geht um die Bestleistung im Moment X. Man kann den Moment X üben, um dann quasi auf Knopfdruck abliefern zu können. Das hat aber alles mit positiven Gefühlen zu sich selber zu tun. Wir Tambouren üben vorwiegend, um technisch «in Form zu sein», damit der Wirbel «rollt», damit es am Schluss «kai Drägg» im Vortrag hat. Dabei müssten viele zuerst mal ein positives, innerliches «so will ich trommeln»-Gefühl entwickeln. König wird man zuerst in sich drin, erst danach auf der Bühne. Dies ist mit ein Grund, warum ich finde: Das Brysdrummle ist wichtig!

Auf ein Ziel hinarbeiten, sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzen, Gefühle auf die Bühne bringen – all das ist sehr lehrreich. Bevor ich mit Trommeln beginne, muss ich wissen, erahnen, erfühlen, wie mein Marsch klingen soll. Dann bringe ich diese innere Kraft aufs Fell. Und das ist total faszinierend.

Aus meiner Sicht muss ich dabei Folgendes beachten:

  • Das Piano ist die Basis. Laute Schläge wachsen aus dem Piano. «Abedrugge» ist verboten, bringt nichts, und du verkrampfst dich.
  • Eine perfekte Trommel macht einen Punkt Unterschied aus.
  • Wer nicht gerne Doublés trommelt, kann sie nicht richtig! Bei den Doublés ruhe ich mich für die nächste schwierige Passage aus. «Doublés drummle isch räini Erholig.»
  • Der 7er-Endstreich ist der Schlüssel zum Erfolg. Den «engen» Achtelsfünfer können viele nicht richtig.
  • Kurz vor dem Brysdrummle übe ich nur noch die letzten drei Verse. Der Juror macht die Note am Schluss, und die ersten Verse sind sowieso übertrainiert.
  • Zwei Tage vor dem Brysdrummle nehme ich keine Schlägel mehr in die Finger; so steigt mein Verlangen, endlich wieder trommeln zu können, ins Unermessliche. Das Brysdrummle ist dann die Erlösung.
  • Am Brysdrummle trommle ich mit komplett anderen Schlägeln als üblich. Das braucht eine gehörige Portion Mut. Neue Schlägel fühlen sich anders an, und dadurch konzentriere ich mich noch mehr auf mein Trommelgefühl.
  • Finde ich auf der Bühne die Symbiose zwischen Trommel, Fell, Schlägel und mir selber, dann habe ich mein positivstes Trommelgefühl gefunden. Wer es mal gespürt hat – der wird süchtig danach.
  • Die Liebe zum Trommeln verdrängt die Angst vor dem Fehler.
  • Rückschläge sind Umwege zum Ziel – also weiter üben.

Das Brydrummle ist wichtig, weil es um gelebte Leidenschaft geht, um Trommelliebe pur– und zu guter Letzt darum, im Foyer die digge Mögge der anderen zu ertragen.

Allne, wo ihr Drummelgfühl sueche, wünsch i vyyl Glügg! Wär suecht, dä findet!

Ivan Kym ist fünffacher Basler Trommelkönig und vierfacher Gewinner
des Eidgenössischen Tambourenfests. Sein Text ist in der Basler Zeitung vom 22. Januar erschienen.

(Bild: zVg)

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