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Der Telebasel News Beitrag vom 17. Januar 2020.
Basel

Astronauten und Hippies am Mimösli

Die BVB-Leitstelle, Demos und Wessels spielen beim Mimösli eine grosse Rolle. Musikalisch dreht sich aber vieles um den Mond und um Woodstock.

Vorneweg: Musikalisch ist das aktuelle Mimösli wunderbar. Auch in diesem Jahr darf die Pfeifergruppe Piccognito wieder experimentieren – und hat damit Erfolg. Es wirkt ungewöhnlich, wenn man die Melodien von Jimi Hendrix oder Creedence Clearwater Revival erklingen hört und die Klänge dann mit den schrillen Tönen der Piccolos untermalt werden. Doch es klingt einfach gut.

Erstaunlich ist dieses Jahr, wie politisch Theaterchef Hansjörg «Häbse» Hersberger sein Mimösli gestaltet hat. Schon im Monolog der Veranstaltung unter dem Titel «Mir schiessen is uff dr Mond» macht das Ensemble klar, wo man politisch sicher nicht steht: links. Die rot-grüne Regierungsmehrheit bekommt am Mimösli eine Schelte nach der anderen.

Selbsthilfegruppe für Basel ohne Wessels

Gleich in mehreren Stücken führen Dani von Wattenwyl, Hedy Kaufmann, Nicole Loretan, Carlos Amstutz, Maik van Epple und Michael Eckerle um Theaterintendant Häbse den Zuschauern die Auswüchse von rot-grüner Politik aus ihrer Sicht vor Augen. Der scheidende Baudirektor Hans-Peter Wessels wird für jedes wegfallende Parkfeld und die Velorowdys verantwortlich gemacht. Gleichzeitig wird aber um Wessels als schillernde Figur getrauert.

So dreht sich ein Stück um eine Selbsthilfegruppe – kurz «BoW», für Basel ohne Wessels – für Unternehmer, Velokuriere und BaZ-Journalisten, die Regierungsrat Wessels entweder vermissen werden oder nach seinem Abgang nicht mehr wissen, worüber sie schreiben und auf wen sie wütend sein sollen. Das Fazit wird bereits im Prolog am Anfang klar kommuniziert: «Einfach weniger Rot wählen.» Doch spiegeln die Stücke in einer cleveren Weise den Lokalkolorit und treffen scheinbar auch den Nerv des Publikums.

«Kurdisch Blau»

Das Stück «Demo-Agentur» handelt von einer Marktlücke, die nun geschlossen wurde: einer Agentur, die massgeschneiderte Demonstrationen für jedermann und jedefrau anbietet. Da treffen sich dann die überzeugte Feministin, die keine Pronomen mag, und der kurdische Aktivist, der sich weigert, das Wort «Türkis» zu benutzen, und deshalb ständig von «kurdisch Blau» spricht.

Eine Glanzleistung ist das Stück über die BVB-Leitstelle. Von dort aus versucht Häbse das ganze Chaos in der Stadt zu koordinieren und stösst dabei ständig auf neue Probleme. Beispielsweise könne man die zurückgeholten pensionierten Buschauffeure nicht auf der Linie 31 fahren lassen, weil sie die Station «konsequent» auslassen würden. Und während Häbse das Ganze irgendwie zu leiten versucht, taucht im Minutentakt eine Kollegin (Hedy Kaufmann) auf, die über die neusten Wechsel in der BVB-Geschäftsleitung informiert.

Mit phänomenalen musikalischen Darbietungen der Tambouren von Stickstoff, den Pfeifern von Piccognito und den Fuege-Fäger wird das Publikum zwischen den Stücken unterhalten – und bedankt sich am Schluss mit einer stehenden Ovation.

Das Mimösli im Häbse-Theater kann noch bis 21. Februar 2020 genossen werden.

Mehr zur Mimösli-Premiere gibt es um 18:30 Uhr und ab 19:00 Uhr stündlich in den Telebasel News vom 17. Januar 2020 und laufend auf Telebasel.ch.

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