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Baselland

Gräber von Zuzügern aus dem 5. Jahrhundert entdeckt

Archäologen haben in Reinach 17 Gräber freigelegt und analysiert. Dabei handelt es sich um Menschen, die vor 1500 Jahren in die Region gekommen waren.

Bereits im Jahr 550 nach Christus lebten Menschen in Reinach. Eine neue Entdeckung im Rankhof beweist dies: Für einen Neubau zwischen Neumatt- und Baslerstrasse wurde eine Liegenschaft abgerissen. Darunter befanden sich 17 Gräber und Beigaben aus dem frühen Mittelalter.

Die Archäologen des Kantons Basel-Landschaft hatten unter der Liegenschaft bereits Gräber vermutet. Wegen des geplanten Baus hatten die Forscher nur zwei Monate Zeit, die Funde zu sichern und zu dokumentieren. Mit einer Notgrabung konnte «eine wichtige Kenntnislücke» geschlossen werden, wie es seitens Archäologie Baselland heisst.

Keine Einheimischen

Seit gut 100 Jahren war die Existenz des frühmittelalterichen Gräberfelds im Rankhof bekannt, wie die Behörde mitteilt. Die ersten Skelettfunde wurden um das Jahr 1910 gemeldet. Die neu gemachten Funden stammen aus der Frühzeit des Friedhofs. Insgesamt wurden bisher 40 Gräber freigelegt. Es sei davon auszugehen, dass noch etliche weitere Verstorbene im Boden ruhen, so die Mitteilung weiter.

Weil es sich bei der Neuentdeckung um Gräber im ältesten Teil des Friedhofs handle, seien diese besonders wertvoll. «Zugleich sind es auch die mit den reichsten Beigaben.» Dazu zählen Lang- und Kurzschwerter, Lanzen, eine sogenannte ‹Franziska› (fränkische Wurfaxt) und zahlreiche Keramikgefässe. Sie zeigen, dass die hier um die Mitte des 6. Jahrhunderts bestatteten Menschen keine Einheimischen waren. «Vermutlich handelt es sich um Zugezogene aus dem Oberrheintal», erläutern die Forscher.

Besiedlung während 2000 Jahren

Die Neufunde seien von grösstem Interesse, wie die Archäologen betonen. «Zum einen geben sie einen einzigartigen Einblick in eine ganz entscheidende Phase in der Geschichte des heutigen Ortes.» Rinacum sei ein gallorömischer Name, der die Zeiten nur überdauern konnte, weil der Ort seit der Römerzeit vor rund 2000 Jahren kontinuierlich bewohnt blieb.

«Diese Kontinuität verlief jedoch nicht ohne Brüche», halten die Wissenschaftler fest. «Offensichtlich kamen um 550 nach Christus Siedler aus dem Oberrheingebiet hinzu, die der Entwicklung der damals nur noch dünnen Besiedlung neuen Schub verliehen.»

Grosse Bedeutung

Seit rund drei Jahrzehnten dokumentiert die Archäologie Baselland früh- und hochmittelalterliche Siedlungsspuren im Reinacher Ortskern. Diese seien «vorzüglich erhalten». In der Zeit von 550 bis 600 nach Christus zeige sich in den Siedlungsabfällen eine markante kurzfristige Zunahme von ortsfremdem Material.

Mit den neu entdeckten Gräbern wurden nun die Mitbringer dieses Materials enteckt. «Diese seltene Verbindung von Siedlungs- und Grabfunden in einer ereignisreichen Epoche ist für die archäologische Forschung weit über die Region hinaus von grosser Bedeutung», halten die Archäologen fest.

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