Trockene Schleimhäute im Winter, insbesondere in beheizten Räumen, begünstigen eine Ansteckung mit Erkältungsviren. (Bild: Telebasel)
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«Am besten sind chirurgische Masken im öffentlichen Bereich»

Im Winter fängt sich so mancher schnell mal eine Erkältung ein. Telebasel hat bei zwei Medizinern nachgefragt, wie man sich davor am besten schützen kann.

Nicht nur Rudolph schmückt sich im Winter mit einer roten Nase, auch viele Menschen röcheln, schniefen und niesen in der kalten Jahreszeit geradezu um die Wette. Brennende Halsschmerzen inklusive.

Aber warum erwischt es die meisten ausgerechnet im Winter? Sind das besondere «Winterviren», die uns flach legen, oder sind die Ursache tatsächlich die kalten Temperaturen?

Laut Simon Fuchs, stellvertretender Kantonsarzt und Leiter der Sozialmedizin in Basel, trocknen die Schleimhäute im Winter aufgrund der tieferen Luftfeuchtigkeit, insbesondere in beheizten Räumen, aus, was eine Ansteckung durchaus begünstigen kann. Zudem bringt die kalte Jahreszeit auch eine herabgesetzte Immunabwehr mit sich. Das, gemeinsam mit der räumlichen Nähe von erkrankten und exponierten Personen, erhöhe das Ansteckungsrisiko, so Fuchs.

Chirurgische Masken und Händewaschen

Generell seien Erkältungsviren allgegenwärtig und befallen neben dem Menschen auch viele Tiere. Je nach Quelle gebe es mehrere hundert verschiedene solcher Viren. Fragt sich nur, wie man sich da am besten schützen kann? Andreas Widmer, Leiter der Spitalhygiene am Universitätsspital Basel, empfiehlt eine chirurgische Maske im öffentlichen Bereich: «Das wäre am besten».

Eine weitere wichtige Präventionsmassnahme gegen Erkältung sei laut Fuchs auch regelmässiges Händewaschen mit Seife, da viele Übertragungen durch den Kontakt mit kontaminierten Flächen, wie beispielsweise Handgriffe im Öffentlichen Verkehr, Türklinken, Händeschütteln etc., stattfinden.

Und, «auch wenn Kälte per se weder eine hinreichende noch eine notwendige Bedingung für eine Erkältung ist, kann Wärme für den Körper einen präventiven Effekt haben, da die Schleimhäute besser durchblutet werden», klärt Simon Fuchs auf. Es sollte also durchhaus warm sein, aber im Idealfall nicht zu trocken.

Wer sein Immunsystem zudem fit halten möchte, solle vor allem auf eine ausgewogene Ernährung mit genügend Vitaminen und ausreichend Bewegung achten.

Was hilft, wenn es mich erwischt hat?

«Eine Erkältung dauert zwei Wochen mit und 14 Tage ohne Medikamente», weiss der Volksmund. Widmer kann das nur bestätigen. Ursächlich kann man die Erkältung also nicht behandeln. Medikamente können jedoch Linderung verschaffen.

Ausgenommen sei laut Andreas Widmer aber die echte Grippe, die durch Influenzaviren ausgelöst wird. Symptome sind hohes Fieber, ein plötzlicher und schneller Krankheitsbeginn, und Krankheits-Ausmasse, die eine Arbeitsaufnahme fast unmöglich machen. In diesem Fall könnten Tamiflu oder ein neueres Präparat wie Baloxavir sehr wirksam sein. Wichtig sei aber, dass die Präparate rasch eingenommen werden, betont der Wissenschaftler.

(Tabelle: Universitätsspital Basel)

Placebo-Effekt nicht vernachlässigen

Obwohl bekannt ist, dass viel Medizin nicht unbedingt etwas bewirkt, geben die Menschen trotzdem jedes Jahr Millionen von Franken für freiverkäufliche Medikamente gegen Erkältung aus. Wie passt das zusammen?

«Man will etwas tun, hat den Willen, gesund zu werden und dieser ist auch wichtig», erklärt Mediziner Andreas Widmer das Phänomen. Die Medikamente – ausser bei Influenza und bei schwer immungeschwächten Patientinnen und Patienten –  brächten somit einen wichtigen Gewinn für das Gefühl der Betroffenen. Und das auch, wenn sie wissenschaftlich keine signifikante Wirksamkeit hätten.

Simon Fuchs pflichtet ihm bei: «Gerade auch die eigene Überzeugung von einer Massnahme (sogenannter Placebo-Effekt) ist nicht zu vernachlässigen und trägt zum Behandlungserfolg bei».

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