Als gesellig, künstlerisch begabt, aufgestellt und herzlich wird der verstorbene «Waldmensch» Jean-Claude Ankli beschrieben. (Screenshot Video: Anna Thommen)
Baselland

Muttenz trauert um seinen Waldmenschen

Der Waldmensch von Muttenz ist tot. Der beliebte Aussteiger verstarb um den Jahreswechsel in seinem kleinen Reich an der Hardackerstrasse. Das Dorf trauert.

Sein Zuhause war ein kleines Wäldchen an der Hardackerstrasse in Muttenz, eingezwängt zwischen Güterbahnhof, Tennisclub, Aushubdeponie und Pfadihütte – hier lebte Jean-Claude Ankli über 20 Jahre lang ein echtes Aussteigerleben. Waldmensch nannten ihn die Leute liebevoll. Im Alter von 81 Jahren starb der Waldmensch nun im Anbau seines Wohnwagens.

Wann genau kann niemand sagen, spätestens aber kurz nach Neujahr. Die Polizei wurde am 3. Januar informiert, nachdem seine Leiche gefunden wurde. Weil er wohl eines natürlichen Todes starb, wurde keine Untersuchung eingeleitet, teilte die Baselbieter Polizei 20 Minuten auf Anfrage mit.

«Er gehörte einfach zu Muttenz»

Die Nachricht vom Tod des beliebten Dorforiginals machte im Internet schnell die Runde. Dutzende kommentierten und kondolierten: «Lieber Jean-Claude, du wirst uns nicht nur im Wald, sondern vor allem auch im Dorf fehlen». Denn obwohl Ankli sich aus dem bürgerlichen Leben zurückzog, war er mitnichten menschenscheu.

«Er war ein sehr interessanter Mensch», sagte die Gemeindepräsidentin von Muttenz, Franziska Stadelmann. Viele kannten ihn von zahlreichen Begegnungen im Dorf oder bei der Pfadihütte. Künstlerisch begabt, aufgestellt und herzlich sei er laut Stadelmann gewesen. «Er gehörte einfach zu Muttenz», wird die Lokalpolitikerin von der Pendlerzeitung zitiert.

Eine Unterkunft lehnte er ab

Bevor er an der Hardackerstrasse «sesshaft» wurde, musste er mehrmals umziehen. 1991 wurde er bereits umgesiedelt, nachdem Jäger ihn im Wald entdeckten. Später musste er erneut wegen eines Biotops für geschützte Kreuzkröten weichen. Die Behörden boten Ankli eine Unterkunft an – er lehnte ab. Sein kleine Reich erschuf er sich schliesslich mit dem Segen der Gemeinde neben der Pfadihütte. Dort baute er auch stetig aus und weiter, bis die Basler Filmemacherin Anna Thommen 2006 auf ihn aufmerksam wurde.

«Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt» nannte sie den Dokumentarfilm, den sie über den Waldmenschen drehte. «So nahe in der Natur zu wohnen und nur das nötigste zu besitzen – das war für ihn ein kleines Paradies», wird Thommen von 20 Minuten zitiert.

«Er war auch gesellig»

Viel über Anklis Vergangenheit ist nicht bekannt. Bevor er «ausstieg» arbeitete er als Schriftsteller. Wie viele Aussteiger hatte er seine Mühe mit dem System; sein Lebenslauf soll einige Brüche aufgewiesen haben. Mit Menschen sei er aber gut klar gekommen: «Er war auch gesellig», erzählt Andreas Meier, der Verwalter der Pfadihütte, der Zeitung.

Seine Nachbarschaft sei bereichernd gewesen, erklärt Meier. Ankli sei künsterisch tätig gewesen, habe gebastelt und viel gebaut. Er hinterlässt eine Ansammlung von Bauten, die er als Lager, Werkstatt und Atelier nutzte. Zuletzt jedoch wohl mehr als Lager, da er in seinem Alter gesundheitlich angeschlagen war.

So fuhr ihn Meier noch im Dezember ins Dorf, weil er sich die Zehen gebrochen hatte. Zu ihm sagte er da, dass er dort einmal noch herausgetragen wird: «Er ahnte es wohl».

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